Fehlendes Fachwissen

Fehlendes Fachwissen Foto: Thinkstock

Der mehrgeschoßige Holzbau ist in Österreich derzeit maximal als Nische mit hohem Entwicklungspotenzial zu bezeichnen. Während sich Material und Bauweise stetig weiterentwickeln, entpuppt sich das fehlende Fachwissen als zentrales Hindernis für mehrgeschoßige Holzbauten. Abhilfe könnte unter anderem ein neuer Lehrgang an der Donau-Universität schaffen.

Im Bereich Einfamilienhäuser liegt der Marktanteil von Holz bei rund 30 Prozent. Davon sind der gewerbliche Bau und der mehrgeschoßige Wohnbau meilenweit entfernt. Zwar fehlen hier konkrete Marktdaten, aber selbst das neue Präsidium der Holz- und Leichtbauplattform Bau.Genial, Thomas Grudl und Gabriele Leibetseder, geht von maximal vier Prozent aus. Wirklich nachvollziehbar ist das laut Grudl aber nicht. »Die Situation ist schon etwas widersprüchlich. Viele Bauträger und Planer stehen dem Baustoff Holz sehr positiv gegenüber und sind der Meinung, dass Holz der Baustoff der Zukunft ist.« Das hat eine im Frühjahr von Bau.Genial durchgeführte Umfrage deutlich gezeigt. Hürden stellen allerdings die Preisvorstellungen, die mangelnde Erfahrung mit Holz und das fehlende Fachwissen dar. Das Preisargument kann Grudl noch entkräften: »Wenn ein Objekt von vornherein in Holz geplant ist und wenn die Besonderheiten des Holzbaus frühzeitig berücksichtigt werden, dann ist Holzbau absolut vergleichbar, wenn nicht sogar etwas günstiger.« Beim Thema Fachwissen gehen aber auch Grudl die Argumente aus. »Es ist ja eigentlich unglaublich, aber man kann in Österreich auch heute noch ein Architekturstudium abschließen, ohne jemals mit Holzbau in Berührung gekommen zu sein.« Der Aufholbedarf ist in diesem Bereich also auf jeden Fall gegeben.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die Expertenbefragung »Zukunft Bauen 2017« des Unternehmensberaters Siegfried Wirth. Während die »Weiterentwicklung bei Material und Bauweise« sowie »Funktionierende Leuchtturmprojekte« als positive Treiber für den mehrgeschoßigen Holzbau gesehen werden, stellt für 63,2 Prozent der 226 Befragten das »fehlende Fachwissen« das größte Hindernis dar (siehe Grafik). Inhaltlich geht es dabei vor allem um die Themen »Statik, Tragwerksplanung«, »Brand-, Schall-, Feuchte- und Wärmeschutz«, »Materialkunde«, »Werkstoffkunde« und »Vorfertigung«.

Neuer Lehrgang in Krems

Den Ergebnissen der eigenen Umfrage und der Expertenbefragung folgend, steht die Vermittlung von Fachwissen ganz oben auf der Agenda des neuen Bau.Genial-Präsidiums. »In einem ersten Schritt bauen wir unser Website zu einer Informationsdrehscheibe um, wo man Architekten und Statiker findet, die mit Holzbau Erfahrung haben«, erklärt Leibetseder. »Sie wollen wir dann mit den großen Bauträgern in Verbindung bringen – dazu haben wir eigentlich alles, damit können wir sofort anfangen.« Mittelfristig soll anhand bereits gebauter Projekte gezeigt werden, welche Parameter zu berücksichtigen sind, damit Holzbau wirtschaftlich ist und wie man mit den Schnittstellen im Optimalfall umgeht. »Langfristig wollen wir die Ausbildung optimieren. Wir müssen den Holzbau verstärkt an die Universitäten bringen«, so Leibetseder.

Einen ersten Etappenerfolg liefert die Donau-Universität Krems. Dort befindet sich aktuell ein berufsbegleitender Lehrgang zum Thema »Mehrgeschoßiger Holzhybridbau«, der in einer ersten Phase als zertifiziertes Programm (Certified Program CP) über zwei Semester durchgeführt werden wird, in der Entwicklungsphase. »Unser Ziel ist es, eine fundierte wissenschaftliche und fachliche Grundlage zu stellen, dabei aber ein besonderes Augenmerk auf die aktuellen Herausforderungen im Bauwesen zu legen wie beispielsweise Ökonomie, Dauerhaftigkeit, Barrierefreiheit, Brandschutz oder Schadstofffreiheit« erklärt Christian Hanus, Leiter des Department für Bauen und Umwelt. Die inhaltliche und praxisorientierte Konzeption wird derzeit mit Expertisen aus dem Holzbauwesen abgestimmt. Im Beratungsgremium zur Lehrgangsentwicklung befinden sich Persönlichkeiten aus Forschungsinstitutionen, Universitäten, Holzbauindustrie, Wirtschaftskammern und spezialisierter Gewerbebetriebe.

Der Start des Lehrangebotes ist für November 2018 geplant. »Die Donau-Universität Krems wendet sich mit dem geplanten Lehrgang erstmals mit einem Angebot zum Thema Holzbau an Entwicklungs- und Planungsverantwortliche im Holzbauwesen«, kündigt Hanus an.

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