Ziegel: Klimaneutrale industrielle Produktion

Marktpotenzial für Energiespeicher: Aurora Energy Research schätzt den Markt für thermische Batterien für die industrielle Elektrifizierung, Kraftwerksflexibilisierung und industrielle Abwärmenutzung bis 2030 auf rund 300 Milliarden Euro. Marktpotenzial für Energiespeicher: Aurora Energy Research schätzt den Markt für thermische Batterien für die industrielle Elektrifizierung, Kraftwerksflexibilisierung und industrielle Abwärmenutzung bis 2030 auf rund 300 Milliarden Euro. Fotos: EnergyNest

Der oberösterreichische Ziegelproduzent Senftenbacher produziert künftig klimafreundlich mit einem thermischen Energiespeicher von EnergyNest.

Der norwegische Energiespeicher-Hersteller EnergyNest hat Ende Jänner ein Kundenprojekt für thermische Energiespeicher in Österreich angekündigt. EnergyNest wird beim oberösterreichischen Unternehmen Senftenbacher eine thermische Großbatterie installieren und damit den Einsatz von fossilem Erdgas wesentlich verringern. "Mit dem Projekt mit Senftenbacher zeigen wir, dass die Dekarbonisierung der energieintensiven Industrie schon heute technisch möglich und wirtschaftlich interessant ist. Wir sind das erste Unternehmen, das marktreife thermische Speicher für die Industrie anbietet und bereits installiert", so EnergyNest-Geschäftsführer Christian Thiel.


Bild: "Derzeit läuft bereits die Planungsphase für das Projekt. In der zweiten Jahreshälfte können wir mit dem Produktionsprozess und der Installation beginnen", berichtet Thiel.

Der geplante Speicher mit einer Leistung von sechs bis acht Megawattstunden wird zeitweise überschüssige Energie vom Tunnelofen zwischenspeichern. Dabei handelt es sich um mehrere hundert Grad heiße Luft. Die gespeicherte Wärme wird in Dampf umgewandelt und später in der Produktion wiederverwendet. So kann durch die thermische Batterie in diesem Prozessschritt Erdgas als Energieträger komplett ersetzt werden. Bislang ungenutzte Abwärme wird damit zu Primärenergie. Im Ergebnis davon werden die Kosten für Erdgas sowie mindestens 1.500 bis 2.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart.

Senftenbacher macht mit dem Projekt einen großen Schritt auf dem Weg zur Senkung des CO2-Aufkommens bei seiner industriellen Produktion. "Wir nehmen unsere Klimaverantwortung sehr ernst und setzen mit diesem Dekarbonisierungsprojekt ein klares Signal", sagt Peter Flotzinger, Geschäftsführer von Senftenbacher. "Wir liefern damit schon bald Ziegel, die nicht nur besonders gut isolieren, sondern auch den geringsten CO2-Fußabdruck haben. So entstehen nachhaltigere Gebäude und Eigenheime."



Hintergrund
Ziegel sind, wie viele andere Baustoffe, in der Herstellung sehr energieintensiv. Die benötigte Energie muss in Form von hochgradiger Wärme oder Dampf zur Verfügung gestellt werden – zum Beispiel für das Mischen des Tons, das Trocknen und das Brennen der Ziegel. Heute wird die benötigte Prozesswärme zum Großteil mit Erdgas erzeugt. Die Nutzung von Erdgas zur Wärme- bzw. Dampferzeugung ist weit verbreiteter Industriestandard. Aufgrund des hohen Innovationsgrades und des großen Dekarbonisierungspotenzials der thermischen Batterie unterstützt die Europäische Union das gemeinsame Vorhaben von EnergyNest und Senftenbacher im Rahmen des Horizon2020 SME-I Programms. Das EU-Leuchtturmprojekt setzt damit einen neuen Standard für die Dekarbonisierung der industriellen Produktion.

EnergyNest baut derzeit zwei Kundenprojekte auf der Grundlage seiner Technologie. Eine Demonstrationsanlage in Masdar City (Abu Dhabi) wurde über mehrere Jahre erfolgreich getestet. Im Jahr 2018 wurde in Rotterdam ein Produktionszentrum für thermische Batterien eröffnet. Die Batterien sind in den Abmessungen von 20-Fuß-Standardcontainern (6x2x2 Meter) konzipiert, modular, vollständig skalierbar und umweltfreundlich. Das Speichermedium ist der Hochleistungsbeton Heatcrete, der in Bezug auf Wärmeleitfähigkeit, Wärmekapazität und mechanische Festigkeit mit einer Lebensdauer von 30 bis 50 Jahren ohne Beeinträchtigung ausgezeichnet geeignet ist.

Last modified onFreitag, 07 Februar 2020 15:41
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