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Mehrwert für ManagerInnen

Hochfrequenzhandel verbieten?

 

Der Hochfrequenzhandel an der Börse wurde zuletzt breiter thematisiert – die Regierungskoalition hat einen Gesetzentwurf zur schärferen Regulierung vorgelegt. In den USA machte der Hochfrequenzhandel im Aktiengeschäft 2011 mehr als 50% des Handelsvolumens an, in Europa waren es 35%.

Hochfrequenzhandel, darunter wird der Teilbereich des algorithmischen Handels verstanden, bei dem Aufträge massenhaft in Sekundenbruchteilen an den Börsen platziert werden. „Zeit ist Geld“ – das gilt auch und gerade an der Börse. Wer das nötige Kleingeld hat und sich ein entsprechendes Equipment leisten kann oder will und dieses dann auch noch –zwecks kurzer Leitung- direkt an Börse in Stellung bringt, erkauft sich damit einen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber anderen Marktteilnehmern.

 

So weit, so gut und auch nichts Neues. Der eine investiert in Analysten, um einen Vorsprung herauszuholen, der andere in Maschinen. Jeder wie er will (und kann). Der Privatanleger kann da nicht mithalten – ob er deswegen grundsätzlich im Nachteil ist?

 

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Effizienz per Gesetz

Das Bundesenergieeffizienzgesetz ist nun in der Begutachtungsphase.

Energieeffizienz ist eine der Säulen der Österreichischen Energiestrategie. Eine gewisse Entkoppelung zwischen Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch konnte in Österreich bereits realisiert werden. Von einem Faktor 4 oder gar 10 wie von Effizienzexperten Schmidt-Bleek oder von Weizsäcker in den 90iger Jahren gefordert, sind wir aber noch weit entfernt.

Energieausweise für Kühlschränke sind schon lange Stand der Technik. Energieausweise bei Gebäuden sind zwar schon gesetzlich verpflichtend, das Wissen hat sich aber noch nicht überall herumgesprochen. Neuwagen müssen schon längst ihre CO2-Emissionen pro Kilometer ausweisen, der CO2-Ausstoß dürfte aber noch nicht wirklich ein kaufentscheidendes Argument sein, wenn man den Fuhrpark auf Österreichs Straßen so anschaut.

Die EN 16001 als zertizifierbare Norm wurde inzwischen von der ISO 50001 (Energiemanagement) abgelöst. Weltweit wurden bereits über 1.000 ISO 50001-Zertifikate ausgestellt, davon circa die Hälfte beim deutschen Nachbarn. Die Quality Austria hat bereits knapp 30 Zertifikate ausgestellt. Das Interesse wächst stark an, nicht nur in Österreich.

Mit der Ausgabe der ÖNorm EN 16247-1 (Annahme durch CEN im Juni 2012, Ausgabe September 2012) kommt ein weiterer Baustein für die Durchführung von Energieaudits dazu. Der Entwurf zum Bundesenergieeffizienzgesetz und die Energiemanagementnormen greifen ineinander. Tritt das Gesetz in Kraft, ist das Management gefordert, sich damit auseinanderzusetzen, um rechtssicher zu bleiben. Die Normen können als wirksame methodische Vorgehensweisen oder Werkzeuge gesehen werden. Sowohl der Gesetzgeber als auch die Normung streben danach, durch den systematischen und wiederkehrenden Ansatz, Verbrauchsprofile gezielt zu analysieren, Einsparungspotenziale zu erkennen und die Energieeffizienz durch die Festlegung und Verfolgung von Energieleistungsindikatoren zu steigern. Diverse Studien sprechen von mindestens 5 bis 20% an Einsparungspotenzial. Das wird auch die Budgets entlasten.
Wolfgang Hackenauer, Produktmanager Umwelt und Netzwerkpartner der Quality Austria hat wieder einige wichtige und interessante Punkte aus dem Gesetzesentwurf zusammengefasst.

Wichtige Begriffsbestimmungen im Energieeffizienzpaket des Bundes
§ 5. (1) Im Sinne dieses Gesetzes bezeichnet der Ausdruck Energieaudit ein systematisches Verfahren im Einklang mit ÖN EN 16247-1 oder entsprechenden Nachfolgenormen zur Erlangung ausreichender Informationen über das bestehende Energieverbrauchsprofil eines Gebäudes oder einer Gebäudegruppe, eines Betriebsablaufs in der Industrie und/oder einer Industrieanlage oder privater oder öffentlicher Dienstleistungen, zur Ermittlung und Quantifizierung der Möglichkeiten für kostenwirksame Energieeinsparungen und Erfassung der Ergebnisse in einem Bericht.

Energiemanagement bei endenergieverbrauchenden Unternehmen
Endenergieverbrauchende Unternehmen in Österreich haben, abhängig von ihrer Größe und ihrem Energieverbrauch, Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz gemäß Abs. 2 bis Abs. 6 zu setzen und zu dokumentieren. Große und mittelgroße Unternehmen haben entweder ein Energiemanagementsystem in Übereinstimmung mit der Norm EN 16001 oder der ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem gemäß Art. 13 der Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 über die freiwillige Teilnahme von Organisationen an einem Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung (EMAS Verordnung, auch Ökoaudit genannt), soweit damit auch sämtliche Anforderungen nach ISO 50001 erfüllt werden, einzuführen, dieses zu zertifizieren, die Einführung zu dokumentieren, das Energiemanagementsystem oder Umweltmanagementsystem zu verwirklichen und aufrechtzuerhalten oder in regelmäßigen Abständen, zumindest alle vier Jahre, ein Energieaudit durchzuführen.

Der Anwendungsbereich und die Grenzen des Managementsystems sind festzulegen und zu dokumentieren oder es ist die Durchführung und Ergebnisse des Energieaudits zu dokumentieren.

Endenergieverbrauchende Unternehmen in Österreich haben nach Möglichkeit den sich aus der Anwendung des Managementsystems oder aus der Durchführung des Energieaudits ergebenden Anforderungen einer Verbesserung ihrer Energieeffizienz zu entsprechen und die erforderlichen Effizienzmaßnahmen zu setzen.
Endenergieverbrauchende Unternehmen haben die Einführung des Managementsystems oder die Durchführung des Energieaudits sowie die allfällig gesetzten Effizienzmaßnahmen für jedes Jahr bis zum 31. März des Folgejahres der nationalen Energieeffizienz-Monitoringstelle zu melden.

Zum Abschluss noch ein paar Einstiegsfragen:

  1. Wer ist in ihrem Unternehmen für Energiefragen zuständig?
  2. Wie hoch sind Ihre Energieausgaben?
  3. Wo haben Sie die wesentlichen Energieverbräuche?
  4. Welche Energiekennzahlen haben Sie bereits?
  5. Welche energiespezifischen Ziele haben Sie für 2013 definiert?


Viel Erfolg bei der Umsetzung!
Axel Dick, Quality Austria
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Circa 5.000 Betriebe in Österreich betroffen

EN 1090 stellt die Basis der Zertifizierung dar, die für alle Betriebe des Stahl-und Aluminiumbaus in Österreich ab 1. Juli 2014 verpflichtend sein wird.

Die aktuelle Version der EN 1090-1 trat in Österreich am 1. März 2012 in Kraft. Sie verpflichtet – wie auch alle vorangegangenen Ausgaben – die betroffenen metallverarbeitenden Betriebe zur Durchführung von Konformitätserklärungen für ihre Produkte sowie zu deren CE-Kennzeichnung. Das ursprüngliche Ende der Übergangsphase – 1. Juli 2012 – wurde um zwei Jahre auf den 1. Juli 2014 verschoben, um den betroffenen Betrieben ausreichend Zeit für die konsequente Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen zu geben. Nach diesem Datum dürfen tragende Bauteile aus Stahl oder Aluminium nur mehr mit CE-Kennzeichen in Verkehr gebracht werden.

Frühzeitige Auseinandersetzung mit EN 1090 empfohlen
Auch wenn die Übergangsregelung erst im Juni 2014 endet, empfiehlt Quality Austria, sich bereits jetzt damit intensiv auseinanderzusetzen. Es braucht eine gewisse Vorlaufzeit, fit für die Zertifizierung zu werden. Darüber hinaus könnte es zu Engpässen kommen, wenn erst alle gegen Ende der Frist um die Zertifizierungsaudits ansuchen. Damit würden auch allfällige Zeitpuffer wegfallen, falls Schwachstellen im Audit erkannt und diese durch Korrekturmaßnahmen abzuarbeiten sind.

Werkseigene Produktionskontrolle verpflichtend
Die Verpflichtung zur Implementierung der Anforderungen nach der EN 1090 trifft alle Unternehmen, die derartige Produkte fertigen. In Zusammenhang damit schreibt die Norm eine verpflichtende Zertifizierung der „werkseigenen Produktionskontrolle“, also ein gewisses Qualitätsmanagementsystem im Betrieb vor. Nach ÖNORM EN 1090 ist nachzuweisen, dass alle tragenden Bauteile den Anforderungen entsprechend konstruiert und produziert werden. Damit sind die wesentlichen Geschäftsfelder im Stahl- und Aluminiumbau erfasst, insbesondere die Fertigung in der Werkstatt. Falls auch Konstruktion und Bemessung zu den Unternehmensbereichen zählen, werden diese in die Zertifizierung mit einbezogen. Die Festlegungen in ÖNORM EN 1090 gelten auch für alle tragenden Verbundkonstruktionen aus Stahl und Beton.

Zugrundeliegende Normen
ÖNORM EN 1090 – Ausführung von Stahltragwerken und Aluminiumtragwerken ist in drei Teile gegliedert:

  • Teil 1: Konformitätsverfahren für tragende Bauteile
  • Teil 2: Technische Anforderungen an Tragwerke aus Stahl
  • Teil 3: Technische Anforderungen an Tragwerke aus Aluminium


Gültigkeit der neuen Regelungen für alle Bereiche des Bauwesens
Unabhängig von der Betriebsgröße, der Art der produzierten Bauteile und der regionalen Ausrichtung der Geschäftsaktivitäten innerhalb des EWRs unterliegen sämtliche Stahl- und Aluminiumbaubetriebe den Regelungen von EN 1090 für tragende Konstruktionen. Diese können Gesamtbauwerke sein oder als Einzelteile in übergeordnete Tragsysteme integriert werden. Von der Regelung sind alle Bereiche des Bauwesens umfasst, wie Hochbau, Fassadenbau, Geländerbau, Gerüstbau, Industriebau, Kraftwerksbau, Bühnenbau und Brückenbau.

Nach ÖNORM EN 1090 ist nachzuweisen, dass alle tragenden Bauteile entsprechend den jeweils gestellten Anforderungen und den damit verknüpften Ausführungsklassen produziert werden. Damit sind die wesentlichen Geschäftsfelder im Stahl- und Aluminiumbau erfasst:

  • Beschaffung
  • Fertigung in der Werkstatt
  • Untervergabe
  • Anweisung für die Montage

 

Der Weg zum Zertifikat
Erhebung des Ist-Zustandes: In der qualityaustria Statusfeststellung wird vor Ort grundsätzlich der Qualifizierungsstand des Unternehmens in Bezug auf die Erfüllung der Forderungen nach EN 1090 erhoben. Im Rahmen der Statusfeststellung erhält man die Hinweise, in welcher Beziehung Anpassungen gegebenenfalls erforderlich sind.

Voraudit: Im qualityaustria Voraudit wird vor Ort detailliert überprüft, wie weit die Abläufe im Unternehmen den Regelungen in EN 1090 entsprechen.

Im Besonderen werden durchgeführt:

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Kreditzyklus: Der blinde Fleck von Fed & Co





Im modernen „central banking“ visiert jede Zentralbank irgendein Ziel abseits der Preisstabilität an, schreibt sich wirtschaftspolitische Ziele der jeweiligen Regierungen auf die Fahnen. Das 30 Jahre gültige Mantra niedriger und kontrollierter Preissteigerungen ist ebenso gefallen wie die Unabhängigkeit der Geldpolitik.


So gibt nun die Fed als Messlatte für ihre Geldpolitik einen Referenzwert für die Arbeitslosenrate aus, die Bank of Japan wird wohl in Kürze etwas Ähnliches versuchen, die Bank of England will ihre Geldpolitik künftig an der BIP-Entwicklung ausrichten und die EZB ist für die Bankenüberwachung zuständig und greift bereits mit der Ankündigung ihres OMT-Programms massiv in die Preisbildung von Staatsschulden in der Eurozone ein.

„Heute haben die Zentralbanken wahrscheinlich mehr wirtschaftspolitischen Einfluss als jemals in ihrer Geschichte. In der Finanz- und Eurokrise hat man ihnen die Aufgabe zugewiesen, verschuldete Banken und Staaten zu retten und die angeschlagene Wirtschaft wieder auf die Beine zu stellen. In der Zeit nach der akuten Krise wird dieser erweiterte Einfluss nun konsolidiert.“ Das schreibt Thomas Mayer, ehemals Chefvolkswirt der DeuBa und jetzt u.a. ihr Berater, in der FAS vom 20.1.13 und fragt: Haben die Zentralbanken sich für die Ausweitung ihres Einflusses durch besondere Vorausschau bei der Finanzkrise qualifiziert?

Antwort: Nö! Noch im Frühjahr 2007 hatte z.B. Fed-Chef Bernanke die Probleme auf dem Markt für Immobilienkredite als lokal und sektoral begrenzt eingeschätzt. Was danach geschah, wissen wir. Mayer schreibt, just als Bernanke dieses Statement abgab, begann die Kreditblase zu platzen und leitete den Abschwung im Kreditzyklus ein.

Mayer sieht das analytische Versagen von Fed & Co in volkswirtschaftlichen „Modeströmungen“ der Nachkriegszeit. Die aufgekommenen neuen Konjunkturzyklus-Theorien ignorierten den Zusammenhang mit dem Kreditzyklus, während vor dem zweiten Weltkrieg Volkswirte von Hayek bis Keynes den Konjunkturzyklus als vom Kreditzyklus getrieben ansahen.

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Optimismus mit der Brechstange


Verdächtig oft wird in der letzten Zeit die Eurokrise für beendet erklärt. Zuletzt geschehen am Drei-Königs-Tag. Da hat der Chef der EU-Kommission, Barroso, das Ende der Eurokrise ausgerufen – endgültig und unwiderruflich. Die Investoren hätten nun verstanden, dass es die europäischen Führer ernst meinten, alles zum Schutz des Euro tun zu wollen. Zudem habe die EU-Kommission wirkungsvolle Konzepte entwickelt, um die verbliebenen marginalen Probleme in der Eurozone zu lösen, sagte er.

Van Rompuy, Präsident des Europäischen Rats, hatte vor Weihnachten den Beginn eines hundertjährigen Friedens angekündigt. Auch Finanzminister Schäuble gab sich zu Weihnachten zuversichtlich, dass sich die Eurokrise 2013 entschärfen wird. Die Lage sei besser als gedacht. Länder wie Griechenland hätten inzwischen erkannt, dass sie die Krise nur mit harten Reformen überwinden könnten.

Etwas bescheidender hatte es Mitte Dezember der Chef des Euro-Rettungsschirms ESM angehen lassen, als er ein Ende der Euro-Krise in zwei bis drei Jahren für möglich hielt. Gut die Hälfte der Arbeit sei getan, sagte Regling damals. In zwei oder drei Jahren läge das Haushaltsdefizit aller Euro-Länder unter drei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts.

Zu der durch und durch viel versprechenden Lage trug natürlich auch bei, dass die politischen Führer in den USA einen (faulen) Kompromiss zum Umschiffen der „fiscal cliff“ erzielen konnten.

Da konnte auch das Basel-III-Komitee nicht zurückstehen mit einem eigenen Beitrag zum Optimismus, indem die Liquiditätsanforderungen (LCR) für den Fall einer erneuten Finanzkrise nun so weit reduziert wurden, dass diese schon heute von vielen Instituten erfüllt werden. Das entlastet v.a. die Banken der Eurozone, die mit den ursprünglichen Regeln einen zusätzlichen Kapitalbedarf von über einer Billion Euro gehabt hätten – rund zwei Drittel der insgesamt 1,8 Bill. Euro an weltweit erforderlichen hochliquiden Anlagen.

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Die Diktatur der Pensionisten, oder: Alles muss bleiben, wie es ist − und die Jungen sollen’s zahlen ...

 

Die Diktatur der Pensionisten, oder: Alles muss bleiben, wie es ist − und die Jungen sollen’s zahlen ...

Die Politik setzt seit ewigen Zeiten auf die Vergesslichkeit der Wähler, aber neuerdings geht sie davon aus: Herr und Frau Österreicher leiden an totaler Demenz.

Das Ergebnis der ultimativ verlogenen Volksabstimmung zur Wehrpflicht ist kaum verkündet, schon treten jene, die für die Beibehaltung des Status quo viele Argumente verwendet haben, die die Gesetze der Logik außer Kraft setzen – zum Beispiel, dass wir den Wehrdienst bräuchten, um die Zivildiener nicht zu verlieren –, dafür ein, dass der Verteidigungsetat deutlich erhöht wird und dass aus dem Wehrdienst eine Art Jugendlager mit Entertainment-Charakter wird.

 Wir wissen zwar immer noch nicht, warum wir den Dienst für alle brauchen, aber mehr Spaß soll er machen!”, das ist jetzt die Devise, die alle zur Verzweiflung bringt, die noch nicht aufgegeben haben, Vernunft im öffentlichen Diskurs zu suchen.

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Eurozone: Bodenbildung?







Die Brüsseler Bonzen erklären die Eurokrise für beendet. Es seien nur noch ein paar marginale Probleme zu überwinden. Das waren die Worte von EU-Kommissionspräsident Barroso am Drei-Königs-Tag.

Zu diesen Marginalien zählt wohl auch die Arbeitslosigkeit in der Eurozone. Sie ist im November auf 11,8% gestiegen nach 11,7% im Oktober und 10,6% im November 2011. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt von 24,2% im Oktober auf 24,4% im November, das ist der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichungen im Jahre 1995. Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien liegt aktuell bei 57,6%, ähnlich auch in Griechenland. In Italien kommt sie im November auf 37,1%, das ist der schlechteste Monatswert seit Jan 2004 und der schlechteste Quartalswert seit 1992.

Es wird von weiter steigender Arbeitslosigkeit ausgegangen. So rechnet Ernst & Young mit einer Rate von 12,5% im Frühjahr 2014. Haushalte und Unternehmen würden sich mit Ausgaben weiter zurückhalten, Regierungen würden weiter sparen. Die schleppende Nachfrage insbesondere bei großen Anschaffungen lasse die Unternehmen mit Neueinstellungen zurückhaltend bleiben, hinzu kämen die Unsicherheiten hinsichtlich der Eurokrise mit ihren beiden Facetten Banken und Staaten.

Der “Employment and Social Developments report” der Europäischen Kommission sieht wachsende Divergenzen zwischen den EU-Mitgliedsstaaten. So liegt die Arbeitslosenquote in Österreich im November bei 4,5%, in Spanien hingegen bei 26,5%.

Aber auch im internationalen Vergleich zeigen sich große Divergenzen (Chart-Quelle). Zum Vergleich: Die Quote für die USA kommt aktuell auf 7,8%, die für Japan auf 4,1%. Die Eurozone sieht im internationalen Vergleich der Arbeitsmärkte mit 11,7% besonders schlecht aus.

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Es ist Zeit zum Aufhören uns über Stress zu stressen!

Wie immer vor Weihnachten fühle ich mich überfordert und gestresst von allen „Weihnachtserledigungen“. Da sind die Geschenke zum Kaufen und Einpacken, Grußkarten zum Schreiben und Versenden und so vieles mehr. Das bringt mich immer auf die Palme und ich werde gezwungen mich zu besinnen und zu fragen, was das alles bringen sollte? Unweigerlich komme ich auf den Gedanken, dass es alles für den Kuckuck ist. Es hätte ja auch viel schlimmer sein können.

Arianna Huffington, von Huffington Post, schrieb neulich in ihrer LinkedIn Timeline über ihre „Große Idee“ für 2013: „Weniger Stress, mehr Leben“.  Sie beschreibt ihren Ansatz so; Schritt 1) Über Stress reflektieren und ihn erkennen; Schritt 2) Kurs-Korrekturen setzen. Nur so meint sie, können wir „unser Zentrum finden und in Balance bringen und unsere Kreativität, Weisheit und Fröhlichkeit wieder zum Vorschein bringen“.  Ihre Mitarbeiter werden sich mit Yoga und Massagen nächstes Jahr vermehrt beschäftigen, um das herbeizuführen.

Vielleicht hilft es Ihnen aber ich kann mir das nicht vorstellen. Um eine Kurs-Korrektur herbeizuführen, kann ich mir einige Sachen vorstellen, aber Yoga ist nicht dabei. Folgendes würde mir eher helfen: a) 10 Jahre ältere Kinder, b) 10 Jahre jüngere Mutter,  c) schnelleres Gehirn, und d) Intersport sollte seine Snowboards wieder lagernd halten, damit ich ein Weihnachtsgeschenk für meine Kinder kaufen kann.

Das Beste an Frau Huffingtons Posting ist, dass sie es schafft, sowohl in Plattitüden zu sprechen und gleichzeitig falsch zu liegen. Überhaupt die Idee von „Weniger Stress, mehr Leben, führt zu Flight or Fight Reaktionen bei mir, mit ansteigendem Adrenalinpegel.  Erstens steht Stress und Leben überhaupt nicht in Konflikt. Würden wir kein Stress spüren, würden wir erst recht nicht rechtzeitig aufstehen um es in der Arbeit zu schaffen. Weiters ist es meiner Meinung nach falsch an Stress überhaupt zu denken. Wenn ich mich gestresst fühle,  ist darüber Nachzudenken genau das Falsche. Sogar das Wort an sich ist schlimm. Stress ist viel zu schwammig; was wir meinen ist ja eigentlich eines von drei Dingen: a) ich bin zu Beschäftigt – wofür die richtige Respons wäre weniger zu tun, b) ich bin zu müde – geh ins Bett, oder c) ich bin besorgt über irgendetwas – wofür die richtige Respons wäre, es direkt aufzugreifen und sich für Handlungsschritte zu entscheiden, um die Sache Schritt für Schritt zum Abschluss zu bringen.

Yoga ist definitiv nicht der richtige Weg um Stress zu lösen. Es ist gut um steife Muskeln zu lösen, aber nur wenn man viel Gerede über Chakras toleriert (was wieder Stress bei mir hervorbringt). Stress an sich kann nicht erschlagen werden; das zu versuchen führt unweigerlich zu mehr Stress!

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Zwischen Wachstumsflaute, Liquiditätsflut und Politik





Das Jahr 2012 neigt sich dem Ende zu und was liegt näher, als sich mit dem zu beschäftigen, was kommt. Zunächst einmal scheint die „fiscal cliff“ in den USA die Akteure zu beherrschen. Seit Wochen wird das Thema in den Medien herauf- und herunterbehandelt. So wie es heute üblich ist – mit viel Getöse und Hysterie.

Langfristig bedeutsam ist es aber nicht – wenn sich die Parteien nicht noch einigen, treten mit dem Jahresbeginn staatliche Ausgabenkürzungen in Höhe von 600 Mrd. Dollar in Kraft – Geld, was der amerikanische Staat sowieso nicht hat und sich erst leihen muss. Hinzu kommen längst fällige Steuererhöhungen. Beides zusammen kostet Wachstum, ob daraus alleine aber eine Rezession wird, ist nicht ausgemacht. Möglicherweise ist die „fiscal cliff“ nur ein weiterer Baustein in der Überzeugung vieler Wirtschaftssubjekte, dass eine Rezession sowieso unausweichlich ist. Nach drei Jahren schuldenfinanzierten Crack-up-Booms besitzt dieses Szenario schon aus zyklischen Aspekten eine hohe Wahrscheinlichkeit.

 

In Erwartung von Steuererhöhungen, die wohl mit oder ohne „Cliff“ greifen, schütten US-Unternehmen in diesem Jahr Sonderdividenden aus oder ziehen die Auszahlung von Dividenden vor. Das rechnet sich für diejenigen, die in den Genuss solcher Zahlungen kommen. Seit 2003 werden Dividenden fest mit 15% besteuert. Im nächsten Jahr werden sie wie normales Einkommen behandelt, dann steigt der Steuersatz auf bis zu 43,4%. Die Mittel für Sonderdividenden, die zahlreiche Unternehmen auszahlen, steht diesen für ihr normales Geschäft nicht mehr zur Verfügung. Es fehlt für Expansion, es fehlt für die Schaffung von Arbeitsplätzen – kurz gesagt, es fehlt für wirtschaftliches Wachstum.

 

Schwache Wachstumsaussichten

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Nach der Krise ist vor der Krise

Die mediale Dramatisierung war perfekt. In den Morgenstunden des 1. Jänner 2013 beschloss der US-Senat einen Kompromissvorschlag und die Presse tat so, als handelte es sich um einen Meilenstein – dabei war es bestenfalls eine kleine Zwischenepisode auf dem Weg zum nächsten Showdown.

Bilanztechnische Tricks: Denn Finanzminister Timothy Geithner eröffnete das neue Jahr mit der Ansage, dass die vor 500 Tagen erhöhte Schuldendecke nun wieder erreicht sei. Mit bilanztechnischen Tricks könne er die Zahlungsunfähigkeit noch um zwei Monate hinausschieben, aber dann sei man endgültig am Plafond angekommen und der Kongress müsse erneut eine Erhöhung der Schuldenobergrenze beschließen. Dann geht dieses Theater wieder von vorne los. Präsident Obama wird wie immer bis zum letzten Augenblichk warten, zuvor wird von einen Grossen Wurf gefaselt werden und letztlich landet man wieder bei endlosen Sitzungen und schrägen Kompromissen in letzter Sekunde.

Zur Erinnerung: Als vor 500 Tage das letzte Mal die Schuldenobergrenze erhöht wurde, gelang dies nur, weil ein Automatismus beschlossen wurde. Wenn bis Ende 2012 nicht eine Lösung gefunden sei, so sollten automatisch drastische Maßnahmen einsetzen, die gleichermaßen Steuern erhöhen und Ausgaben senken. Die 500 Tage sind verstrichen, kein Komitee, keine Expertengruppe, keine Verhandlungsrunde brachte irgendein Ergebnis.

Jetzt inszenierte man dieses ganze Verhandlungstheater, um die Folgen der eigenen Untätigkeit abzumildern. Es gibt Steuererhöhungen, aber nur für wenige Reiche, gleichzeitig werden Ausgabensenkungen ausgesetzt und neue Förderprogramme beschlossen.

Am fundamentalen Problem ändert sich nichts: Die USA sind mit 100%des BIP verschuldet und von jedem Dollar, den sie ausgeben, borgen sie 40 Cent aus.

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