Podiumsgespräch "Neues Geschäft durch IT"

Martin Szelgrad (Report), Johannes Dobretsberger (Oracle), Gerhard Raffling (Commvault), Peter Lenz (T-Systems), Schahram Dustdar (TU Wien), Oliver Krizek (Navax), Wilfried Seyruck (OCG) Martin Szelgrad (Report), Johannes Dobretsberger (Oracle), Gerhard Raffling (Commvault), Peter Lenz (T-Systems), Schahram Dustdar (TU Wien), Oliver Krizek (Navax), Wilfried Seyruck (OCG) Foto: Sela Krobath

UPDATE: Alle Statements in voller Länge. Das Publikumsgespräch des Report am 22. November drehte sich um Digitalisierungsstrategien und Geschäftsmöglichkeiten durch IoT und Datenanalysen.

Die Digitalisierung verändert unsere Welt. Anwendungen für das »Internet of Things« eröffnen neue Möglichkeiten und laufen in der Cloud. Wie nutzen Unternehmen bereits IoT-Plattformen und -Technologien für Zusammenarbeit, Datenanalysen und Prozessoptimierungen? Was sollte bei einer Innovationsstrategie beachtet werden?

Dazu diskutierten am 22. November IT-Experten in den Räumen der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG) in Wien. OCG-Präsident Wilfried Seyruck begrüßte die Gäs­te mit einem Appell: »Wir müssen es schaffen, dass die IT zur vierten Kulturtechnik wird – so wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Die wichtigste Ressource in einer wissensbasierten Gesellschaft ist der gut ausgebildete Mensch. Es gilt die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen und dabei auch die Auswirkungen der IT auf unsere Gesellschaft aufzuzeigen.«

Dass das Phänomen Digitalisierung einen Wandel in der Kultur und in den Unternehmen bewirkt, bestätigt auch Oracle-Manager Johannes Dobretsberger. Die Unternehmen sollten sich »entsprechend gut darauf vorbereiten und sich aktiv einen Wettbewerbsvorteil verschaffen«. Es gehe darum, den Kunden zur richtigen Zeit am richtigen Ort abzuholen.

Universitäts-Professor Schahram Dustdar von der TU Wien sieht das Internet of Things auch für den Bau von Smart Cities wichtig. Notwendig sei nun eine tiefe Integration von Dingen, Software und auch Menschen. »Systeme so zu bauen, dass diese drei Bestandteile optimal miteinander verbunden sind und die Nutzerinnen und Nutzer etwas davon haben«, ist für  Dustdar die große Herausforderung für die Zukunft.

Für Peter Lenz, Managing Director T-Systems, helfen die »zunehmenden technischen Möglichkeiten Unternehmen bei der konkreten Umsetzung von Anforderungen fürs Business – etwa Sensorik und die Datenverarbeitung in der Cloud inklusive Big Data gepaart mit geballter Cyber Security.« Letzteres ist die Basis für jedes Geschäft heute, Daten dürfen keinesfalls kompromittiert werden. »Das gilt für Abläufe in der Logistik ebenso wie für Gesundheitsdaten von jedem von uns.«

Navax-CEO Oliver Krizek sieht dazu auch die IT-Branche selbst im Wandel: »Für die IT-Unternehmen bietet sich die Chance, auch völlig neue Projekte umzusetzen. Wir entwickeln immer stärker gemeinsam mit den Kunden neue Geschäftsprozesse und suchen Geschäftsmöglichkeiten auch über die eigentliche IT hinaus.«

Gerhard Raffling, Country Manager bei Commvault: »Es wird zunehmend schwieriger, die wachsenden Datenmengen mit starren Prozessen, klassischen Workflows und der begrenzten Mitarbeiterzahl zu verwalten und zu analysieren. Wir arbeiten deshalb an Technologien rund um Machine Learning und künstliche Intelligenz, um am Ende des Tages Abläufe zu automatisieren und die Produktivität zu steigern.«n

Fotos (Sela Krobath): https://www.flickr.com/photos/award2008/sets/72157698039539690/ 
Video (Bernhard Schojer): https://www.youtube.com/watch?v=F3RM7k6VL4g 


Bild: Johannes Dobretsberger, Oracle

Johannes Dobretsberger, Director Systems Marketing, EMEA & JAPAC, Oracle

Report: Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen heute? Wie wird sich das Geschäft verändern?

Dobretsberger:
Alle unsere Kunden stehen derzeit vor der Frage, wie Daten selektiert, aufbereitet und tatsächlich auch verwendet werden können. Die Geschwindigkeiten in der IT haben sich stark erhöht. Früher dauerte ein Datenbankprojekt bis zur Implementierung und Einsatz auch von Hardware neun bis zwölf Monate. Heute sind die Erwartungen völlig anders. Es besteht der Anspruch, dies in zwei bis drei Monaten durchzuführen. Unternehmen, die Brauchbares aus ihren Daten herausholen können, haben klar einen Wettbewerbsvorteil. Wir sprechen dazu nicht nur mit dem klassischen IT-Manager, sondern auch mit den Fachbereichen, mit Risikomanagern und Innovationsverantwortlichen. Es ist wichtig, Projekte gesamtheitlich zu sehen und das Thema auch in der Chefetage zu verankern.

Die »Digital Journey« findet allerorts statt und das Datenvolumen steigt unaufhörlich. Bei Google werden jede Sekunde 40.000 Suchabfragen gestartet. Durch diesen Datenfluss ändert sich auch das Kaufverhalten der Menschen. Kaufentscheidungen werden mittlerweile hauptsächlich online getroffen. Unternehmen müssen dann fast nur noch den passenden Content zur richtigen Zeit liefern. Mit Machine Learning und Bots im Kundenservice werden bis 2020 in manchen Bereichen bis zu 85 % der Kunden­interaktion ohne Zutun des Menschen geschehen. Auch wenn für das Anlernen von Maschinen eine gewisse Zeit nötig ist, beschleunigen Daten die Geschäftsprozesse generell. Der Mechaniker heute in der Autowerkstatt ist der Datenanalyst von morgen. Auch Mobilität ist ein gutes Beispiel. Meine Söhne wünschen sich gar kein eigenes Auto mehr. Sie wollen nur noch »sharen«, was ja ebenfalls über IT-Plattformen passiert. Jedes Unternehmen wird künftig ein datengetriebenes Geschäft haben. Das erzeugt auch einen enormen Druck.

Report: Worauf sollten Unternehmen bei ihrer Digitalisierungsstrategie achten?

Dobretsberger:
Neue Geschäftsbereiche zu entwickeln, ist auch ein Kulturthema. Das sollte von oben bis unten durchdacht sein und sollte entsprechend gelebt werden. Sämtliche Technologien, die heute in aller Munde sind – Machine Learning, künstliche Intelligenz, IoT, der digitale Zwilling oder die Blockchain – sollten aus Sicht des Menschen, aus Sicht der Anwender vorangetrieben werden. Wenn es Unternehmen schaffen, bei ihrer Digitalisierungsstrategie auch ihr Umfeld mitzunehmen – das kann ein Lieferant sein oder ein Partner –, entsteht ein Mehrwert für alle Beteiligen.



Bild: Oliver Krizek (Navax)

Report: Wie offen sind Unternehmen gegenüber Veränderungen in Hinblick auf die Digitalisierung?

Oliver Krizek, CEO und Eigentümer NAVAX Unternehmensgruppe: Unternehmen in Österreich sind aufgrund ihrer Größe und Personalkosten gezwungen, die Dinge effizient zu gestalten. Das betrifft Unternehmen im Produktionsbereich ebenso wie andere. Sie müssen hochautomatisiert funktionieren, andernfalls könnten sie nicht am Weltmarkt bestehen. Trotzdem beobachten wir noch eine gewisse Zurückhaltung bei Investitionen im Vergleich mit Unternehmen in Deutschland.

Wir sehen, dass sich mit der Digitalisierung gewaltige, neue Geschäftsmodelle erschließen lassen. Als Dienstleister bringen wir die IT-Lösungen der großen Hersteller bei unseren Kunden auf den Boden. Nach 20 Jahren Aufbau ist nun auch die IT-Industrie mit guten Ideen und einem praktischen Zugang so weit, neue Geschäftslösungen mitentwickeln zu können. Die strategische Beratung ist bei unseren Kunden wichtiger geworden und auch die IT-Dienstleister selbst beginnen, neue Geschäftsmodelle aufzubauen. Dazu gibt es internationale Beispiele wie etwa Apple Pay: Apple verkauft nicht mehr IT, sondern geht in ein völlig anderes Geschäftsmodell und betreibt eine Bank.

Report: Was raten Sie Unternehmen, die das Thema Digitalisierung aktiv angehen wollen?

Krizek: Wir sehen, dass eine Digitalisierungsstrategie in einem Unternehmen dann erfolgreich ist, wenn das Thema ausgelagert wird – auch innerhalb der eigenen Organisation. Das heißt: Damit betraute Mitarbeiter sollten mit dem Basisgeschäft nichts zu tun haben. Sie bekommen dadurch die Zeit und die Ressourcen für den Innovationsschub. Einer unserer Kunden hat dazu eine Art Start-up mit einem gemischten Team aufgebaut – mit älteren, erfahrenen Mitarbeitern und insbesondere auch jüngeren. Denn die großen, erfolgreichen Plattformen wie Facebook oder Airbnb sind meist von Jüngeren aus einer Not heraus oder aufgrund eines Mangels entstanden. Wir wissen: Innovation entsteht nicht zwischen 8 und 17 Uhr zwingend am Sitz eines Unternehmens, sondern in unterschiedlichsten Situationen und auch an ungewöhnlichen Orten.

Ich kann jedem mittelständischen Unternehmen empfehlen, einem bunt zusammengewürfelten Team Freiraum außerhalb der normalen Büroumgebung zu geben. Man sollte die Zeit haben, auszuprobieren, von anderen Branchen lernen und auch zu kopieren. Nehmen wir einen Dienstleistungsbereich als Beispiel: Callcenter-Betreiber sollten heute massiv in Bot-Systeme und vollkommen neue Geschäftsmodelle dazu investieren. Wenn sie das nicht tun, werden sie in ein paar Jahren selbst durch Technologie abgelöst. So etwas braucht aber eine klare Sicht von außen. Denn wer inmitten eines Callcenters arbeitet, wird verständlicherweise nicht am eigenen Ast sägen wollen.



Bild: Gerhard Raffling (Commvault)

Report: Wie können Unternehmen dem starken Datenwachstum heute Herr werden?

Gerhard Raffling, Country Manager Austria & Switzerland, Commvault: Im Daten- und Informationsmanagement, mit dem wir uns beschäftigen, ist die aktuelle Größenordnung Petabyte. Wir machen uns aber bereits Gedanken über Zetabyte-Scale, das um den Faktor eine Million größer ist und vor allem durch IoT und im Consumer-Bereich von hochauflösendem digitalen Content getrieben wird. Es sind innovative Wege nötig, um Herr über die Datenmengen zu werden. Als Experten im Datenmanagement nehmen wir beispielsweise Technologien wie künstliche Intelligenz und Machine Learning in unsere Lösungen auf. So können Daten hochautomatisiert aus unterschiedlichsten Quellen analysiert, klassifiziert, verwaltet und geschützt werden. Ein Eingriff wird erst notwendig, wenn Anomalien erkannt werden. Prozesse werden somit automatisiert und die Produktivität gesteigert. Zusätzlich sind Benutzeroberflächen so intuitiv gestaltet, dass praktisch jeder Mitarbeiter komplexere Abläufe bedienen kann. Dies ist auch eine plausible Antwort auf den herrschenden Fachkräftemangel in der IT. Investitionen in Innovation werden generell immer bedeutender, auch wenn es oft schwierig abzusehen ist, was sich tatsächlich in der Zukunft durchsetzt.

Report: Welchen Hebel können IT-­Lösungen nun fürs Geschäft bieten?

Raffling: Durch die IT versuchen wir bestehendes Geschäft besser, zielgerichteter und vielschichtiger zu gestalten. Wir leben heute in einer extrem vernetzten Welt. Es gibt Milliarden Geräte, die im Internet of Things miteinander verbunden sind und wir sind auf neue Technologien angewiesen, um diese Datenmengen überhaupt beherrschen zu können. Denn die Verarbeitung und Analyse der Daten in Echtzeit bringt oft den entscheidenden Vorteil. IoT-Lösungen helfen in Real-Time zielgerichtet zu agieren und somit einen Mehrwert für Unternehmen zu generieren.

Praktisch alle großen Player investieren massiv in IoT-Plattformen – meist in enger Verbindung mit der Cloud. Wir merken bei Gesprächen mit unseren Kunden, dass die Zweifel an Cloud Services mehrheitlich ausgeräumt sind und Vorteile wie Flexibilität und Skalierbarkeit bei der Kaufentscheidung überwiegen.

Report: Wie kann man solche Lösungen umsetzen und trotzdem auf Privacy und Datenschutzregeln Rücksicht nehmen?

Raffling: Unternehmen müssen gesetzeskonform agieren. Durch Anonymisierung können personenbezogene Daten auch aus Datenschutzsicht sicher verarbeitet und abgelegt werden. Firmen handeln außerdem immer nach dem Prinzip der Wirschaftlichkeit. Daher ist es klar, dass die meisten Daten, die ein Unternehmen erfasst und nur Real-Time einen Mehrwert bringen, überhaupt nicht abgelegt und schon gar nicht gesichert werden. Bei einer sauber definierten Datenklassifizierung steht also der Umsetzung nichts im Wege.


Bild: Peter Lenz (T-Systems)

Report: Was ist ein Beispiel für neues Geschäft und neuen Kundenzugang auf Basis der Digitalisierung?

Peter Lenz, Managing Director T-Systems Austria: Wir haben dazu gemeinsam mit einem kleineren Maschinenhersteller – einem der Hidden Champions in Österreich – neue Geschäftsmöglichkeiten entwickelt. Qualitätssicherungen und Tests können jetzt auch als Service verkauft werden. Über Sensoren werden die Maschinendaten gesammelt, über eine Plattform werden diese auch grafisch aufbereitet bereitgestellt. Das krempelt den Marktzugang des ursprünglich reinen Herstellers völlig um. Aber man ist mutig genug, um diesen Weg auszuprobieren. Natürlich ist das Hauptgeschäft immer noch der Verkauf der Maschine, der auf einen Schlag 50.000 Euro bringt.  Mit dem neuen Service wird noch nicht das große Geld verdient – à la longue wird dies aber passieren.

Report: Wie können Unternehmen die Balance zwischen dem Bewahren und der Erneuerung bewerkstelligen?

Lenz: Um anzukommen, muss man auch losgehen. Ich nehme T-Systems als Beispiel: In der Phase des Aufbaus von neuem Geschäft investieren beide Seiten, unsere Kunden und auch wir als Dienstleister. Für dessen Finanzierung benötigen wir natürlich noch das alte Geschäft – in unserem Fall Outsourcing. Mittelfristig wollen wir in den nächsten Jahren aber bereits 50 % mit neuen Themen generieren. Denn wir wissen, dass auch diese Lösungen skalieren werden. Man wird sie mehrfach verwenden und über Plattformen anbieten können.

Die Auslagerung an Professionisten und ihre Infrastruktur wird in der IT weiterhin gefragt sein. Allein im Bereich Cyber Security beschäftigen wir mittlerweile rund 1500 Experten in unserem Haus, die wir selbstbewusst die »Armee der Guten« nennen. Sie helfen Unternehmen und Organisationen professionell und rund um die Uhr, sich vor Bedrohungen zu schützen. Selbstverständlich kann diese Expertise auch über Abomodelle flexibel genutzt werden.

Report: Wo sehen Sie größere Chancen für neues Geschäft – bei IoT oder bei Datenanalysen?

Lenz: Beides ist stark miteinander verbunden. IoT ohne Datenanalysen funktioniert überhaupt nicht. Unternehmen sollten sich zunächst überlegen, welche Daten sie überhaupt benötigen. Diese Entscheidung wird am »Edge«, am Rande des Netzwerks vor Ort bei den Geräten und Sensoren – etwa im vernetzten Fahrzeug – getroffen. Mit der Verarbeitung dann vielleicht auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz bekommt man dann hoffentlich die Antworten auf die gestellten Fragen.

Als Logistiker kann ich mit heutiger Technik einen Produktionsausfall erkennen, der in vier Wochen in einem Werk auftreten wird. Die Basis dafür ist eine automatisiert unterstützte Transparenz in meiner Lieferkette, die Informationen rasch verknüpft – wenn beispielsweise eine benötigte Stahlrolle in Singapur im Zoll liegen bleibt. Dieses Zusammenführen von Daten ist nicht nur technologisch möglich – Stichwort Proof of Technology –, sondern sie ist für das Unternehmen auch bares Geld wert.


Bild: Schahram Dustdar (TU Wien
)

Report: Wie sehen Sie den Wandel durch die Digitalisierung? Vor welchen Herausforderungen stehen Wirtschaft und Gesellschaft heute?

Univ.-Prof. Schahram Dustdar, Distributed Systems Group, TU Wien: Prinzipiell versucht die IT immer, den Menschen nachzubilden. Es ist wie das Nervensystem des Körpers: Jeder von uns hat es, alle Organe sind miteinander vernetzt und Entscheidungen werden in diesem Netzwerk auch automatisiert getroffen – beispielsweise bei unserer Atmung. Technologische Trends sind ein Spiegelbild dieses Systems. Derzeit werden Millionen Sensoren und IoT-Geräte in die bestehenden Systeme der Unternehmen integriert. Viele glauben, hier einfach nur eine weitere neue Technologie zu sehen. Ich glaube aber, dass diese Systeme etwas vollständig anderes sein werden. Dazu haben wir bereits eine Komplexität erreicht und auch überschritten, mit der wir die Dinge nicht mehr so klar im Griff haben. Auch Fälle wie Cambridge Analytica und Facebook haben gezeigt: Mit IT wird ein großer sozialer Wandel herbeigeführt.

Wir sehen in vielen Bereichen die Entkopplung zwischen einem gesellschaftlichen Diskurs und der technischen Realität. Das Ende der Netzwerk-Neutralität ist ein Beispiel hier. Dass bislang alle Datenpakete gleichbehandelt worden sind, war die Grundlage des Erfolgs des Internets. IoT-Anwendungen bei etwa vernetzten Fahrzeugen benötigen nun eine Ebene, in der der Datenverkehr aus Gründen der Sicherheit priorisiert wird. Diese Prioritäten werden von Algorithmen und unternehmerischen Faktoren entschieden. Letztlich entscheidet dabei die Stärke der Marktdominanz eines Unternehmens. Ich behaupte, das wird in den nächsten Jahren noch ein großes Problem.

Report: Welche Strategie etwa zum Ort der Datenverarbeitung sehen Sie in Zukunft als sinnvoll an?

Dustdar: Wir sehen eine gewisse Pendelbewegung in der Datenbearbeitung, die sich jedes Jahrzehnt zwischen Dezentralisierung und Zentralisierung ändert – zuletzt wieder in Richtung Zentralisierung. Cloud-Systeme sind Mainstream geworden und haben der Informatik zum ersten Mal auch ermöglicht, Businessmodelle mitzuplanen und mitzudenken. Um das Datenwachstum jetzt wieder in den Griff zu bekommen, brauchen wir in Zukunft wieder mehr Rechenleistung am Netzwerkrand. Viele der Berechnungen und Analysen muss man nicht zwingend in die Cloud schicken. Man wird dies auch der Sicherheit und des Datenschutzes wegen im »Edge« gestalten. Die Kombination aus Edge Computing und Cloud Computing wird der Motor für innovative Lösungen sein.

Neue Geschäftsmodelle könnten die Vermarktung der eigenen IoT Devices werden. Sensor- und Analysedaten auch anderen zugänglich zu machen, ist heute für den Einzelnen nicht denkbar. Auch wenn wir noch nicht wissen, die hier eine Preisgestaltung aussehen könnte – prinzipiell könnte damit künftig jeder zu einem Marktplayer werden.

Last modified onMittwoch, 02 Januar 2019 15:38
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