"Was zählt, ist das Business-Modell"

Francis Cepero war 18 Jahre bei SAP und liefert nun mit A1 Digital neue Umsatzmöglichkeiten und Effizienzen für die Industrie. Francis Cepero war 18 Jahre bei SAP und liefert nun mit A1 Digital neue Umsatzmöglichkeiten und Effizienzen für die Industrie. Foto: A1 Digital

Francis Cepero ist Director Vertical Market Solutions bei A1 Digital. Mit dem Energie Report spricht er über den Marktzugang mit der IoT-Plattform seiner Wahl und warum Technologie allein nicht entscheidend ist.

Report: In welchen Bereichen ist A1 Digital aufgestellt? Worauf fokussieren Sie?

Francis Cepero:
Zum einen verfügen wir über eine eigene Cloud-Infrastruktur und können unabhängig von amerikanischen Unternehmen Services aus der Wolke anbieten. Mit der Cloudplattform Exoscale haben wir beispielsweise das europäische Kernforschungsinstitut CERN als prominenten Kunden gewinnen können. Die Speicherung der Daten kann auf Wunsch in Österreich, in Deutschland oder in der Schweiz erfolgen. Die zweite Säule bilden Security-Services auf allen Ebenen einer IT-Infrastruktur, der Cloud und dem Internet of Things. Sicherheit ist etwas, das alle Produkte durchdringen muss. Die dritte Säule ist der Bereich Vertical Market Solutions. Dort sind wir auf Lösungen rund um IoT, Konnektivität, Machine Learning und Business-Prozesse fokussiert.

Report: Können Sie dazu Referenzprojekte in Österreich nennen?

Cepero: Bei PORR haben wird 6.000 Baumaschinen unterschiedlicher Hersteller – Volvo, Hitachi und andere – gemeinsam mit einer einheitlichen Telematik-Einheit verbunden und damit den Maschinenpark des Bauunternehmens harmonisiert. Damit werden Auslastungsgrad und Wartungszustände der Maschinen früh erkannt sowie Missbrauch und Diebstahl erkannt und verhindert.

Bei ÖBB Rail Cargo statten wir gerade knapp 14.000 Güterwaggons mit Telematik-Lösungen aus. Für dieses Projekt wurde gemeinsam mit dem Partner CargoMon ein Sensor entwickelt,  sodass zu jedem Zeitpunkt Daten zu Ladegut, Standort, Streckengefälle und Beschleunigung der Waggons abgerufen werden können. All das sind Parameter, die für die ÖBB eine höhere Taktung und Effizienz ermöglichen. Wusste man früher gerade einmal Start- und Zielort eines Transports sowie die geplante Ankunftszeit, erlaubt die Vernetzung nun ein hochgradig granulares Management von Gütern und Transportmitteln. Auch hier werden Feedback-Schleifen in »real time« möglich.

Ein weiteres Beispiel ist ein Projekt mit Energieversorgungsunternehmen in Salzburg, Tirol und Vorarlberg zur kompletten Planung, Beschaffung, Lieferung und Rollout von 1,2 Millionen Smart Meter.

Generell sehen wir unsere Schwerpunkte in den Industrien Bauwirtschaft, Logistik, Retail, Energiewirtschaft und OEMs – Firmen, die Produkte mit Sensoren und Komponenten zur Vernetzung herstellen und anbieten wollen. Das steirische Unternehmen Komptech hat einen mobilen Schredder für Waldarbeiten auf den Markt gebracht. Das Gerät ist mit einer Kommunikationseinheit ausgestattet, die Standort- und Betriebsdaten aus dem Wald in eine Zentrale übermittelt. Dieser Wald kann aber auch in Afrika oder in Südamerika liegen – für die Machine-to-Machine-Kommunikation sind Distanzen unerheblich.

Report: Es ist aktuell schwierig, die Übersicht über die vielen unterschiedlichen IoT-Plattformen zu bewahren. Worauf sollte man hier achten?

Cepero:
Wir sehen an die 500 Plattformen weltweit. Viele Unternehmen stehen vor dieser Frage, einen geeigneten Anbieter aus dieser Vielzahl auszuwählen. Das ist kaum zu schaffen und sie werden an mehreren Parametern der Lösungsgleichung scheitern. Soll ich die billigste kaufen? Eine teure und besonders performante? Welche Verbindungstechnologien werden unterstützt?

Wir reduzieren diese Komplexität radikal und liefern unseren Kunden Cloud, Connectivity, Security, Machine Learning und eine Anbindung an die Prozesse im Betrieb aus einer Hand. Letzteres ist überhaupt das Wichtigste für den Erfolg von IoT-Projekten. Während IoT zwar technisch kompliziert ist, kann es streng genommen auf ein einziges Grundkonzept runtergebrochen werden: die Datensammlung. In einem nächsten Schritt müssen diese analysiert werden und aus den Analysen brauchbare Erkenntnisse fürs Unternehmen gewonnen werden, die wiederum in die betriebswirtschaftlichen Komponenten des Kunden geführt werden müssen.
Fachabteilungen arbeiten nicht mehr aufgrund von Annahmen, sondern auf Basis von Daten, die tatsächlich zeitnah angefallen sind. Machine Learning ermöglicht dazu eine neue Art der Analysen, die verlässliche Vorhersagen für einen Maschinenzustand oder einen Geschäftsverlauf liefern. Wenn diese digitalisierte Sicht in die Prozesse gebracht werden kann – um einen Preis dynamisch zu ändern oder eine Gewährleistung auf neue Art zu regeln –, dann sind das Möglichkeiten, die man vorher nicht hatte.

Als passionierter Techniker kann ich Ihnen sagen: Es ist egal, welche Art von Technologie Sie heute einsetzen. Über ein bestimmtes Produkt oder eine technische Lösung allein werden Sie sich als Anbieter nicht differenzieren können. Was zählt, ist das Business-Modell.

Report: Auf welche IoT-Plattform setzen Sie bei A1 Digital?

Cepero:
Als Basis nutzen wir die Plattform der Software AG, die eine der besten derzeit am Markt ist. Wir lizensieren diese und reichern sie mit neuen Komponenten und Modulen an. Wir sind damit also auch auf Augenhöhe mit den ganz Großen. Die Kunden haben natürlich die Wahl, wir empfehlen aber, diese IoT-Plattform aus der Cloud heraus zu nutzen. Damit fallen für das Unternehmen keine Wartungsarbeiten, Updates oder das Thema Sicherheit an. Es vereinfacht vieles.

Report: Sehen Sie in Zukunft auch die heiligen Hallen des Produktionsbereichs bei Unternehmen in die Wolke ausgelagert?

Cepero:
Der Bereich Manufacturing ist momentan nicht in unserer strategischen Ausrichtung. Technisch gesehen, könnten wir es bereits, doch ist der Zugang hier völlig anders. Derzeit sehen wir unsere Lösungen eher in Geschäftsfeldern, die noch nicht ausreichend adressiert sind.

Report: Warum sollten Unternehmen auf A1 Digital setzen? Sie sind nicht der erste Anbieter, der sich auf die Vernetzung der Maschinenwelt stürzt.

Cepero
: Wir hatten anfangs die Befürchtung, in diesem komplexen, umkämpften, sehr großen Markt nicht die geeignete Positionierung zu finden – das hat sich bei Weitem nicht bewahrheitet. Warum, ist einfach erklärt: Wir haben über 500 fertige Projekte, die bei Kunden live gegangen sind. Das sind nicht nur Proofs-of-Concept, sondern bereits echte Säulen fürs Geschäft. Die Unternehmen verdienen jeden Tag Geld damit.

Wir sind bei Projekten erst dann erfolgreich, wenn unsere Kunden damit etwas verdienen. Diese Nähe zum Kunden differenziert uns vom Mitbewerb.


Zur Person
Francis Cepero bringt für seine Position als Director Vertical Market Solutions bei A1 mehr als 20 Jahre Erfahrung in dem Bereich Business-Software und Vertical-Market-Solutions mit. Cepero war zuvor Head of Innovation and Technology für Media, Sports and Entertainment bei der SAP SE und insgesamt 18 Jahre bei SAP tätig.

Zum Unternehmen
A1 Digital International GmbH ist eine Tochter der Telekom Austria Group. Das Portfolio wurde 2017 auf der vormaligen Telekom Austria Group M2M GmbH aufgebaut und mit einer eigenen Cloud-Plattforum und Datenservices wie etwa zu Machine Learning erweitert. International liegt der Fokus auf den CEE Raum sowie neuen Märkten in Westeuropa, allen voran Deutschland.

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