Besser, schneller stärker - 5G scharrt in den Startlöchern

Besser, schneller stärker - 5G scharrt in den Startlöchern Fotos: iStock, RTR, Cisco, bmvit, Marlene Köning/T-Mobile, Huawei

Über Chancen für die Wirtschaft und die aktuellen Frequenzvergaben in Österreich. Die Auktion ist bereits gestartet: Trotz angekündigter Transparenz übt sich die Behörde in Geheimniskrämerei.

Sie gilt als Heilsbringer einer vernetzten Welt: 5G. Basis für künftige Infrastrukturdienste für den Verkehr, die Industrie und das Internet der Dinge. Fettes Videostreaming, Drohnen-Schwärme und autonomes Fahren. Selten wurde einem Mobilfunk-Standard ein derart breites Anwendungsspektrum vorhergesagt – noch bevor die Netze gebaut waren.
Auch in Österreich scharrt eine neue Generation schneller und mächtiger Services bereits in den Startlöchern. Das Alpenland soll seiner Regierung zufolge zur führenden Digitalnation werden. »Aufbauend auf dem technologischen Rückgrat der 5G-Infrastruktur sollen heimische Unternehmen ihre Kompetenzen bei künstlicher Intelligenz, autonomer Mobilität und Robotik weiter zur Weltspitze entwickeln können«, bekennt Infrastrukturminister Norbert Hofer.

Allein in Sachen Breitband herrscht in den nächsten Jahren ein Riesenbedarf, kommt auch eine aktuelle Studie von Cisco zum Schluss. Von 2017 bis 2022 wird sich in Westeuropa der mobile Datenverkehr von 2,4 auf 12 GB monatlich pro Einwohner erhöhen. Verläuft der Aufbau von 5G-Netzen nach Plan, unterstützen sie im Jahr 2022 in Westeuropa bereits 6,4 % aller mobilen Verbindungen. 5G-Netze werden bis dahin durchschnittlich 177 MBit/s erreichen. Letztere übertragen dann in drei Jahren etwa 23 % aller mobilen Daten. »5G ist eine wesentliche Voraussetzung, um den gestiegenen Datenverkehr überhaupt zu bewältigen. Österreich war bei 3G ein Vorreiter, jetzt haben wir wieder die Chance, Österreich als digitalen Innovationsstandort zu positionieren.«


Bild: Hans Greiner, Cisco: »5G ist eine wesentliche Voraussetzung, um den gestiegenen Datenverkehr überhaupt zu bewältigen.«

Vergabe in zwei Tranchen
Rechtlich wird das Infrastrukturprojekt 5G aus Sicht der Regulierungsbehörde RTR in zwei Schritten ausgerollt. Die RTR vergibt die Nutzungsrechte für die Frequenzbänder für 5G im regulierten Funkspektrum in Österreich. Mit dem sogenannten »Pionierband« im Bereich 3,4 bis 3,8 GHz werden heuer die Spektren für einen besonders hohen Datendurchsatz, aber mit eher ungünstigen Ausbreitungseigenschaften vergeben. Dieses Spektrum liefert die Basis für die Bandbreiten in dicht besiedelten Gebieten.

Im kommenden Jahr wird schließlich die Vergabe des »Multibands« erfolgen – die Bereiche 700, 1.500 und 2.100 MHz. Eine Konsultationsfrist dazu endet am 27. Februar. Die Regulierungsbehörde geht derzeit davon aus, dass die Ausschreibung dazu im Herbst 2019 erfolgt und die Auktion im 1. Quartal 2020 stattfinden wird.

Man verspricht auch, ein für die Mobilfunkbranche desaströs teures Ergebnis – wie zuletzt die Vergabe von Mobilfunkspektren im Herbst 2013 – auf keinen Fall zu wiederholen. Die Republik Österreich erzielte damals einen Gesamterlös von knapp über zwei Milliarden Euro – eine Summe, welche die Mobilfunkbranche auf Jahre hinaus stark unter Druck setzte. »Dieses Mal haben wir vieles anders gemacht«, erklärt Telekom-Regulator Johannes Gungl. »Die Versteigerung des 5G-Pionierbands ist nicht mit der letzten Multiband-Auktion vergleichbar. Wir schaffen die besten Voraussetzungen für 5G im Sinne des Regierungsprogramms und wir legen die optimale Basis für Österreichs Wirtschaft.«



Bild: Johannes Gungl, RTR. »Von der Versorgungsqualität mit 5G hängt die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Standorts ab.«

Die Mindestgebote sind nun mit insgesamt rund 30 Millionen Euro wesentlich niedriger, das Auktionsdesign einfacher und auch transparenter, hieß es im Herbst 2018. Die erste Auktion im Gigahertz-Spektrum wurde für Februar 2018 angekündigt – und prompt fiel die Behörde in den Modus absoluter Geheimhaltung. Über Interessenten, Bieter und den Beginn des Bieterwettbewerbs verliert man kein Wort mehr. Den Mobilfunkern wird dazu absolutes Stillschweigen angeordnet.

Wie Report Plus nun aus sicherer Quelle erfahren hat, ist die Auktion der angekündigten 5G-Frequenzvergabe zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses 22. Februar bereits im Gange. Das lang erwartete Bieterverfahren ist gestartet.

Warum die Geheimniskrämerei? Von der Sorge vor Cyberattacken auf die Auktionsinfrastruktur ist die Rede – ein RTR-Sprecher argumentiert gegenüber Der Standard (Link), aus »Sicherheitsgründen« keine Details nennen zu können. Man möchte eine »geordnete und sichere Vergabe für die Teilnehmer« gewährleisten, heißt es bei der RTR auch gegenüber Report Plus.

»Es ist unglaublich, wie geheimnistuerisch da vorgegangen wird«, beschreibt es ein Insider weniger elegant. Wer nun tatsächlich mitbietet? Neben den drei Mobilfunkern haben in den vergangenen Monaten Energieversorgungsunternehmen Interesse an regionalen Frequenzen bekundet. Vermutet wird freilich, dass diese Frequenzblöcke, die in der Auktionstranche 2019 lediglich städtische Gebiete betreffen – der rurale Raum wird in der Multiband-Vergabe folgen –, eher an die Mobilfunker fallen werden. Ihr Kerngeschäft ist der Netzausbau, die Kriegskassen bei A1, T-Mobile und Drei sind im Gegensatz zu den Börsen der Landesenergieversorger und Stadtwerke gut gefüllt. Letztere könnten dann eben im 700-MHz-Bereich zuschlagen.

»Man hat vor einem kollusiven Verhalten der Bieter Angst. Sie könnten sich untereinander absprechen und ihr Angebotsverhalten durch die Informationen, wer bei Angeboten mithalten kann, verändern«, heißt es unter der Hand. Die Intransparenz im aktuellen Bieterverfahren könnte aber tatsächlich auch zum Wohle der drei großen Bieter ausfallen. Denn sollte einer der drei Mobilfunker frühzeitig aus der Auktion scheiden, kann dieser praktisch zusperren. Ohne die Frequenzen 3,4 bis 3,8 GHz sind die wichtigen Breitbanddienste in den Städten kaum denkbar.

Die Vergabe der Bänder im Bereich 700, 1500 und 2100 MHz stellt bis 2030 die aus derzeitiger Sicht letzte Möglichkeit dar, ein Spektrum mit bester oder zumindest mittlerer Eignung zu einer flächendeckenden Versorgung Österreichs mit Mobilfunkdienstleistungen zu erwerben. »Daher ist es im Rahmen dieser Vergabe von besonderer Bedeutung, auch innerhalb dieses Zeitraums effektiven Wettbewerb herzustellen«, heißt es bei der RTR. Der Wettbewerb wird bei 5G mit Sicherheit nicht weniger.


5G: Eigenschaften und Anwendungen

+ Datenübertragung bis zu 20 Gigabit pro Sekunde (4G: 300 Mbit/sec)
+ Latenzzeit weniger als 1 Millisekunde
+ Ermöglicht flüssige und optimierte Darstellung von Augmented-Reality-und Virtual-Reality-Anwendungen in Echtzeit ohne Verzerrung
+ Industrieanwendungen wie das Steuern von Maschinen und Robotik in entfernten Industrieanlagen über Mobilfunk
+ Digitale Inhalte in 4K-Qualität ohne Verzögerung flüssig streamen
+ Steuerung von Drohnen, mobilen Gadgets und Geräten über Mobilfunk
+ Vernetzung von Fahrzeugen für autonomes Fahren
+ Smart City: Vernetzung und ­Kommunikation von Infrastruktur und Transportwesen

Quelle: Huawei


Das sagt die Branche über 5G


»Digitalisierung ist aus unserer Gesellschaft längst nicht mehr weg zu denken und betrifft mittlerweile jedermann. Es ist unsere Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu schaffen, um Österreich zu einem Frontrunner in Sachen Digitalisierung zu machen. Nicht zuletzt deshalb müssen wir auf den flächendeckenden Ausbau von 5G setzen, im Bereich der Forschung investieren und auf die Automatisierung der Mobilität vorbereitet sein. Die vorhandenen Stärken der österreichischen Innovationslandschaft müssen weiter gefördert werden. Denn sie sind es, die eine rasch fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung, die zudem einen entscheidenden Beitrag zur Standortsicherung in Österreich beiträgt, sicherstellen«,

sagt Norbert Hofer, Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie, anlässlich des Starts der ressortübergreifende Initiative »Digital Austria« der Bundesregierung. Mit der Initiative soll die Expertise von Akteuren aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft gebündelt werden.



»5G schafft die grundlegende Infrastruktur für die vernetzte Gesellschaft der Zukunft. Es ist das Fundament für neue Kundenerlebnisse wie Augmented-Reality-Spiele oder die Vernetzung von Maschinen in der Industrie und intelligenten Geräten. 5G unterstützt die Digitalisierung vieler verschiedener Lebensbereiche. Es werden zukünftig Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde erwartet. Vor allem die minimalen Reaktionszeiten sind jedoch für die zukünftige Vernetzung wichtig. Sehr kurze Latenzzeiten sind essentiell, um etwa unbemannte Flugkörper betreiben zu können. T-Mobile hat das ultimative Versprechen für die digitale Zukunft des Landes gegeben. Unser Ziel ist superschnelles Internet in ganz Österreich anzubieten. Diese Versorgung erreichen wir durch unterschiedliche Technologien. Deswegen investieren wir massiv in Österreich. Unsere Investitionen legten 2018 um 48 Prozent auf 229 Millionen Euro zu«,

erklärt Andreas Bierwirth, CEO T-Mobile Austria, zu den allgemeinen Chancen durch den neuen Mobifunkstandard.



»Wir sind mehr als bereit, Österreich mit unserem Know-how und unseren Lösungen auf dem Weg zum 5G-Pionier zu unterstützen. 5G bietet nicht nur Vorteile für Industrie und Wirtschaft, sondern für alle: Nutzer werden von niedrigeren Kosten sowie von spannenden Möglichkeiten wie 4K-Streaming und Artificial-Intelligence-Anwendungen profitieren. Wir sind sehr froh, dass uns in Österreich sowohl Politik, Medien als auch Kunden mit großer Fairness begegnen. Wir werden alles unternehmen, um diesem Vertrauen Rechnung zu tragen und Österreich bei der Digitalisierung bestmöglich zu unterstützen«,

kommentiert Pan Yao, CEO Huawei Austria, Spionagevorwürfe aus den USA. Das Technologieunternehmen kündigt an, Pläne für Investitionen in Forschung und Entwicklung in Österreich »in Betracht zu ziehen«.


Last modified onMontag, 25 Februar 2019 11:38
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