Zwischenrufe aus Übersee

Wie ein Europäer den Alltag an der US-amerikanischen Ostküste erlebt.

Der Lügenbaron als Kandidat

Die USA erleben einen historischen Wahlkampf, in dem ein notorischer Lügner die Wahrheitsliebenden für sich gewinnt.

Donald Trump ist eine Witzfigur. Er hat den Wortschatz eines 10-jährigen, die Manieren eines Häfenbruders und das Gedächtnis eines Dementen.

Trotzdem scheint er der unausweichliche Kandidat der Republikanischen Partei zu sein. Er gewinnt quer durch alle Bevölkerungsschichten, spricht auch die weiße Arbeiterschaft an, die bisher fest im demokratischen Lager war. “Er spricht die Wahrheit”, sagen seine Wähler und lassen sich nicht irritieren, wenn er auf frischer Tat beim Lügen ertappt wird. In der von Fox-News ausgerichteten Debatte am 3. März etwa wurde Trump von der Star-Reporterin Magyn Kelly mit der unrühmlichen Geschichte der mittlerweile in der Versenkung verschwundenen Trump University konfrontiert. 5000 ehemalige Studenten klagten den Präsidetnschaftskandidaten, weil sie sich betrogen fühlen. Die Ausbildung habe zwar 35.000 Dollar gekostet, aber keinerlei Wert gehabt, sagen die Hinters-Licht Geführten. Trump erwidert, dass seine Universität, die im übrigen nie akkreditiert war, vom Better Business Bureau (BBB) das allerbeste Rating gehabt habe. Kelly, die professionell vorbereitete Reporterin, entgegnete, dass das letzte veröffentlichte Rating von BBB ein D minus gewesen sei. (Das entspricht dem amerikanischen Schulnotensystem. Ein “F” ist ein Fünfer, ein “D-minus” gerade noch ein Genügend.)

Kelly hatte Trump also der glatten Lüge überführt und das wollte der Immobilien-Tycoon nicht auf sich sitzen lassen. In einer Werbeunterbrechung legte er Kelly ein Fax von BBB mit den Worten vor: “Das ist gerade von BBB hereingekommen.” Das Schreiben bestätigte Trumps Aussage, aber Kelly war vorsichtig genug es während der Sendung nicht vorzulesen. Tatsächlich dementierte BBB. Sie haben nie ein Fax geschickt, sie könnten kein Rating bestätigen, weil es das Unternehmen gar nicht mehr gebe und das letzte veröffentlichte Rating war ein D minus. Die Trump-Kampagne hat ein gefälschtes Schreiben fabriziert und von der Washington Post bis zur New York Times haben alle über den Taschenspielertrick des Blenders berichtet.

Die Wähler interessierte das nicht und auch sein nächster Stunt hatte keinerlei Auswirkungen. Am Abend seines nächsten Wahlsieges ließ er auf der Bühne eine Reihe seiner Produkte aufbauen, um der Kritik zu begegnen, dass viele seiner Geschäfte veritable Flops waren. Wie in einer Homeshopping-Sendung präsentierte er Trump-Mineralwasser, Trump-Wein, Trump-Steaks und das Trump-Magazin . Wer ein Trump-Steak wolle, könne es um 50 Dollar erwerben, sagte er. Bald kam heraus: ein Hütchenspielertrick. Trump-Steaks gibts nicht mehr – er hat sich Steaks von irgendeinem Fleischer besorgt und so getan als ob, Trump-Magazin wurde vor Jahren eingestellt, Trump-Wein gehört einem seiner Söhne und verweist auf der eigenen Homepage darauf, dass die Firma nichts mit “The Donald” zu tun hat.

Am Vorabend der Wahlen in Ohio twitterte Trump ein Foto eines Geschenks, das er von der Sportlegende Pete Rose bekommen habe: Ein signierter Baseball auf dem zu lesen war: “ Mr Trump, make America great again”.

Artig bedankte sich Trump für die Unterstützung, von der sich aber bald herausstellt, dass sie keine war. Pete Rose ließ über seinen Anwalt mitteilen, er habe Trump kein Geschenk gemacht und er bleibe politisch grundsätzlich neutral, auch Demokraten seien Baseball-Fans.

Von Pete Rose signierte Basebälle kann man bei WalMart um etwas mehr als 100 Dollar kaufen und in Anbetracht der Vorgeschichte ist nicht auszuschließen, Trump hat sich die Unterstützungserklärung selbst gefälscht.

Die Wahrheitsliebenden fallen auf einen billigen Hütchenspieler herein. Wut macht blind!

Herr Doktor, bitte zu Patient Europa – dringend!
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