Deppensicher

Deppensicher

Sicher ist nicht sicher genug, vor allem in unsicheren Zeiten. Nur totale Sicherheit macht wirklich sicher. Eine Sicherstellung von Rainer Sigl.

Zwei-Faktor-Authentifizierung, Biometrie, Verschlüsselung: Alles schön und gut, aber ich sag Ihnen, man kann heute nicht vorsichtig genug sein. Daten sind das neue Erdöl, was red ich, das neue Gold, und deshalb tu ich zumindest mein Möglichstes, um mich vor den Gefahren bestmöglich zu schützen. Ich mein: Chinesische Hacker! Russische Social-Engineering-Trolle! Nordkoreanische Malwareschleudern! Iranische Phishing-Experten! Scheidungsanwälte! Nigerinaische Email-Scammer! Simple Kriminelle! Und dann natürlich noch der Karli Hutterer vom Kinderturnverein, der 375 Eltern per Massenemail im CC anschreibt! Es ist ein Dschungel da draußen, und da gilt: Nur die Starken kommen durch – und da nur zwei Prozent, die Steine fressen.

Ich mein, wenn man überlegt, wie fahrlässig mit sensibelsten persönlichen Daten umgegangen wird – zum Beispiel im Altpapier! Was ich da neulich, beim, öhm, Recherchieren im Container wieder alles an Daten ausgegraben habe – Wahn-sinn! Ich schmeiß da ja schon jahrelang nichts mehr hinein, nein, mein Lieber – mein sensibler Papiermüll wird zuerst von einem eigens dafür angestellten Sehbehinderten selektiv geschwärzt, dann geshreddert, dann in einem Spezialbad aus ungelöschtem Kalk und Chlorbleiche im Keller nachbehandelt – ja, okay, seit diesem kleinen Gasunfall letztes Jahr und nach der Kur trag ich jetzt eh immer diese Maske, ich hab meine Lektion gelernt – der Rest wird dann gefriergetrocknet und von Hand in einem Mörser zu feinstem Industriestaub gemahlen, mit Klärschlamm in Ziegelform gepresst und in einem eigens angemieteten Bunker endgelagert – weil mir das meine Datensicherheit wert ist!

Oder am Telefon: Was da für Sicherheitslücken drohen! Nennen S’ mich übervorsichtig, aber wenn mich eine unbekannte Nummer anruft, reiß ich sofort die SIM-Karte raus und desinfiziere sie für fünf Minuten bei 800 Watt in der Mikro! Mit mir nicht, ihr Verbrecher! Und nein, natürlich geb ich die Telefonnummern meiner Kontakte dann nicht jedes Mal neu ins Handy ein – da kann ich ja gleich meinen Körper testamentarisch diesen ganzen US-Datenkraken verschreiben! Natürlich merk ich’s mir auswendig – und die wichtigsten Telefonnummern hab ich mir sowieso zur Sicherheit an einer geheimen Stelle eintätowieren lassen. Nein, ich zeig’s Ihnen jetzt nicht. Und was soll das heißen, »wenn aber jemand an der Tür läutet«? Wenn die erst mal meine Adresse haben, muss ich sowieso schon im Flieger nach Belize sitzen!

Ich sag S’ Ihnen ehrlich:  Die Leute haben ja keine Ahnung, dass Ihnen da dauernd die ganze Welt an Leib und Daten will! Die tun so, als wär nix! Aufwachen! Denn wenn’s eins gibt, was ich sicher weiß, dann das: Man kann nie sicher genug sein. Wie bitte? Ich, paranoid? Na wenn schon: Nur weil ich paranoid bin, heißt das noch lang nicht, dass keiner hinter mir her ist.

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