Offshoring verliert an Attraktivität

Foto: "Entscheider schätzen Einsparpotenzial auf 30 Prozent und mehr." Foto: "Entscheider schätzen Einsparpotenzial auf 30 Prozent und mehr."

Bei der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung denken viele an Effizienzsteigerungen, aber auch an den Verlust von Arbeitsplätzen. Eine aktuelle Studie zeigt aber auch ganz andere, weitgehend noch unbeachtete Auswirkungen: Dank »Roboshoring« könnten in Niedriglohnländer ausgelagerte Produktionsprozesse und Verwaltungsaufgaben bald wieder den Weg zurück finden. 

Ein Gastkommentar von Stefan Bergsmann, CEO Horváth & Partners Österreich.

Seit den 90er-Jahren war die Verlagerung von Produktions-, Verwaltungs- und Serviceaufgaben nach Osteuropa und Asien eine der wirksamsten Strategien, um Personalkosten zu senken. Administrative Ausgaben wurden in sogenannten »Shared Service Centern« rund um den Globus gebündelt. Doch dieses Offshoring könnte bald an Attraktivität verlieren. Denn Digitalisierung und Roboter machen es möglich, dass in Niedriglohnländer ausgelagerte Prozesse wieder zurückgeholt werden können. Das gilt nicht nur für die Produktion, sondern auch für viele Verwaltungsaufgaben.

Prozesse vereinfachen

Profitieren können vor allem Bereiche mit hohem Digitalisierungspotenzial und stark regelbasierten Prozessen. Hier ist es relativ einfach, transaktionale Handlungsschritte von Menschen auf Software-Bots zu übertragen, z.B. operative Tätigkeiten in Dienstleistungsunternehmen oder Backoffice-Prozesse. Interessante Anwendungsfelder bieten sich vor allem für Unternehmen, die in den vergangenen Jahren adminis­trative Aufgaben im Einkauf, Personal- und Rechnungswesen standardisiert haben, z.B. Procure-to-Pay-Prozesse oder Datenpflege. Nach einer aktuellen Befragung von Horváth & Partners schätzen Entscheider das Einsparpotenzial auf 30 bis 50 Prozent.

Vorteile durch Roboshoring

Der Einsatz automatisierter Systeme unterstützt die Vereinfachung von Prozessen, bei gleichzeitiger Steigerung der Qualität. Die künftige Unternehmenssteuerung benötigt eine zentrale Governance-Strategie, also einen einheitlichen rechtlichen und praktischen Ordnungsrahmen, nicht nur für IT oder Datenschutz, sondern auch für alle anderen Unternehmensbereiche. Menschen und Maschinen brauchen dazu eine ganzheitliche Ressourcensteuerung. Für den effizienten Betrieb müssen auch alle vor- und nachgelagerten Prozesse auf den Robotereinsatz abgestimmt werden.

»Roboshoring«, die Einführung automatisierter Prozesse, hat zahlreiche Vorteile. Neben den offensichtlichen Personaleinsparungen zahlt sich auch die geringere Fehlerquote der Maschinen aus, zudem wird die Arbeitslast durch die 24/7-Verfügbarkeit optimal verteilt, alle Tätigkeiten können lückenlos dokumentiert und auditiert werden. Gerade im Vergleich zu humanbasierten Prozessen in Offshore-Ländern wie Indien oder Fernost kommen  diese Vorteile zum Tragen. Da können Kommunikationsprobleme aufgrund von Sprachbarrieren ebenso verringert werden wie oftmals stockende Abläufe aufgrund des Zeitunterschiedes bei komplexen Prozessen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Roboter-gesteuerte Prozessautomatisierung (Robotics/RPA) nicht nur zur Effizienzsteigerung von Shared Service Centern beitragen kann, sondern auch für Firmen interessant ist, die ihre Prozesse noch nicht gebündelt und außer Landes verlagert haben. Vor der möglichen Offshoring-Entscheidung sollten sie die Potenziale der Automatisierung prüfen. Viele Prozesse können, egal ob lokal oder in Shared Service Centern organisiert, bei entsprechender Vorbereitung künftig auch im Inland wettbewerbsfähig bearbeitet werden.
 
Mehr zur Studie: http://www. horvath-partners.com/studie_robotics

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