»Flexible Services gefragt«

Foto: Robert ­Pfarrwaller. »Die Elektrifizierung unserer Wirtschaft und ­Gesellschaft schreitet voran.« Foto: Robert ­Pfarrwaller. »Die Elektrifizierung unserer Wirtschaft und ­Gesellschaft schreitet voran.«

Robert Pfarrwaller ist Vorsitzender der Geschäftsführung des Technologie-Distributors Rexel. Er sieht die zunehmende Elektrifizierung der Wirtschaft als Wachstums­chance und Herausforderung in Ausbildungsfragen.

Der Elektro-Großhändler Rexel ist in Österreich mit seiner gleichnamigen Dachmarke und zwei weiteren Brands tätig: Schäcke für das Elektrohandwerk und Elektrohandel, ­Regro für Industrieunternehmen. In den Bundesländern gibt es Niederlassungen beider Marken inklusive Lager und Abholverkauf. Handwerker und Industriebetriebe bekommen dort ihre gewünschten Lösungen zusammengestellt und auf Wunsch punktgenau auf die Baustelle geliefert.

Im Vorjahr hat Rexel Österreich mit 650 MitarbeiterInnen an 15 Standorten knapp 370 Millionen Euro Umsatz erzielt. Weltweit generiert der börsennotierte Konzern mit Hauptsitz in Frankreich rund 14 Milliarden Euro Umsatz. Mit historischen Zukäufen in vielen Ländern hält das Unternehmen nach wie vor an seinen etablierten lokalen Marken fest, die fest in den Landesgesellschaften integriert sind.

Service als oberstes Gut

Seit fünf Jahren steht Robert Pfarrwaller an der Spitze der Österreichorganisation. Der frühere Geschäftsführer von Philips Österreich bezeichnet Rexel – mit dem breiten Portfolio an Logistik, Webshop und Dienstleistungen – als »Servicefabrik«. Mit Produkten von gut 550 Lieferanten werden 12.000 Unternehmenskunden versorgt, in Industrie, Gewerbe und Fachhandel. Die größten Partner sind der Kabel- und Leitungsspezialist Meinhart, gefolgt von ABB – praktisch sind aber alle namhaften Elektrotechnik-Hersteller an Bord des Distributors.

Ein Großteil der umgesetzten Produkte und Lösungen betrifft Elektroinstallationen und Technik in Gebäuden und Industrieanlagen. Rexel ist ein Backbone auch des traditionell dezentral organisierten Elektrohandels – viele Installationsbetriebe im ländlichen Raum generieren zusätzlich Umsätze mit Haushaltsgeräten, Weiß- und Braunware. »Geht eine Bestellung bis 19 Uhr bei uns ein, liefern wir verlässlich die Waschmaschine am nächsten Tag«, unterstreicht Pfarrwaller die Kundenorientierung des Unternehmens.

20 Sattelschlepper verlassen dazu jede Nacht das 42.000 SKUs (»Stock-Keeping Units«) fassende Zentrallager in Weißkirchen in Oberösterreich. Landesweit werden die Waren dann an Umschlagpunkten in kleinere LKWs umgeladen, die zu den Kunden ausschwärmen. Zielgruppe sind die rund 8.000 Elektroinstallationsbetriebe, dies es insgesamt in Österreich gibt. »Das geschätzte Marktvolumen des in Österreich ansässigen Elektrogroßhandels ist rund 950 Millionen Euro groß. Wir haben davon 40 % Marktanteil.«


Report: Herr Pfarrwaller, was sind Ihre Ziele für das Geschäftsjahr heuer?

Robert Pfarrwaller: Während Technologie generell immer komplexer wird, wünschen sich elektrotechnische Unternehmen und die Industrie Gesamtlösungen. Egal ob Photovoltaik, Elektromobilität, Gebäude-Automatisierung bis hin zu einfachen Gebrauchsmaterialen für Netzwerktechnik und Sicherheitsanlagen – wir liefern die Lösungen für Fachbetriebe und wollen – nach bereits starken Jahren – auch heuer weiterwachsen.
Eines unserer großen Ziele ist der fortgeführte Ausbau des Multichannels. In Stückzahlen gemessen werden bereits 60 % der Waren über unseren Webshop und digitale Schnittstellen bestellt. Im gesamten Portfolio sind 800.000 bis 900.000 Artikel angelegt – 200.000 davon werden von unserem Team mit weiteren Daten angereichert, 42.000 liegen permanent  am Lager. Wir sichern so beste Datenqualität und Verfügbarkeit.

Report: Warum ist der Webshop für Sie ein so wichtiges Instrument im Großhandel?

Pfarrwaller: Unsere Kunden können auf jede erdenkliche Art und über jeden Kanal bestellen. Realität ist aber: Der Elektriker befindet sich den Tag über auf der Baustelle und kann oft erst am Abend in Ruhe überlegen, was in den nächsten Tagen gebraucht wird. Wir wissen auch, dass Angebote für Neukunden meistens am Samstagvormittag oder Sonntagabend geschrieben werden, deshalb ist auch ein flexibler Service durch den Distributor gefragt. Dabei verzichten wir bewusst auf Chatbots und setzen im telefonischen Kundendienst auf die eigenen Mitarbeiter unserer Niederlassungen. In einem Testlauf prüfen wir derzeit auch einen Telefonsupport am Samstag. Über Datenanalysen wissen wir sehr gut, welche Produkte im Webshop nachfragt werden und zu welchen Zeiten wir unsere Kunden auch persönlich unterstützen können.

Report: Sie betonten, »Multiservice« zu bieten – was verstehen Sie darunter?

Pfarrwaller: Wir vertreiben nicht nur Produkte, sondern bieten auch Schulungen und technische Vorarbeiten. In unserer Schäcke-Akadamie werden Elektriker in unterschiedlichsten Kursen weitergebildet – von der Bedeutung des Energieeffizienzgesetzes in Kundenprojekten bis hin zur Arbeit mit Niederspannung. Die Akademie ist wahrscheinlich der größte Zertifikatssteller von KNX-ausgebildeten Elektrotechnikern in Österreich. Damit hatten wir bereits vor zehn Jahren begonnen, KNX ist nach wie vor ein Standard für die Gebäudeautomatisierung. Dann gibt es etwa Ausbildungen für die automatische digitale Anlagendokumentation für Elektriker. Für die Industrie sind wiederum Total-Cost-of-Ownership-Modelle das Thema, auch Kabelkonfektion oder der Bau von Leistungsschaltern.

Unser Service beinhaltet aber auch das Zuschneiden von Aluminiumrohren im Zentrallager, das auf einer 1000 m² großen Bühne passiert – ebenso wie viele andere technische Services vor Ort.

Mit diesen Multiservices sehen wir uns für weiteres Wachstum gut aufgestellt. Die Elektrifizierung unserer Wirtschaft und Gesellschaft schreitet voran. Wir haben heute 20 % Stromanteil im heimischen Energiemix über alle Sektoren gesehen. Dieser wird auf 30 bis 35 % wachsen, einhergehend mit Technologieanwendungen in der intelligenten Erzeugung, Speicherung und dem Verbrauch.

Report: Sind die Elektriker für diese Anwendungen bereit? Wie sieht es hier mit dem nötigen Wissenstransfer aus?

Pfarrwaller: Es gibt natürlich bereits Photovoltaik-Spezialisten, die an vorderster Stelle im Markt sind – aber auch breiter aufgestellte Elektriker sind auf dem Weg dorthin. Wir bilden dazu mit verschiedenen Modulen – auch zu Elektromobilität, Speicher und Gesamtkonzepten – aus.

Die Branche wird sicherlich noch mehr in die Ausbildung stecken müssen. Technologien verändern sich laufend, das Speicherthema steht überhaupt erst am Anfang. Es werden nun mehr und mehr Lösungen auf den Markt kommen, um das Speichern von Energie einfacher und wirtschaftlicher zu gestalten. Man wird nicht von den Konsumenten verlangen können, dass diese ihr Verbrauchsverhalten ändern. Deshalb sehen wir auch gute Lösungen für das Energiemanagement im Gebäude dringend notwendig.

Ich bin überzeugt, dass alle Marktakteure noch dazulernen müssen – das betrifft auch uns.

 

Zur Info: Rexel ist mit den B2B-Marken SCHÄCKE und REGRO im Großhandel von Elektroinstallationsmaterial und Elektrogeräten tätig – mit Produkten, Lösungen und Services für Elektrotechnik, Lichttechnik, Netzwerk- und Sicherheitstechnik, Gebäudeautomation, Kommunikation, Heizen und Lüften, Industrietechnik und -fachhandel, Elektroinstallation, Werkzeug, Unterhaltungs- und Haushaltselektronik sowie Installationstechnik.

Info: www.rexel.at

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