Zwischenrufe aus Übersee

Wie ein Europäer den Alltag an der US-amerikanischen Ostküste erlebt.

Acht von Zehn

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Acht der zehn besten Universitäten der Welt sind in den USA. Jetzt bauen die Amerikaner ihren Vorsprung weiter aus. Ein Grund dafür: Die US-Elite-Unis sind finanzielle Powerhäuser, mit einer aggressiven Strategie der Geldvermehrung.

Das Shanghai Ranking ist so etwas wie die Pisa-Studie auf Ebene der Universitäten. Es gilt als die seriöseste Bewertung der Leistungsfähigkeit der globalen Wissensinstitute. 2018 führte Harvard die Liste vor Stanford an. An dritter Stelle liegt die britische University of Cambridge, dann das MIT, die University of California, Berkeley, Princeton, Oxford, Columbia, das California Institute of Technology und schließlich an zehnter Stelle die University of Chicago.

Die ETH Zürich liegt auf Platz 19, als beste Uni des europäischen Kontinents.

Die Rangordnung ist seit einem Jahrzehnt stabil, selbst die Wirtschaftskrise änderte daran nichts, im Gegenteil. Die Top-Unis bauen ihren Vorsprung weiter aus. Einer der Gründe dafür: Sie sitzen auf einem enormen Stiftungsvermögen, das sie mit aggressiven Strategien vermehren. Sie sind extrem erfolgreiche Geldhäuser mit angeschlossenem Uni-Betrieb.

Harvard etwa besitzt 39,2 Milliarden US-Dollar und erwirtschaftete 2018 einen Ertrag aus Aktien, Hedgefonds und Immobilienbesitz von 10 % – und war unzufrieden damit, weil andere deutlich besser investierten.

Stanford schlug den unmittelbaren Konkurrenten und lukrierte drei Milliarden aus Finanzgeschäften, eine Rendite von 11,3 %. Das kalifornische Spitzeninstitut verzeichnet ein Vermögen von 26,5 Milliarden US-Dollar in seinen Büchern.»Die Stanford Stiftung hat als Ziel, dauerhaft die Universität finanziell zu stützen«, erklärt der Schatzmeister – und findet sich damit im Einklang mit seinen US-Kollegen, die im Mittel 5,5 % annualisierte Erträge in den vergangenen zehn Jahren erzielten.

Die erfolgreichsten Geldvermehrer sitzen allerdings in Princeton. 14,2 % Rendite schaffte die dortige Uni 2018 und auch die Bilanz seit 2008 kann sich sehen lassen.

In den vergangenen zehn Jahren hat Princeton eine beeindruckende Aufholjagd hingelegt. 2009 lag das Stifungsvermögen noch bei 12,6 Milliarden US-Dollar. 2018 waren es 25,9 Milliarden, ein Zuwachs von 120 %.  Verantwortlich dafür ist PRINCO, die uni-eigene Investmentfirma, die das Ziel ausgibt: mehr als 10 % Rendite pro Jahr!

»Die Finanztheorie und die Erfahrung zeigen, das geht nur mit einer aggressiven, auf Aktien basierenden Strategie«, heißt es im Strategiepapier, das einer einfachen Logik folgt: Je besser investiert wird, umso mehr steht für den Lehr- und Wissenschaftsbetrieb zu Verfügung. Princeton verwendet nämlich zwischen 4 und 6 % des Vermögens, um den laufenden Betrieb zu stützen. Wächst das Vermögen, wird auch der ohnehin schon üppige Spielraum größer.

1,3 Milliarden des 2-Milliarden-Dollar-Budgets der Universität kommen aus den Finanzinvestments. Die Studiengebühren dagegen spielen eine untergeordnete Rolle. Sie tragen nur rund fünf Prozent – 108 Millionen USD – zum Budget bei.

Rund zwei Drittel der 8.273 Studenten zahlen überhaupt nichts für die Ausbildung, ein Drittel zahlt die vollen Gebühren. Nicht weil die Universität auf das Geld angewiesen wäre, aber: Die Eltern können es sich leisten, sie sind wohlhabend, deshalb zahlen sie, auch wenn es im Budget eigentlich keine Rolle spielt.

Weiterhin Auswirkungen oder doch endlich Ursachen ...
Nicht alles kam, um zu bleiben …