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Die Zeit der stillen Bastler ist vorbei: Auch Techniker benötigen Soft Skills beruflich immer mehr. Ein Kommentar von Walter Hanus, IVM.
Wie stellen wir uns einen typischen Techniker vor? Früher zählte vor allem das fachliche Können und Ingenieure galten nicht unbedingt als kommunikativ. Heute ist das anders. In der Technik nimmt die Teamarbeit zu, damit steigt die Bedeutung des menschlichen Faktors. Denn für gute Teamarbeit muss man kommunizieren können. Man muss präsentieren, aber auch zuhören können. Mehr als früher erwarten wir von Fachleuten, dass sie einem Kunden komplexe Themen geduldig erläutern und den praktischen Nutzen verständlich darstellen. Das betrifft nicht nur Führungskräfte, das betrifft alle. Kurz, die „Soft Skills“ spielen in den technischen Berufen eine wachsende Rolle.
Soft Skills bedeuten aber mehr als nur soziale Kompetenz. Es geht auch um die emotionale Intelligenz: die Fähigkeit, sich in andere einzufühlen und sie zu verstehen. Die Globalisierung verstärkt diesen Bedarf. Ingenieure arbeiten häufig in internationalen Teams, dazu müssen sie bereit sein, sich mit einer fremden Kultur zu beschäftigen und die lokalen Regeln zu achten.
Woher nehmen?
Doch wo sollen die Ingenieure diese Skills lernen? Universitäten und Fachhochschulen konzentrieren sich bei technischen Ausbildungen vor allem auf das Fachwissen. Das zwischenmenschliche Know-how kommt meist zu kurz. Das ergab unter anderem eine Studie von Uniforce im Auftrag von IVM. Dabei wurden Technik-Studenten und berufstätige Techniker zu ihrer Ausbildung an Fachhochschulen und Universitäten befragt. Demnach besteht ein starker Nachholbedarf bei Soft Skills wie Präsentieren oder guter Ausdrucksweise, besonders an den Universitäten.
Aber auch bei den Fachhochschulen gibt es noch genügend Potential. Im November hielt ich an der Johannes Kepler Universität Linz einen Vortrag über Soft Skills, auf Einladung der Kepler Society, der Alumni-Organisation der Universität. Das Publikum bestand großteils aus Technik-Studenten und ich bemühte mich, den jungen Leuten einen Einblick in die Praxis zu geben. Die Fragen zeigten starkes Interesse am Thema Soft Skills. Während Studenten früher höchstens wissen wollten, was sie zu einem Bewerbungsgespräch anziehen sollen, ging es diesmal sehr konkret darum, welche Soft Skills wichtig sind und was sie zur beruflichen Laufbahn beitragen.
Soziale Netzwerke
Tatsächlich fördern Soft Skills die Karriere sehr. Mit emotionaler Intelligenz pflegt man seine Freundschaften und seine beruflichen Kontakte eben besser. Soziale Netzwerke wie Facebook oder – im wirtschaftlichen Umfeld – Xing unterstützen diese Kontaktpflege und nützen der Karriere. Das Internet ist allerdings eine zweischneidige Angelegenheit, man kann sich auch selbst schaden. Wenn man allzu private Fotos ins Web einspeist oder sich bei der Rechtschreibung Blößen gibt, schlägt das manchmal ins berufliche Umfeld durch. Dann treten vielleicht unerwünschte Nebenwirkungen bei Kollegen und Vorgesetzten auf oder eine Bewerbung wird unvorteilhaft beeinflusst. – Man sieht, neben der emotionalen Intelligenz ist gerade im Internet auch die ganz normale Intelligenz von Vorteil.
So wandelt sich unser Bild vom Techniker. Die Vorstellung eines kühlen, nüchternen Berufs gehört der Vergangenheit an. Der Ingenieur der Zukunft arbeitet im Team und führt einen regen persönlichen Austausch mit vielen, ganz unterschiedlichen Menschen, oft über Landesgrenzen und Kontinente hinweg. Und das gilt eigentlich schon für den Techniker der Gegenwart.
Zum Autor
Walter Hanus ist CEO des Engineering-Unternehmens IVM. Das Unternehmen beschäftigt 265 Mitarbeiter an vier Standorten in Österreich. Zu den Geschäftsfeldern gehört unter anderem die Entwicklung von Software für die Steuerung von Automotoren, für Eisenbahnsysteme und für die Telekom-Branche.
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