Zwischenrufe aus Übersee

Wie ein Europäer den Alltag an der US-amerikanischen Ostküste erlebt.

Die Russenfresser

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Wie es sein kann, dass die USA jemanden wie Donald Trump zum Präsidenten machten, ist ein Rätsel, das nun in Helsinki einer Lösung näher gebracht wurde.

John Brennan, der CIA-Chef unter Barack Obama, nennt ihn Landesverräter. James Clapper, der Ex-National-Intelligence-Boss, findet, Vladimir Putin habe Donald Trump behandelt wie ein Agent seinen Informanten, und Senator John McCain, ehemaliger Präsidentschaftskandidat von 2008, kritisiert vom Sterbebett aus, der amerikanische Präsident habe einen Tyrannen verteidigt. Steve Cohen, Mitglied des Repräsentantenhauses aus Tennessee, fordert in einem Tweet sogar einen Staatsstreich: »Wo ist unser Militär? Der Präsident ist in der Hand unserer Feinde.«

Selbst Fox News, sonst fest im Lager Trumps, lässt kein gutes Haar an Donald Trump, der dem Erzfeind gegenüber Schwäche gezeigt habe.

Die Washingtoner Eliten – beider Parteien und aller Medien – sind in ihrer Kritik gnadenlos, weil der unberechenbare Präsident nicht das Muster übernimmt, das ewig nach einem Feind verlangt, um mit simplen Schwarzweißmustern die Nation im Kampf gegen wechselnde Imperien des Bösen zu einen. Zu sagen, Russland sei nicht die Macht der Finsternis, ist in Washington ein Tabubruch. Genau den hat Trump jetzt beim Gipfel begangen. Aber vieles legt nahe, dass die Amerikaner, außerhalb der Machteliten in Washington, das Ende der Eiszeit mit Russland wollen. In einer Reuters-Ipsos-Umfrage, die nach dem Gipfeltreffen durchgeführt wurde, unterstützen 71 Prozent registrierter Republikaner die Vorgangsweise Trumps. 45 Prozent der Wähler glauben, dass die Sanktionen gegen Russland überhaupt nichts gebracht haben. In einer Gallup-Studie bezeichnen 40 Prozent der Republikaner Russland mehr als Verbündeten denn als Feind. Immerhin jeder vierte Anhänger der Demokraten, die sich zur Partei der Kriegshetzer entwickelt hat, konnte dieser Aussage zustimmen.

Die hyperventilierenden Machteliten, die sich nichts sehnlicher wünschen als die Rückkehr des Kalten Krieges, sehen in einem unberechenbaren Präsidenten eine Gefahr, während die Zahl derer wächst, die all die Ressourcen, die in Kriege und militärische Präsenz in aller Welt gesteckt werden, besser daheim investiert sehen. Die Verkehrsinfrastruktur – vor allem im Nordosten des Landes – ist desolat. Das Bahnnetz ist nicht einmal im 20 Jahrhundert angekommen, geschweige denn im 21. Die Stromleitungsnetze sind in weiten Teilen des Landes immer noch über Land geführt. Tagelange Stromausfälle nach heftigen Gewittern sind keine Seltenheit. Wissenschafter der Harvard Universität haben errechnet, dass die USA im Irakkrieg mehr als fünf Billionen Dollar ausgegeben haben. Erreicht wurde damit nichts. Und die Glaubwürdigkeit derer, die damals Massenvernichtungswaffen im Irak gesehen haben – Brennan, Clapper, McCain (um nur ein paar zu nennen) – und die heute erneut Russland als Reich des Bösen malen wollen, sinkt dramatisch.

Nur die alten Medien, CNN & Co, stehen noch fest in Reihen der Kriegstreiber. Aber ihr Einfluss sinkt, dank Twitter, Facebook und Co. Und das ist gut so.

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