Mit gutem Gewissen

Foto: Das Renaissance Hotel an der Linken Wienzeile wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem mit Steinwolle saniert. Foto: Das Renaissance Hotel an der Linken Wienzeile wurde mit einem Wärmedämmverbundsystem mit Steinwolle saniert.

Mineralwolle besteht fast vollständig aus natürlichen Rohstoffen. Nicht zuletzt durch die Wiederverwertung von Resten und Abfällen ist die Ökobilanz vorbildlich.

Schon ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde bei der Eisenherstellung als Nebenprodukt Schlackenwolle gewonnen – wolleartige Flocken aus Schlackenfasern, die sich beim Durchpressen der Verbrennungsluft an undichten Stellen der Hochofenwand bildeten. Im Zuge der Industrialisierung stieg der Bedarf nach hitzeresistenten Dämmstoffen für Rohrleitungen und Kessel, um Wärmeverluste zu verhindern und den Wirkungsgrad der Anlagen zu erhöhen. Für Kühlketten wurden wiederum Dämmstoffe benötigt, die sich gegen Feuchtigkeit als unempfindlich erwiesen – Anforderungen, die die Schlackenwolle ebenfalls erfüllte.

Wegen ihrer Vorzüge, insbesondere der Beständigkeit gegen Schimmel, Fäulnis und Ungeziefer, wird Mineralwolle bis heute als Dämmstoff sowie als Schall- und Brandschutz verwendet. Bei Abschottungen von Leitungen oder der Dämmung von Tragwerken, die nicht feuerresistent sind, kommt meist die temperaturbeständigere Steinwolle (1000 °C) zum Einsatz. Glaswolle hält ca. 700 °C stand, ist dafür elastisch.

In modernen Herstellungsverfahren entsteht Steinwolle durch Verschmelzung von Stein, Kalkstein und Recycling-Briketts bei 1.500°C. Die flüssige Steinschmelze wird zu Fasern versponnen; Binde- und Imprägnierungsmittel geben dem Material die nötige Stabilität und wasserabweisende Eigenschaften. Die Produktion ist äußerst ergiebig: Aus nur einem Kubikmeter Rohstoff werden rund 100 Kubikmeter Steinwolle gewonnen.

Unbegrenzte Vorkommen

Nahezu unbegrenzt vorkommende Gesteinsarten wie Basalt, Kalkstein oder Dolomit sind die natürlichen Ausgangsstoffe für Steinwolle. Durch vulkanische Aktivität und Bewegung der Erdplatten schafft die Natur jährlich rund 38.000 Mal mehr neue Steinreserven, als für die Herstellung von Dämmstoffen benötigt werden.

Trotz der energieintensiven Herstellung fällt die Ökobilanz durchwegs positiv aus. Der ökologischen und ökonomischen Verwendung von Ressourcen kommt größtes Augenmerk zu. Der Dämmstoffhersteller Rockwool bietet in Deutschland bereits einen Rücknahmeservice für bei Neubauten anfallenden Verschnitt und Abfällen aus Sanierungen an. Die gesammelte und sortenrein getrennte Steinwolle fließt nach der Aufbereitung in eigenen Recyclinganlagen wieder in den Produktionskreislauf ein. 96 % der Steinwolle-Reste aus der Produktion werden ebenfalls wiederverwertet.

Wachsende Nachfrage

Neben der langen Lebensdauer besticht Steinwolle durch ihre konstanten Brandschutzeigenschaften. Das Brandverhalten von Materialien wird nach dem europäischen Klassifizierungssystem in sieben Klassen A1 bis F definiert. Die Einteilung erfolgt unter Berücksichtigung von Standsicherheit, Rauchentwicklung und brennendem Abtropfen sowie ob ein sogenannter »Flashover« (Feuerüberschlag) begünstigt oder verhindert wird. Steinwolle-Dämmstoffe entsprechen der Euroklasse A1 und tragen demnach nicht zur Ausbreitung eines Brandes bei.

Infolge der Brandkatastrophe im Londoner Grenfell Tower rückte das Thema Brandschutz von Gebäuden ganz allgemein wieder stärker in das Bewusstsein. Bei der Planung von präventiven Maßnahmen spielt die Dämmung eine elementare Rolle. Die richtige Wahl des Dämmstoffes kann helfen, Brände zu vermeiden. So ist etwa laut den Brandschutzvorschriften in Österreich bei einem Hochhaus nicht brennbares Dämmmaterial zu verwenden. »Nichtbrennbare Dämmstoffe sind gefragt wie nie«, bestätigt Volker Christmann, Konzernvorstand von Rockwool International. Um eine zuverlässige Belieferung der Kunden in Österreich und Deutschland zu gewährleisten, errichtet das Unternehmen am Standort Neuburg in Bayern eine neue Produktionsanlage. Ab dem zweiten Quartal 2020 werden hier Steinwolle-Dämmstoffe für Fassaden und Flachdächer hergestellt.

Die Vorteile von Steinwolle in der Fassadendämmung bringt Baumeister Ernst Wolfger auf den Punkt. »Als Planer, Ausschreibender und Verantwortlicher für die Bauaufsicht veranlassen wir hauptsächlich Dämmungen von Fassaden mit Steinwolle. Die Vorteile von Steinwolle liegen für uns klar auf der Hand und sind uns wichtig: Angeführt vom Brandschutz, Kälte- und Wärmeschutz sowie Schallschutz ist Mineralwolle umweltfreundlich, steigert die Behaglichkeit beim Wohnen und ist zudem wirtschaftlich.«

back to top