Kurzbericht: Podiumsdiskussion "Gemeinsame Energie-Erzeugung in der Stadt"

Am Podium: Gerhard Bayer (ÖGUT), Florian Maringer (EEÖ), Cornelia Daniel (Dachgold), Karl Gruber (Wien Energie) und Robert Schillinger (Energie-autark leben). Am Podium: Gerhard Bayer (ÖGUT), Florian Maringer (EEÖ), Cornelia Daniel (Dachgold), Karl Gruber (Wien Energie) und Robert Schillinger (Energie-autark leben). Foto: Sela Krobath

Mieter und Wohnungseigentümer können künftig den im eigenen Haus erzeugten Strom einfacher verteilen, verbrauchen und abrechnen – auch in der Stadt.  Am 8. Oktober 2018 hatte der Report Verlag gemeinsam mit Wien Energie zur Podiumsdiskussion „Gemeinsame Energieerzeugung in der Stadt“ eingeladen. Über 100 Gäste kamen in die Wien Energie-Welt Spittelau und diskutierten mit dem Podium und Moderator Martin Szelgrad, Report Verlag.

   

Welche Chancen und Potenziale entstehen durch Gemeinschaftsanlagen? Warum sind Erneuerbare auch im urbanen Raum wichtig? Und wie sollten Wirtschaftlichkeit und ökologische Effekte gewichtet werden? Das gemeinsame Fazit: Gratisenergie ist mit Investitionen in Photovoltaik-Anlagen nicht zu erwarten. Die Wirtschaftlichkeit der Erneuerbaren ist der fossilen Welt allerdings mindestens ebenbürtig. Rechnet man Energieimporte und Folgekosten durch den Klimawandel hinzu, sollten Investitionsentscheidungen gar nicht mehr schwerfallen. Doch braucht es auch eine Reform der Netzregulierung, um künftig etwa in lokalen Energie-Communities überschüssige Energie auch direkt an den Nachbarn vermarkten zu können.

„Die Strategie von Wien Energie ist, Wien zur Sonnenenergie-Stadt zu machen. Wir möchten alles in unserer Kraft stehende tun, Wien mit Erneuerbaren zu versorgen“, betont Karl Gruber, Geschäftsführer Wien Energie. Der Energie-Dienstleister bietet für Mieter- und Eigentümer-Gemeinschaften die Errichtung und den Betrieb von PV-Gemeinschaftsanlagen. In den nächsten fünf Jahren will Wien Energie 870 Millionen Euro in Erneuerbare Energien und Versorgungssicherheit investieren.

Cornelia Daniel, Geschäftsführerin Dachgold: „Wir haben eine große Mission: bis 2030 auf jedem Dach eine Photovoltaik-Anlage zu haben.“ Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit von PV aus? Vor zehn Jahren hätte die Kilowattstunde PV-Strom 50 bis 60 Cent gekostet. „Heute sind wir in dem Bereich fünf bis sieben Cent“, rechnet Daniel vor. Strom vom Dach sei um 20 bis 50 % günstiger als aus dem Netz. „Die beste Zeit, ein Solarkraftwerk zu bauen, war letztes Jahr. Der nächstbeste Zeitpunkt ist jetzt.“

Robert Schillinger hat seit knapp einem Jahr eine PV-Anlage zur Eigenversorgung im 13. Gemeindebezirk. „Der Verbrauch unseres Einfamilienhauses wird zu gut zwei Drittel gedeckt. Wenn Sie heute Geld auf die Bank legen, bekommen Sie null Zinsen. Hier ist zumindest die Chance, dass sich die Anlage amortisiert und auch ein bisserl überbleibt.“ Er rechnet mit einem Zeitraum von 10 bis 13 Jahren, vorausgesetzt die Strompreise bleiben auf dem niedrigen Niveau.

„Die Lösungen, um den Klimawandel zu bekämpfen, sind so günstig, gut und ausgereift wie noch nie“, bestätigt auch Florian Maringer, Geschäftsführer des Verbandes Erneuerbare Energie Österreich. Er sieht den Ausbau der Erneuerbaren in Österreich ohne Alternative: Die Chancen für den Standort und die Volkswirtschaft sind wesentlich größer als das Risiko. „Wir werden ein Museum der Irrtümer, wenn wir nicht die entsprechende Transformation einleiten.“

„Wir haben in einem Anergie-Projekt in der Geblergasse im 17. Bezirk getestet, ob nachhaltige Energieversorgung basierend auf Solarenergie und einem Wärme-Tiefenspeicher in der Stadt funktioniert“, berichtet Gerhard Bayer, Energieexperte der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) (Anm.: Anergie-Netz: Netz für Transport und Speicherung im Bereich Niedrigenergie). Mit dem Projekt sei nun bewiesen, dass ein Nachrüsten auch im Altbau technisch möglich und kostengünstig ist.

Video: https://www.youtube.com/watch?v=rCm51AQz01k

Fotos © Sela Krobath: https://www.flickr.com/photos/award2008/albums/72157672173013607

Der vollständige Nachbericht erscheint in der Oktober-Ausgabe des Energie Report.

Last modified onDienstag, 16 Oktober 2018 12:02
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