Die unfassbar unterschätzte Technologie

Die unfassbar unterschätzte Technologie Foto: Thinkstock

Mit einem Blatt Papier zum Mond oder doch kurze Wege für den Strom?

Das Besondere am exponentiellen Wachstum ist, dass wir es uns nicht richtig vorstellen können. Es widerspricht der Intuition. Betrachten wir die Entwicklung der Photovoltaik in Österreich, so sehen wir, dass die jährlich neu installierte Leis­tung relativ konstant, das Gesamtwachstum eher verhalten ist. Das prägt auch unsere Einschätzung hinsichtlich des Potenzials von PV. Ein Blick über die Grenzen hinaus zeigt eine andere Entwicklung. Global betrachtet sehen wir ein exponentielles Wachstum:

 

Grafik: Eine beliebte Frage von Mathematikern ist: »Wie oft müssten Sie ein Blatt falten, damit der Papierstapel bis zum Mond reicht, also 400.000 Kilometer hoch?«  Ein paar Millionen Mal? 10.000 Mal? Oder nur 42 Mal? Und die Frage an die Energiebranche: Wie schätzen Sie die Wachstumschancen der PV ein?

Nutzen  muss geklärt sein

Aufbauend auf den Möglichkeiten der kleinen Ökostromnovelle arbeitet eine Reihe von Planern, Anlagenerrichtern, Betreiber- und Finanzierungsgesellschaften an der Entwicklung und Realisierung von PV-Gemeinschaftsanlagen. Am 6. Dezember haben sich 40 dieser ExpertInnen beim Workshop »Kurze Wege für den Strom« im bmvit getroffen, um gemeinsam neue Geschäftsmodell-Ideen zu entwickeln, sowie Treiber und Hemmnisse aufzuzeigen (Infos auf www.nachhaltigwirtschaften.at).

Die wichtigsten Kundensegmente und zukünftigen Nachfrager werden laut diesen ExpertInnen unter anderem sein:

MieterInnen in Mehrfamilienhäusern, denen Klimaschutz am Herzen liegt und die bereit sind, in Gemeinschaftsanlagen zu investieren. Ihr »Need«, einen Beitrag zur Energiewende leisten zu wollen, wird damit erfüllt.

Gemeinden, die langfristig Kosten sparen und sich als grün und nachhaltig positionieren möchten. Sie können ihren BewohnerInnen hohe Lebensqualität bieten.
Errichter und Betreiber von Gewerbezentren, die über die direkte, lokale Nutzung des PV-Stroms einen langfristigen Kostenvorteil erzielen.

Auf der Anbieterseite entstehen neue Geschäftsfelder für Energielieferanten, die Immobilienwirtschaft oder für ganz neue, noch zu gründende Betreibergesellschaften. Kurzfristig realisierbare Gemeinschaftsprojekte brauchen den Netzbetreiber als Partner für die Abrechnung. Mittelfristig wird die Attraktivität der Geschäftsmodelle erhöht, indem möglichst viel des erzeugten Stroms auch vor Ort verbraucht wird. Über die Kombination mit Wärmepumpen oder Elektromobilität können noch größere monetäre Vorteile geschaffen werden. Ein intelligentes Energiemanagement, das über die reine Abrechnung hinausgeht, ist dafür erforderlich. IT- und Software-Unternehmen sind daher einzubinden.

Die größten Herausforderungen: Weiterentwickeln, Testen und Implementieren der in der Praxis noch nicht ausgereiften Abrechnungs- und Energiemanagementmodelle sowie für KundInnen einfach verständliche Angebote zu formulieren.

Vorzeigeprojekte sollen im ersten Halbjahr 2018 umgesetzt werden. Die gemeinschaftliche Nutzung von Sonnenstrom kann der PV-Branche noch einmal richtig Schwung verleihen.n

PS: Die Antwort auf die mathematische Frage lautet 42.


Zur Autorin: DI Hemma Bieser, MSc ist Gründerin und Geschäftsführerin von avantsmart, einer Innovation Company. Sie beschäftigt sich seit 2011 mit der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen für den Energiemarkt. Hemma Bieser ist als Managementberaterin, Moderatorin und Vortragende tätig. Aktuell begleitet sie Energie- und Industrieunternehmen bei der Digitalen Transformation und eröffnet ihren KundInnen durch Business Model Innovation die Geschäftsfelder der Zukunft.

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