Standards als Zünglein an der Waage

Foto: Diskutierten Rahmenbedingungen für IoT: Christopher Frauenberger (TU Wien), Elisabeth Rettl (Drei), Moderatorin Ingrid Brodnig, Martina Paul (ITSV) und Clara Neppel (IEEE). Foto: Diskutierten Rahmenbedingungen für IoT: Christopher Frauenberger (TU Wien), Elisabeth Rettl (Drei), Moderatorin Ingrid Brodnig, Martina Paul (ITSV) und Clara Neppel (IEEE). Foto: Austrian Standards/Peter Tuma

Vom utopischen Heilsversprechen bis zur dystopischen ­Unterdrückung: Debatten zu den Chancen und Risiken durch KI, IoT und 5G prägten eine Tagung von Austrian Standards.

Die digitale Welt ist international, sie kennt weder sprachliche noch traditionelle Grenzen«, erklärte Austrian Standards-Vizepräsident Manfred Matzka bei der Eröffnung des 3. IoT-Fachkongresses am 23. Oktober. Im Rahmen der ausgebuchten Veranstaltung zum Thema Internet of Things begrüßte Matzka mehr als 120 Führungskräfte, Technologie-, Sicherheits- und Marketingspezialisten bei Austrian Standards in Wien. Unter dem Veranstaltungstitel »Mit Standards in die Zukunft – gemeinsame Innovation im Zeitalter der Digitalisierung« referierten 24 ExpertInnen über den neuen Mobilfunkstandard 5G, über Anwendungen und Auswirkungen von Artificial Intelligence, Smart Mobility, neue Geschäftsmodelle des »Industrial IoT« und die Kraft der Disruption.

Ethische Fragen

Die Keynote von Christopher Frauenberger, Senior Researcher in der Forschungsgruppe Human Computer Interaction TU Wien, erinnerte an den Netflix-Serienhit »Black Mirror«: Er verkündete, dass es 2030 im Internet of Things 125 Milliarden vernetzte Geräte geben wird – rund 15 Geräte pro Erdbewohner. Bereits heute erfolgt die Hälfte des Datenverkehrs von Geräten mit »third parties«. Die daraus entstehenden Möglichkeiten sind mannigfaltig. So werden smarte Anwendungen künftig dabei helfen, die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, und auch in der Medizin leisten intelligente, digitale Lösungen einen wertvollen Beitrag. Diese Daten bergen aber auch das Risiko, dass sie grundsätzlich bestimmten Personen zugeordnet werden können. Ein »Social Scoring«-System wie in China öffnet Überwachung und Bewertung Tür und Tor.

Über die zunehmende Relevanz der Ethik-Debatte in einer vielfach vernetzten Welt waren sich auch die anderen Vortragenden einig. AI-Expertin Martina Paul, IT-Services der Sozialversicherung und Vorsitzende der Arbeitsgruppe »Artificial Intelligence« bei Austrian Standards, wies darauf hin, dass Ethik kein Selbstläufer sei, da es keine weltweit einheitliche Vorstellung davon gebe. 5G-Mastermind ­Elisabeth Rettl von Hutchison Drei Austria sprach sich dafür aus, mehr darüber zu diskutieren, was überhaupt Sinn mache. Es gelte, das große Ganze zu sehen und sich nicht in Details zu verlieren. Und IoT-Spezialist Mario Drobics vom AIT stellte das Vertrauen in die Technologie in den Fokus.

Auch Clara Neppel vom weltgrößten Ingenieursverband IEEE plädiert dafür, die verschiedenen Akteure aus ihren Ökosystemen heraus zu holen, an einen Tisch zu setzen und das Ohr näher an den Anwendern zu haben, damit die notwendigen Rahmenbedingungen für eine exponentiell vernetzte Welt geschaffen werden können.

Einfach beginnen

Der Automatisierungsspezialist ­Balazs Bezeczky von Beckhoff Automation illustrierte in seinem Vortrag wie Digitalisierung und Machine Learning in Unternehmen erfolgreich eingesetzt werden können. Wichtig ist es, so der Spezialist, Stolpersteine zu vermeiden, die Möglichkeiten von Machine Learning zu kennen, sich über die eigenen Ziele im Klaren zu sein und seine Strategie konsequent zu verfolgen. Er regt an, angstfrei mit dem Thema umzugehen und einfach einmal zu beginnen – etwa mit einer automatisierten Erkennung von Anomalien bei Zahlungseingängen.

Der 3. IoT-Fachkongress wurde von Hutchison Drei Austria, futurezone.at, Beckhoff, Dataformers, IoT Inspector, Weidmüller und pwc sowie weiteren Partnern unterstützt.

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