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Zunächst in der Projektplanung und Projektarbeit eingesetzt, entwickelt sich Mindmapping zu einem mächtigen Werkzeug für unterschiedlichste Bereiche und Branchen.

In der Informationsflut, die täglich über uns hereinbricht, sind Anker gefragt, an denen wir uns festklammern können. In der Darstellung komplexer Sachverhalte hat sich neben den geradlinigen Indizes der Inhaltsverzeichnisse und Lexika ein neues Feld entwickelt: Mindmapping. Während beim Brainstorming Begriffe wahllos genannt und in einer kreativen Wolke notiert werden, ermöglicht Mindmapping die Zuordnung und richtige Reihenfolge der Begriffe von Anfang an – ein geordnetes Brainstorming sozusagen.

Der auf Mindmapping-Software spezialisierte Trainer Andreas Lercher sieht zunehmenden Bedarf für Visualisierungsmöglichkeiten dieser Art. »Wir sind heute nicht mehr in der Lage, die vielen Informationen, die auf uns hereinbrechen, auf herkömmlichen Wegen bildlich zu erfassen«, surft Lercher ganz geordnet auf der Infowelle. Der Steirer hat die nötigen Tricks und Finten im Blut. Sein Surfbrett kommt aus Deutschland – dem Mutterland der geflissentlichen Sammlung und Archivierung von Daten – und heißt MindManager. Die Applikation des Herstellers Mindjet ist dennoch international aufgestellt. Die Top-500-Unternehmen weltweit haben das »Schweizer Taschenmesser für den täglichen Umgang mit Informationen«, wie es Mindjet gerne nennt, im Einsatz. Über eine Million Lizenzen sind derzeit im Umlauf, das Hauptquartier befindet sich mittlerweile in San Francisco.

Weiße Flecken gibt es bei den Großunternehmen kaum noch. Nun soll das breite Unternehmertum, bis runter zu den Ein-Personen-Firmen, mit neuen Vertriebskonzepten beackert werden. Brandneu ist ein Service, der die Nutzung der Anwendung über den Internetbrowser ermöglicht. Installiert muss dazu nichts mehr werden. Kursveranstalter Lercher spricht von einem riesengroßen Einsatzgebiet für Mindmapping. »Dabei werden relevante Informationen schlagwortartig zu einem Bild zusammengefügt, das sich wesentlich leichter merken lässt, als herkömmliche Textwüsten.«

Keine Grenzen gesetzt
Für den effizienten Einsatz der Maps, in denen Informationen auch aus Datenbanken und Internetseiten eingebunden werden können, sei oft aber eine vorhergehende Schulung nötig, so Lercher. Nicht so sehr, um die Menüs und Funktionalitäten der Software selbst durchzuackern, betont er, sondern um das Wesen des Mindmapping überhaupt zu begreifen. Man muss es zumindest einmal vorgezeigt bekommen haben, heißt es in der Branche – von dem Prinzip begeistern lässt sich dann aber nahezu jeder.

Der Datenkartografierung sind keine Grenzen gesetzt. Selbst der Spezialist Lercher ist immer wieder überrascht, wo die Karten eingesetzt werden. Die Diplomarbeit, deren Struktur im MindManager übersichtlich gebastelt wurde, ist da noch eines der harmloseren Beispiele. In einem Kurs hat der Steirer auch schon mal einen EDVler getroffen, der sein Firmennetzwerk detailliert topografisch per Mindmap dargestellt hatte. Bei Netzausfällen konnte der findige IT-Fachmann auf der Karte so schnell die Flaschenhälse im Datenverkehr orten – eine einfache Filterfunktion machte es möglich, zusammenhängende Netzpunkte ein- und auszublenden: ein einfache und günstige Lösung, die der Mann selbst zusammengezimmert hatte. Gute Werkzeuge sind gerade bei geringen Budgets gefragt. Das renommierte Beratungsunternehmen Hill International wiederum setzt MindManager zur Analyse mehrerer hundert Seiten starker Vertragswerke ein. Gerade bei der Einschätzung von Leistungsänderungen in Verträgen und wirtschaftlichen Auswirkungen bei Verzögerungen, würde die Software ungemein helfen – ebenso wie bei der Präsentation von komplexen Informationen. »Ingenieure sind eben visuelle Menschen, die in Plänen und Bildern denken«, weiß Hill-Geschäftsführer Thomas Hofbauer, worauf es ankommt. Der Trend geht zur Visualisierung.
Viele sehen die Informationslandkarten bereits als fünfte Produktivitätsanwendung neben Programmen zur Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationserstellung und E-Mail.


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