Das war das Podiumsgespräch "IT-Ausstattung - Was Unternehmen tatsächlich brauchen"

Franz Öller, Johannes Baumgartner, Michael Schober, Thomas Pfeiffer, Christian Öhlinger und Thomas Gradauer diskutierten zu Herkunftsfragen von IT-Services: vom Serverkammerl bis zur Wolke. Franz Öller, Johannes Baumgartner, Michael Schober, Thomas Pfeiffer, Christian Öhlinger und Thomas Gradauer diskutierten zu Herkunftsfragen von IT-Services: vom Serverkammerl bis zur Wolke. Foto: Milena Krobath

Bei einem Report-Gespräch Ende Oktober diskutierten Vertreter der IT-Branche mit Verantwortlichen in Unternehmen unterschiedlicher Branchen zur Bandbreite von IT-Services – vom Serverkammerl bis zur Wolke, vom eigenen IT-Betrieb bis zur Auslagerung an Professionisten.

Der Wandel der IT von der reinen Kostenstelle zu einer produktiven Palette, die das Kerngeschäft unterstützt, stellt Unternehmen vor die Entscheidung: Welche Geschäftsteile können selbst betrieben werden? Welche Prozesse sollten besser ausgelagert werden? Welche Informationstechnologie passt für mein Unternehmen? Am 28. Oktober diskutierten vor 90 Besuchern im T-Center in Wien Peter Öhlinger, Head of Solution Sales and Portfolio Management T-Systems, Fujitsu-Managing-Director Johannes Baumgartner, Franz Öller, Assis­tent der Geschäftsführung Kardinal Schwarzenberg’sches Krankenhaus, Michael Schober, Trovarit, Thomas Pfeiffer, Chief Information Security Officer bei Linz Strom, sowie Thomas Gradauer, Leiter Produkt & Service Level Management Shared Products Raiffeisen Informatik. Partner des Report-Publikumgesprächs waren T-Systems und Fujitsu.

Report: Welche grundlegende IT-Infrastruktur, welche IT-Services brauchen Organisationen heute?

Peter Öhlinger, T-Systems:
Im Zeitalter der Digitalisierung ist das eine spannende Frage. Die Zeiten ändern sich. Die IT rückt deutlich näher an die Fachbereiche heran. Auch das Profil des CIOs (Anm. Chief Information Officer) ändert sich. Die zentrale Frage ist, welchen Wertbeitrag die IT-Organisation zum Geschäftserfolg oder zur Digitalisierung des Unternehmens leisten kann. Abhängig davon ergeben sich dann die Aufgabenstellungen und Anwendungsbereiche.
In einer IT-Strategie sollte der operative Tagesbetrieb von Wachstums- und Innovationsthemen getrennt werden. Für den täglichen Betrieb muss ich mir eine Sourcing-Strategie überlegen: Hinterfragen, was aus dem eigenen Haus erbracht werden kann, und was vielleicht besser auszulagern ist. Bei IT-Themen auf der Wachstumsseite steckt wiederum meist so viel Unternehmenserfahrung drinnen, dass diese eher im eigenen Haus behalten werden. Hier müssen Unternehmen gut überlegen, wie sie strategisch auf der Applikations- und auf der Infrastrukturebene agieren wollen.

Report: In den vergangenen Jahren gab es einen regelrechten Hype um Cloud Services, der nun abgeflacht scheint. Ist Cloud Computing in der Praxis in den Unternehmen angekommen oder beruht diese Wahrnehmung auf der kurzen Aufmerksamkeitsspanne der Medien?

Öhlinger: Ich würde sagen: beides. Nach dem Gartner-Zyklus haben wir die überzogenen Erwartungen bereits überschritten und befinden uns in einer vorübergehenden Talsohle. Die mediale Aufmerksamkeit ist damit auch zurückgegangen. Aus unserer Sicht geht es aber eindeutig weiter in Richtung Cloud. Zwar setzen Unternehmen standardisierte IT-Dienste aus der Cloud noch nicht in jenem Ausmaß ein, wie wir uns das wünschen würden. Ich glaube aber, dass dies kein einmaliges Aufflammen war. Im Gegenteil: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis standardisierbare Services noch viel häufiger in die Cloud wandern und damit flexibel, sicher und weitestgehend unabhängig von der eigenen Unternehmens-IT abrufbar sind.

Report: Wie sieht der IT-Bedarf von Unternehmen aus ihrer Sicht aus? Kann man überhaupt von typischen Anforderungen sprechen?

Johannes Baumgartner, Fujitsu: Es gibt klassische Entwicklungen am Markt und im Unternehmen: Die Datenvolumina haben sich seit 2006 verzehnfacht und wir sehen in den letzten Jahren einen Hockeystick. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Auf der anderen Seite stagnieren die IT-Budgets. Gerade Start-ups sind darauf angewiesen ihre IT und neue Medien richtig einzusetzen, um erfolgreich zu sein. Man muss sich als Unternehmer immer die Frage stellen: Wo stehe ich und wo will ich hin? Auch als mittelständisches oder großes Unternehmen schafft man es heutzutage nicht mehr, seine IT ganzheitlich zu betreuen. Es ist nicht möglich, da es so unterschiedliche Facetten gibt und man zu jedem Thema eigene Spezialisten braucht. In der Regel gibt ein Unternehmen seine Kernthemen nicht aus der Hand. Sie sind das Differenzierungsmerkmal zum Mitbewerb. Parallel kann aber überlegt werden, welche Dienstleistungen besser von Dritten erbracht werden, da man hier deutlich von den Skaleneffekten durch vielen Kundenprojekte profitieren kann. Auch bei dem Thema Mobilität gibt es einen großen Wandel im Markt. Vor zehn Jahren hatte noch niemand über Tablets, Smartphones & Co gesprochen. Heute müssen IT-Abteilung alle diese Geräte administrieren können. Diese Komplexität wird noch weiter zunehmen. Sie ist extrem herausfordernd und trifft kleine als auch große Unternehmen.

Report: Lösen nun bestimmte Endgeräte die alte, bisher bekannte IT-Welt ab? Was bietet Fujitsu dazu?

Baumgartner: Als weltweit tätiger Konzern verfügen wir über ein sehr breites Endgeräte-Portfolio. Der Einsatz bestimmter IT-Werkzeuge ist aber vom Anwendungsfall abhängig. Dazu müssen wir uns intensiv mit den Anforderungen unserer Kunden auseinandersetzen. Die zentrale Frage dabei ist, wie ein Geschäftsprozess aussieht, der mit PC, Notebook oder Tablet unterstützt werden soll. Ist der Einsatz von zum Beispiel Tablets wirklich das Richtige? Jüngst hatten wir in einem Gespräch mit einem Unternehmer beschlossen, bewusst Desktops statt Notebooks einzusetzen. Für viele Bereiche ergeben teurere Notebooks keinen Sinn, da die Mitarbeiter das Gerät vielleicht dreimal im Jahr mobil verwenden. Die meisten haben mittlerweile ohnehin ein Smartphone, auf dem sie ihre Mails einsehen können. Es geht also darum, was jeder einzelne Mitarbeiter an Werkzeugen braucht, um seine Arbeit bestmöglich und so kosteneffizient wie möglich zu erledigen – und nicht, was gerade im Trend liegt.

Report: Herr Öller, Sie können über IT-Fragen aus Kundensicht sprechen. Wie sieht dies bei Krankenhausbetrieben aus?

Franz Öller, Kardinal Schwarzenberg’-sches Krankenhaus:
Als mittelständisches Krankenhaus müssen wir mit den gegebenen Ressourcen und auch Restriktionen wirtschaften. Auch im IT-Umfeld ist dementsprechend ein starker Wandel spürbar. Vor zwei Jahren wurde bei uns ein IT-Strategie-Prozess begonnen, da man als IT-Abteilung zunehmend auch umfassender Dienstleister im eigenen Haus sein muss. Wir begleiten Organisationsentwicklungsprozesse in den Fachabteilungen, bieten aber auch fertige Out-of-the-box-Lösungen an. IT-Prozesse müssen Hand in Hand mit den Anwendern in den Fachabteilungen strukturiert werden, um Enttäuschungen später zu vermeiden. Auch wissen die Fachabteilungen anfangs oft noch nicht, welche konkrete Lösung sie am Ende haben wollen. Sie haben eine Vorstellung davon, wie so etwas aussehen könnte. Das Endprodukt aber ist nicht ausgegoren.

Wir haben uns in unserer IT-Strategie auch dazu bekannt, bei IT-Trends vorne mit dabei zu sein. So haben wir im letzten Jahr auf SAP HANA umgestellt und waren damit weltweit das erste Krankenhaus, das auf In-Memory-Computing mit dieser Technologie gesetzt hat. Auch als mittelständisches Unternehmen kann man dies bei relativ vernünftigen Kosten umsetzen.

Report: Gibt es IT-Services, die bei Ihnen ausgelagert werden? HANA etwa?

Öller: Es gab vor vier Jahren eine Entscheidung, die SAP-Basisbetreuung zur Gänze an T-Systems auszulagern. Wir waren zwar in der Cloud, haben aber mit dem HANA-System wieder »reale« Lösungen angeschafft. HANA ist derzeit nicht aus der Cloud betreibbar, es gibt noch kein Modell dazu. Wir gehen von einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 48 Monaten aus und nehmen an, dass die nächste Generation bereits von der Hardwarebene entkoppelt ist.

Report: Wie geht es den Unternehmen mit ihren Warenwirtschaftssystemen, wo Unternehmensprozesse in einer Software abgebildet und begleitet werden?

Michael Schober, Trovarit:
Der Begriff Warenwirtschaft ist sicherlich eine mögliche Übersetzung von Enterprise-Ressource-Planning, also ERP, betrifft mittlerweile aber nur noch einen Teilbereich. Das ist aber auch schon das Dilemma. Wir können heute nicht mehr von isolierten Systemen sprechen, sondern haben mit vernetzten Systemen zu tun. Wenn das ERP-System steht, dann steht alles. Dann kann kein Lebensmittelproduzent mehr ausliefern, dessen Prozesssteuerung von der Software abhängig ist. Ein ERP-System ist also das Rückgrat des Unternehmens.

Zu Auswertungen haben die Anbieter den Kunden über Jahrzehnte hinweg gesagt: Hier hast du ein Tool, mit dem du alles selbst machen kannst. Da die meisten Mitarbeiter aber keine Datenbankdesigner waren, wussten sie auch nicht, wie Reports erstellt werden und wie man das Beste aus diesen Lösungen herausholt. Wir haben in einer jüngsten Studie die Zufriedenheit und Herausforderungen bei ERP-Lösungen in Unternehmen abgefragt. Unsere Conclusio: Die Nutzerfreundlichkeit und Bedienbarkeit der Systeme haben sich insgesamt verbessert. Bei der mobilen Anbindung der Prozesse gibt es aber noch offene Punkte und Potenzial. Ein weiterer Aspekt ist die Vielzahl an unterschiedlichen ERP-Systemen. Allein im deutschsprachigen Raum gibt es über 1.000 Varianten.

Report: Auf Basis welcher Infrastruktur werden ERP-Applikationen betrieben?

Schober:
Im Cloudbereich sind die Hersteller stolz auf zweistellige Zuwachsraten. Einen eigenen Server dazu zu betreiben, ist aber immer noch die gängigste Methode in den Unternehmen. Da stoßen wir teils auf abenteuerliche Zustände. Ich habe einmal in einer Anwaltskanzlei ein Besenkammerl geöffnet. Darin stand ein Desktop, der als Server fungierte, und darüber im Regal war der Orangensaft der Putzfrau gelagert. Das Kammerl war zwar zugesperrt, wenn aber auch die Putzfrau einen Schlüssel hat, ist die Sicherheit schon zu hinterfragen. Ab 50 Mitarbeitern Unternehmensgröße können Sie aber generell davon ausgehen, dass die IT-Infrastruktur sauber betrieben wird.

Report: Wie sind die Anforderungen an die IT in der Energiewirtschaft? Gerade dort ist ja Sicherheit Thema Nummer eins.

Thomas Pfeiffer, Linz Strom:
Ja, und natürlich gibt es nirgendwo hundertprozentige Sicherheit. Gerade im Strombereich ist die Frage nach der IT-Sicherheit kritisch, denn ohne Strom und ohne Telekommunikation geht heute nichts mehr. Wir betreiben dazu unterschiedliche Netze für unterschiedliche Daten und klassifizieren auf mehreren Ebenen. Kritische Infrastrukturdaten, die bei einem Angriff ein Blackout verursachen können, benötigen ein anderes Sicherheitsniveau als Daten, die lediglich zu internen Auswertungen verwendet werden. Auch das Stromsystem ist ja sehr vernetzt. Es gibt keinen Inselbetrieb mehr, der wäre auch nicht sinnvoll. Aufgrund der Anforderungen von intelligenten Stromzählern und dem europaweiten Umbau der Netze zu einem Smart Grid stehen wir vor ganz neuen Herausforderungen. Früher wurden Daten einfach zentral zu bestimmten Zeitpunkten eingespielt. Heutzutage müssen wir zu jeder Zeit sicher alle Informationen quasi in Echtzeit verwalten können.

Bei unseren Telekommunikationsdienstleistungen für die Kunden wiederum können wir auch aufgrund des Datenschutzgesetzes innerhalb unserer eigenen Dienste nicht einfach über die Nutzerdaten verfügen. Dieses hohe Schutzniveau betrifft natürlich auch die Auslagerung von IT-Services. Wenn man in die Cloud geht, sollte man sich den passenden Cloud­anbieter gut überlegen. Wie sehen die IT-Prozesse im Hintergrund aus? Kauft der Anbieter Dienste zu, die nicht im europäischen Raum erbracht werden? Wo werden die Daten überhaupt gespeichert? Für all diese Fragen sind am Ende des Tages die IT-Führung und das Unternehmensmanagement verantwortlich.

Report: Hemmen Sicherheitsanforderungen mögliche Partnerschaften mit IT-Dienstleistern?

Pfeiffer:
Ob IT-Services intern oder extern erbracht werden, ist fast egal. Lediglich die Dokumentation ist anders: Bei der eigenen Infrastruktur muss in Sachen Datenschutz nicht zwingend alles schriftlich geregelt werden. Das ist bei Kooperationen mit Externen anders. Ob das ein Nachteil ist, ist aber die Frage. Es ist ja nicht schlecht, wenn ich transparent nachweisen kann, wie sicher und gut meine Unternehmensprozesse ablaufen.

Report: Wie können IT-Abteilungen die Übersicht zwischen internen und externen Infrastrukturen bewahren? Wie kompliziert ist dies bereits?

Thomas Gradauer, Raiffeisen Informatik:
Wir nehmen hier mehrere Trends wahr. Zum einen bauen die Unternehmen selbst IT-Know-how auf – gerade im IT-Management und der IT-Steuerung. Zudem gibt es auch neue technische Lösungen für die Integration von Cloud-Services. Damit können die Identitäten der Mitarbeiter und ihre Rollen sicher gemanagt werden – dies sogar übergreifend für Systeme im Haus und für Cloud-Services. IT-Abteilungen können so jene Themen wählen, die in die Cloud gelegt werden, und andere Aufgaben weiterhin intern lösen. Trotz Auslagerung bleiben damit Steuerung und Übersicht erhalten.
Zweitens wenden sich Firmen in der Regel an vertrauenswürdige und herstellerneutrale IT-Dienstleister. Drittens achten Kunden nicht zuletzt seit der Finanzkrise insbesondere bei standardisierten IT-Prozessen, die ausgelagert werden können, auf die Kosten.
Wir selbst haben drei Kundensegmente: erstens den Raiffeisensektor und andere Finanzdienstleister. Der zweite Kundenbereich umfasst die RBI und Uniqua in Österreich und CEE. Die dritte Säule ist der IT-Markt in seiner gesamten Breite. In allen Bereichen wird großer Wert auf Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit bei einem IT-Anbieter gelegt. Was kann er? Gibt es ihn morgen auch noch? Kann ich ihm meine Daten überlassen? Auch sind die Flexibilität und Skalierbarkeit der Services ein Entscheidungskriterium für die Kunden. Nicht nur bei den technischen Systemen, sondern auch in der Preisgestaltung sollten IT-Anbieter flexibel agieren, um auch in Marktkonsolidierungsphasen mithalten zu können.

Publikumsfrage: Wir sind ein kleineres Unternehmen mit zehn Anwendern und stehen vor der Entscheidung, einen File- und Backup-Server entweder weiterhin selbst zu betreiben oder auszulagern. Was raten Sie in solchen Fällen?

Peter Öhlinger, T-Systems:
Es geht hier nicht um ganz oder gar nicht – es gibt auch Lösungen dazwischen. Statt die IT zur Gänze auszulagern, könnten Sie lediglich virtuelle Maschinen aus der Cloud beziehen. Das wären dann Server, die Sie nicht physisch beschaffen, sondern die virtualisiert im Rechenzentrum von T-Systems bereitgestellt werden. Sie müssen sich nicht mehr um Stromversorgung, Kühlung, Ausfallssicherheit und Wartung kümmern, haben aber weiterhin alle Möglichkeiten. Ihre IT selbst zu verwalten. Welche Applikationen Sie darauf betreiben, bleibt weiterhin gänzlich Ihnen überlassen. Das wäre eine Mischung des Besten aus beiden Welten.

Fotos zur Veranstaltung unter http://bit.ly/1zrj5ON

Kurzvideo unter https://www.youtube.com/watch?v=jzDSG6su6sc

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Last modified onMittwoch, 26 November 2014 12:32
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