"Geld lässt sich damit kurzfristig nicht verdienen"

Foto: Florian Schnurer, VAT, zur Vergabe der Breitbandmilliarde: »Wir wünschen uns einfach die volkswirtschaftlich sinnvollste Lösung«. Foto: Florian Schnurer, VAT, zur Vergabe der Breitbandmilliarde: »Wir wünschen uns einfach die volkswirtschaftlich sinnvollste Lösung«.

Florian Schurer, Geschäftsführer des VAT – Verband Alternativer Telekomnetzbetreiber, kritisiert Vergabemodalitäten bei der Breitbandmilliarde und blickt auf den Scherbenhaufen der Liberalisierung zurück. Gute Nachrichten gibt es dennoch – aus den Bundesländern.

Mit der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes sind 1997 neue Anbieter auf den Markt geströmt – der VAT hat diesen neuen Wettbewerb stets gespiegelt.

Report: Wenn Sie zurückblicken – wie hat sich die Providerszene in den Jahren nach der Marktöffnung entwickelt?

Florian Schnurer:  VAT hatte zwei, drei Jahre nach der Marktöffnung 26 Mitglieder, die österreichweit Festnetz- und Mobilfunkdienste angeboten hatten. Internet war anfangs ja eher noch ein Orchideenthema. Die Zahl der Anbieter ist dann aber relativ schnell nach unten gegangen, besonders ab dem Jahr 2007, mit der Einführung des Kombipakets von A1. Damit wurden erstmals Festnetz, Internet und Mobiltelefonie kombiniert. Preislich konnten da die alternativen Anbieter – allen voran jene, die ausschließlich Leitungsinfrastruktur boten – nicht mithalten. Was folgte, war eine drastische Marktbereinigung. Heute sieht man: Das Konzept der »Ladder of Investment«, mit dem in einem regulierten Markt alle Anbieter zu Investitionen angeregt werden, hat in Österreich kaum gegriffen.

Report: Ein Versagen der Regulierung?

Schnurer: Durchaus. Wie damals aber eine bessere Lösung ausgesehen hätte – ich weiß es nicht. Im Nachhinein ist man ja immer gescheiter. Grundsätzlich fußte ja auch die Tätigkeit des Regulators auf europäischen Regeln. Es waren wohl die Vorleistungspreise zu hoch, um alternativen Festnetzanbietern ein Auskommen zu sichern. Ob das aber wirklich der einzige Grund war, ist schwer festzustellen.

Report: Auch war das Lobbying der Telekom damals sehr gut – der Incumbent wurde von der Politik als Cashcow betrachtet.

Schnurer: Ja, aber man tut sich generell mit den ehemaligen Monopolisten schwer. Wie in Österreich haben sie auch in anderen europäischen Ländern noch immer eine starke Marktstellung. Die Regulierung ist dabei aber nur eine Sache. Die A1 hatte sich schon in der Vergangenheit immer wieder als Preistreiber im Festnetz hervorgetan – was für einen Incumbent eher ungewöhnlich ist. 19,90 Euro waren ein Kampftarif, der voll aufging.

Report: Die Konsolidierungswelle mit dem Höhepunkt der Übernahme des B2B-Providers eTel durch die TA hat den Wettbewerb dann weiter verkleinert.

Schnurer: Die Übernahmen waren bereits die Folge der stetig sinkenden Umsätze im Festnetzmarkt. eTel war sicherlich eine der größeren Konsolidierungen. Kleinere und größere Übernahmen hatte es schon davor gegeben.
Die Nachfrage nach dem Produkt Mega- und Gigabyte schoss sensationell in die Höhe, gleichzeitig sanken die Preise in den Keller. Damit wurde die Zahl der österreichweit tätigen Netzbetreiber immer kleiner.

Report: Wie schätzen Sie die Marktsituation für Infrastrukturanbieter heute ein?

Schnurer: Österreichweit gutes Geschäft zu machen, ist immer noch sehr schwer. Mehr als drei Mobilfunker und die paar Festnetzanbieter, die wir heute noch haben, wird es auf dieser Ebene auch in Zukunft nicht mehr geben. Ist das der Kleinheit des heimischen Marktes geschuldet? Paradox dabei ist, dass jetzt wieder regionale Netzbetreiber an Stärke und Macht gewinnen. Die IKT-Netzbetreiber der Landesenergieversorger, etwa der Energie AG, oder Kabelnetzbetreiber wie kabelplus verfolgen ihre Ausbaustrategien und wir sehen: Das funktioniert. Die Unternehmen setzen gleich auf Glasfaserleitungen bis zu den Kunden, auf Fiber-to-the-Home. Diese Regionalität ist die Zukunft. Es ist natürlich kein Zufall, dass hier Unternehmen aus dem öffentlichen Umfeld investieren. Ein Glasfaserausbau ist immens teuer, Geld lässt sich damit kurzfristig nicht verdienen. Deshalb braucht es Unternehmen, die langfristig planen und agieren dürfen.

Wir bemühen uns auch diese Anbieter als Mitglieder zu gewinnen. Wir sehen sie in einer wichtigen Rolle für 5G. Ohne Glasfaserausbau wird es keinen 5G-Ausbau geben können. Und können Infrastrukturbetreiber Synergien mit 5G-Providern nutzen, lässt sich das teuere Investment in Glasfaser zumindest für den Einzelnen etwas abfedern.

Report: Sie sagen, dass durch das Ausschütten der Breitbandmilliarde die Re-Monopolisierung des Marktes vorangetrieben wird. Warum?

Schnurer: Knapp 660 Millionen Euro wurden bis jetzt in drei Tranchen ausgeschrieben. Aus den veröffentlichten Vergabehöhen – man kennt die Details von bislang 200 Millionen Euro – ist ersichtlich, dass im Backhaul-Bereich 80 % und im Access-Bereich 64 % der Förderungen an ein einziges Unternehmen geflossen sind. Auch unter Berücksichtigung, dass es das größte Unternehmen ist, stimmt das bedenklich.

Hinzu kommt, dass die A1 mit Fiber-to-the-Curb eigentlich die älteste Technologie ausbaut. FTTC mag im Moment das Kupfernetz ertüchtigen, ist aber kaum nachhaltig. Denn bei weiter steigendem Bandbreitenbedarf müsste früher oder später neuerlich aufgegraben werden, um dann Glasfaser direkt zu den Gebäuden zu legen. Zudem macht es die komplexere Netzarchitektur schwer, Leitungen auch anderen Unternehmen bereitzustellen. Mobilfunker beispielsweise fangen mit der virtuellen Entbündelung über FTTC nichts an – sie würden direkt Fiber benötigen.

Unternehmen, die mit FTTH oder FTTB ausbauen, sind bei den Förderungen weit weniger bedacht worden. Das ist ein klarer Vorteil für den Monopolisten. Trotzdem sehen wir die Provider keinesfalls im Kampf gegeneinander – wir wünschen uns einfach die volkswirtschaftlich sinnvollste Lösung. Deshalb ist unsere Forderung: keine weiteren Förderungen für FTTC!

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Ausschreibungsrunden zu knapp aneinander gelegt wurden. Es war noch nicht einmal bekannt, wer in der ersten Runde zum Zug gekommen war, als der nächste Fördertopf verteilt wurde. Besser wäre es gewesen, zuvor alle Vergaben offen zu legen. Denn zu wissen, welche regionale Infrastrukur künftig mitgenutzt werden kann, wäre eine Entscheidungsgrundlage für Investitionen.

Ich verstehe schon, dass der Fördergeber »Quick Wins« erzielen möchte. Aber besinnen wir uns doch: Das hier ist Infrastrukturausbau. So etwas dauert.

 

Über den Verband: 1997 aufgrund der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes gegründet, repräsentiert der »VAT – Verband Alternativer Telekomnetzbetreiber« alternative Fest- und Mobilnetzbetreiber, die in Österreich tätig sind. Der VAT ist ein Netzwerkpartner des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI).

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