Zwischenrufe aus Übersee

Wie ein Europäer den Alltag an der US-amerikanischen Ostküste erlebt.

Die Lichter und das Mehr

Sie sind zurück, die opulenten Weihnachtsdekorationen, Ein sicheres Zeichen dafür, dass die wirtschaftlich schwierigen Zeiten vorbei sind.

Das Haus am Red Maple Drive 68 ist heller beleuchtet als so manche amerikanische Kleinstadt. Drei monströse Bären, vier überdimensionale Schneemänner, ein Charly Brown, ein Elefant, drei Hasen nur aus Lichterketten und dazwischen einige Christbäume mit stilisierten Geschenkpaketen davor.  Man fragt sich, was die Botschaft der Lichtorgel sein soll und wie die Verbindung der Figuren zueinander und zu dem bevorstehenden Fest tatsächlich ist. Gut, alle haben irgendwann einmal  bei Disney eine Rolle gespielt, nicht im selben Film, aber das scheint dem Dekorateur völlig unwichtig zu sein.

Einem nüchternen Europäer, der an die  Krippe im Stall, Josef und Maria, die Schafe, den Esel und die Heiligen Drei Könige gewöhnt ist, fehlt das Gen der Unmäßigkeit. Hier wird das Beschauliche durch das grell Orgiastische ersetzt. Nicht nur am Maple Drive. Überall in den Vorstädten der USA ein Lichtermeer, grell, bunt, übermäßig – wie zu den besten Zeiten von Clark Griswold präsentieren sich die Häuser und Gärten. 

Die eigentliche Botschaft hat nichts mit dem christlichen Fest zu tun, sondern nur mit der eigenen Befindlichkeit.  Sie sagt deutlich: Uns geht’s wieder besser! Die Lichter sind wieder voll aufgedreht! Es ist Vorweihnachtszeit im Jahr eins nach Ende der Wirtschaftskrise. Der Schock ist endgültig verdaut, die Normalität wieder eingekehrt. In den vergangenen Jahren hat Zurückhaltung regiert, weniger Rentiere, weniger Sterne, weniger Weihnachtsmänner. Es war alles gedämpft. 2015 aber bringt die Opulenz zurück, es wird wieder geklotzt und nicht gekleckert.

Geschätzte sieben Milliarden werden heuer in den USA  ausgegeben, um Weihnachten im grellen Licht erscheinen zu lassen. Das Straßenbild verrät es und auch die aktuellen Statistiken bestätigen den Aufschwung. Das Gallup-Institut rechnet vor, die US-Bürger sind wieder in allerbester Kauflaune: Heuer will man rund 830 Dollar für Geschenke ausgeben. 2014 waren es nur 720 Dollar und am Höhepunkt der Krise im Jahr 2008 gar nur 616.
Im Vergleich dazu: Marketagent.com hat erhoben, dass Österreicher heuer 349 Euro (entspricht ca. 380 US-Dollar) für Geschenke ausgeben wollen. Das sind um 42 Euro mehr als vor einem Jahr, aber im Vergleich zu den USA bescheiden.

Hier wird wieder spendiert wie vor der großen Rezession, die Ausgaben erreichen  das Niveau des Jahres 2006,  sind aber noch nicht ganz auf dem Allzeithoch von 2007 (866 Dollar). Es fehlt nicht viel und irgendwie hat man das Gefühl, hier setzt man an zu einem neuen Höhenflug – und 2016 wird ein richtig gutes Jahr.

Die Saat geht auf
Der Dominoeffekt