»Die neue Normalität«

Foto: Jim Fanning zufolge setzen auch Unternehmen in ­Österreich stark auf die Public-Cloud-Services von AWS. Foto: Jim Fanning zufolge setzen auch Unternehmen in ­Österreich stark auf die Public-Cloud-Services von AWS.

Jim Fanning ist seit sieben Jahren bei Amazon Web Services tätig und leitet von Zürich aus das Geschäft der Region CEE, die auch Österreich umfasst. Mit dem Report sprach er über den Cloud-Service-Markt und den Bedarf in der Wirtschaft.

Report: Welche Entwicklungen sehen Sie am Cloudmarkt derzeit? Welche Zukunft sehen Sie für die Branche?

Jim Fanning: Wir beobachten, dass Cloud-Services eine mächtige Basis für eine breite Anwendung von IT in Unternehmen in jeder Größe bilden. Die kleinsten Startups haben damit Ressourcen zur Verfügung, die früher den Fortune-100-Unternehmen vorbehalten waren. Firmen können nun eine Infrastruktur von hunderttausenden virtuellen Maschinen abrufen, ohne auch nur einen Cent vorab für Investitionen vorhalten zu müssen – und das mit nur ein paar Mausklicks oder wenigen automatisierten Prozessen. In den vergangenen sieben Jahren habe ich vor allem eines gesehen: Die Unternehmen, die unsere Services beanspruchen, betrachten IT nicht als ihr Kerngeschäft. Ihr Geschäftszweck ist nicht das Errichten und der Betrieb eines Rechenzentrums. Dadurch, dass sie bei Bedarf AWS nutzen, können sie sich auf das konzentrieren, was das jeweilige Kerngeschäft tatsächlich betrifft.AWS hat weltweit Millionen aktive Kunden, wir wachsen aktuell um 45 % jährlich, aber – ob Sie es glauben oder nicht – wir sehen uns immer noch in einem sehr frühen Stadium des Cloud-Geschäfts. Das wirklich große Wachstum steht uns noch bevor. Dabei geht es auch um eine Automatisierung in der IT. Das bedarfsweise Hinzuschalten von Ressourcen und Infrastruktur wird immer mehr von Skripten und über APIs gesteuert – weg vom manuellen Verwalten der IT.

Report: Hinken europäische Unternehmen hinsichtlich der Bereitschaft, auf die Cloud zu setzen, noch hinter dem US-Markt her?

Fanning: Nein, im Gegenteil. Auch in Europa haben bereits viele eine »Cloud first«-Strategie, in der automatisch neue Applikationen oder Rechnerleistung zuerst einmal über Public-Cloud-Services geliefert werden. Mittlerweile braucht es schon besondere Argumente, warum man den IT-Betrieb im eigenen Haus abwickelt. Wir sprechen von »Cloud is the new normal«.

Report: Kosten sind meist nicht der Hauptgrund für eine Auslagerung. Was sind wichtige Faktoren aus Ihrer Sicht?

Fanning: Das Kostenthema ist weiterhin wichtig, unsere Kunden entscheiden sich für die Cloud aber vor allem aufgrund der besseren Flexibilität für ihre IT. Skidata oder Runtastic zeigen uns unterschiedlichsten Bedarf für eine globale IT-Infrastruktur. 230 Millionen Downloads der Runtastic-Applikation über das AWS Content Delivery Network etwa oder Zutritts- und Abrechungssysteme von Skidata – Menschen weltweit nutzen diese Services aus Österreich über AWS. Und letztlich ist es auch die Möglichkeit für Große, so agil wie kleine Unternehmen neue Services schnell und ohne Vorgeschichte aufsetzen zu können.

Report: Wie rezipieren AWS-Kunden in Europa die EU-Datenschutzgrundverordnung?

Fanning: Natürlich ist die GDPR für unsere Kunden ein wesentliches Thema und auch wir als Anbieter haben uns schon sehr früh damit beschäftigt. Unsere Services entsprechen von Anfang an der EU-Datenschutzrichtlinie. Die Dienste von AWS erfüllen alle Compliance-Anforderungen und wir geben Organisationen technische Hilfestellungen, wie sie unsere Technologien nutzen können, damit sie ihre Datenschutz-Verpflichtungen erfüllen. Ohne Security und Compliance gibt es kein Cloud-Geschäft. Das betrifft die gesamte IT-Industrie.

Report: Bieten Sie die Möglichkeit, Daten ausschließlich an Standorten in der EU zu speichern?

Fanning: Ja, das ist definitiv möglich. Unsere gesamte Architektur basiert auf dem Konzept von 18 unterschiedlichen weltweiten Regionen, aus denen die Services erbracht werden. Unternehmen in Europa können dezidiert aus Services in Frankfurt, in Paris, London oder Dublin wählen und entscheiden, ausschließlich dort ihre Daten gespeichert zu haben. Wir replizieren nichts außerhalb der von einem Kunden gewählten  Region.

AWS in Zahlen

Der Umsatz der Cloudplattform Amazon Web Services (AWS) ist im 4. Quartal 2017 im Jahresvergleich um ­45 % auf 5,1 Mrd. Dollar gestiegen. Damit sprengt der Jahresumsatz bereits die 20-Milliarden-Dollar-Marke.Derzeit umfasst die AWS Cloud 114 Points-of-Presence in 54 »Availability Zones« in 18 geografischen Regionen. Angeboten werden über 100 unterschiedliche Dienste und Ressourcen für Computing, Storage, Networking, Database, Analytics, Application-Services, Deployment, Management, Developer, Mobile, Internet of Things, Artificial Intelligence, Security, Hybrid- und Enterprise-Applications. Bis spätestens Anfang 2019 soll in der Region USA auch eine eigene »AWS GovCloud« geboten werden.

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