»Es ist ein lebendiges Nervensystem«

Foto: Michael Wilfing-May, Geschäftsführung bei solicon IT, verantwortet die Bereiche Business Development und Marketing. Foto: Michael Wilfing-May, Geschäftsführung bei solicon IT, verantwortet die Bereiche Business Development und Marketing. Foto: Solicon IT

Michael Wilfing-May, Geschäftsführung solicon IT, über Herausforderungen und Zukunftsaussichten beim Einsatz von BI in Unternehmen.

Report: Wie hat sich die Nutzung von Business Intelligence – BI – über die letzten Jahre verändert?

Michael Wilfing-May: Wo findet die Revolution in den Unternehmen statt? Es sind die Daten – Firmen werden zu datengetriebenen Organisationen. Im operativen Bereich war dies immer schon der Fall. BI hat nun das Ziel, Daten näher zu den Entscheidungsträgern zu bringen.

Mit dem Aufkommen von BI-Werkzeugen mussten sich die Anwender erstmals nicht mehr manuell ihre benötigten Daten aus den Systemen holen – diese wurden aktiv auf den Arbeitsplatz geliefert. Seither steht im Vordergrund, diese Schnittstelle zum Menschen auch verständlich und nutzerfreundlich zu gestalten. Wir sind überzeugt: Die vielen tollen und schönen Technologien, die wir heute haben, reichen nicht aus, dass Menschen gerne und produktiv mit Daten arbeiten. Das wird sich weiter verstärken, denn es gilt, künftig noch mehr Information zu verstehen und richtig einzuordnen. Hier sehen wir noch viel Beratungsarbeit. Auch wenn ein neues ERP- oder CRM-System eingeführt wird, verändert sich alles und das BI muss angepasst werden. Es ist ein lebendiges Nervensystem.

Report: Welche Herausforderungen sehen Sie insbesondere für den Arbeitsplatz von Wissensarbeitern?

Wilfing-May:  Menschen bleiben gerne in ihrem gewohnten Umfeld, auch beim Umgang mit Informationen. Zunächst muss also klar sein, mit welchen weiteren Daten man eigentlich arbeiten könnte. Es gibt freilich die Innovationstreiber in den Unternehmen, die stets neue Wege gehen. Ich habe allerdings den Eindruck, dass dafür oft die Abnehmer fehlen.

Für die IT ist die Herausforderung, Informationen so zu liefern, dass sie in die Denkprozesse und Arbeitsprozesse aufgenommen wird. Auch IT-Leiter können hier zu Innovationstreibern werden – sowohl in der Anbindung von neuen Datenquellen als auch im Automatisieren von Analyseprozessen.

Report:Wie sind die Unternehmen im Zusammenspiel der Fachabteilungen und der IT aufgestellt?

Wilfing-May: Diese Verbindung ist vielerorts erst im Entstehen. Viele setzen sich in einem Proof-of-Concept mit der Technologie und möglichen Datenquellen auseinander. Doch die richtigen Business-Cases müssen erst generiert werden. Nur sammeln und zu aggregieren ist ja wenig sinnvoll. Denn wenn niemand ständig mit Daten arbeitet, wird aus dem Data Lake schnell ein Data Swamp. Schließlich müssen Daten auch gepflegt werden. Wir selbst nähern uns hier etwa bei Kunden aus der Finanzdienstleistungs- und der Immobilienbranche von einer betriebswirtschaftlichen Seite an. Bei anderen Kunden werden dann auch technische Daten, beispielsweise aus der Logistik, angeknüpft – das klassische Data Warehouse wird mit Anwendungen für die Fachabteilungen erweitert.

Ziel von BI ist, von den Datensilos wegzukommen und Daten auf einer Plattform zusammenzuführen – um so einen kompletten Blick aufs Unternehmen zu bekommen. Ein Beispiel: Wie informiere ich meine Manager und Mitarbeiter über die Dinge, die im Unternehmen passieren? Es wird nicht gerne zugegeben, aber ein homogenes Berichtswesen ist für viele Unternehmen nach wie vor eine große Herausforderung. Man muss nicht nur ständig die Daten überprüfen, die ins Reporting kommen, sondern auch die regulatorischen Anforderungen ändern sich ständig.

Report:Wagen Sie einen kurzen Ausblick: Welche Bedeutung wird BI in Zukunft haben?

Wilfing-May:  Wenn in einen Planungs- und Reporting-Prozess auch externe Quellen wie beispielsweise aus Marktbeobachtungen eingebunden werden, können unterschiedliche Szenarien entworfen werden. Auch mithilfe von Machine Learning werden dann Algorithmen eine Glaskugel fürs Management schaffen können. So etwas gibt es ja heute kaum: Bislang analysiert der Mensch etwas aus vorhandenen Daten und fasst so selbst eine in die Zukunft gerichtete Annahme. Die Bedeutung von mathematischen Methoden und der Einsatz von Analytics für Prognoserechnungen nimmt mit Sicherheit zu.


Neues Wissen! Neue Kompetenzen!

Unter dem Motto »Business (un) usual« veranstaltet solicon IT Anfang Oktober eine 1:1-Gesprächsreihe gemeinsam mit Oracle. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, mit Unternehmen zu diskutieren, wo moderne IT-Ansätze wie Big Data und Analytics das Business oder Prozesse verbessern könnten. Ein Veranstaltungsort ist das Lugeck, im neuen Wien-Büro des IT-Dienstleisters und Beraters.

Details folgen demnächst auf:
www.solicon-it.com

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