Schmähsicher

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Der Wintertourismus hat mit Wirtschaftsabschwung, Klimawandel und radikalisierten Ökospinnern zu kämpfen. Zeit für neue Konzepte.

Ein Brainstorming von Rainer Sigl

Am Freitog auf d’ Nocht .. montier i die Schi … auf mei Auto … ah, grüß Sie, jetzt hab ich Sie gar nicht bemerkt bei all dem Schneegestöber hier drin! Wie bitte? Ja, super, oder? Das bringt gleich in Winterurlaubslaune, oder? Feinster Plastik-Kunstschnee aus 20 Prozent recyceltem Plastik-Kunstschnee! Ja, wir beschneien jetzt auch drinnen, wegen der Atmosphäre. Wir haben da so ein Zuschusspaket vom Land und vom Bund und von der Wirtschaftskammer und vom Ministerium und vom anderen Ministerium und vom Bundeskanzleramt und vom Benko und vom Mateschitz und von der IV und jaaa, das braucht’s leider heutzutage, weil die Gäst sind schon so wählerisch geworden, ohne richtige Einstimmung und Show läuft da nix mehr.

Also! Die Indoor-Beschneiung sorgt dafür, dass schon so dieses Verlangen nach dem Berg wach wird, aber was fehlt dann? Richtig: Eine angenehme Anreise! Wir haben festgestellt, dass sich viele Gäste scheuen, bei winterlichen Verhältnissen zu fahren und deshalb kann man zu unserer Schischaukel seit heuer direkt von der Landesgrenze an auf tipptopp beheizten Straßen anreisen! Und nicht nur das: Zur Stärkung der Wirtschaft rund um das weiße Gold haben wir an jedem der drei Großparkpätze unten im Tal gleich je ein Einkaufszentrum samt Multiplex direkt an die Talstation drangebaut! Ja klar, drin wird ganzjährig gekühlt, damit der Gast gleich in der Skikluft shoppen gehen kann, oder auf einen Sprung in die Erlebnisgastro! Dann in die Luxus-Gondel oder unseren beheizten brandneuen Achter-Sessel-Jet mit Bordkino, Schnapsbar und WLAN und schwupps, schon ist man oben!

Darauf freut man sich das ganze Jahr, besonders heuer, wo der Ausblick doppelt so majestätisch ist, seit wir den Südgrat gegenüber und die Kollerwand und den schiachen Wurmserkogel letzten Sommer endlich erlebnisbegradigt haben, haha! Das war ein Knall, wenn da so eine halbe Bergkette runterkommt! Aber mei, die Natur ist gnadenlos, am Berg herrscht halt beinhart das Gesetz des Stärkeren, wie der Huber Franz von der Seilbahndings immer wieder sagt, nicht, und mal ehrlich, wegen ein paar Murmeltieren und Edelweiß und Wasserschutzgebiet kann man jetzt nicht dem Trautner-Wirt im Tal drüben sagen, dass er sein Viersternsuperior jetzt halt doch wieder auf 400 Betten reduzieren muss, weil: Der hat das mit dem Spa-Ausbau schon seit einem halben Jahr mit der Raika fixiert – hilft ja nix! Und die Arbeitsplätze! Ich persönlich kenn ja zwei, drei kleine Dörfer in Ostungarn, da bricht sofort alles zusammen, wenn bei uns ein Hotel in der Saison weniger Umsatz macht wegen diesem verdammten Klima!

Ich sag ja, wir müssen endlich autark werden vom Wetter, drum planen wir ja grad diese unterirdische Schneeaufbereitung samt Pistenkühlung am Gletscher, wo wir zwei, drei kleinere Gipfel großzügig ausräumen und für Schneelager und Kühlkavernen und Erlebnisgastronomie nutzen können, weil dem Russen ist das wurscht, dass bei uns im September oder im Mai kein Schnee ist, der will fahren und seine Euro verrubeln, da nimmt der aufs Wetter keine Rücksicht! Und der Saudi schon gar nicht!

Weil eins ist halt schon wahr: Egal, woher man kommt, so ein Naturerlebnis ist halt schon was Spektakuläres. Weil i wü: Schiiiiiiiiiiiiii…...n

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