Axel Dick & Qualität

Projektleiter, Autor diverser Studien, Fachartikel und Kommentare
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Ressourcen dieses Jahres bereits verbraucht

Wir kommen nun alle aus dem Urlaub zurück. Zwei oder drei Wochen haben wir Abstand vom Alltag gewonnen, den Kopf wieder freibekommen und Kraft getankt. Nun können wir wieder durchstarten. Und mitten in die letzten Urlaubstage oder die ersten Arbeitstage platzt die Meldung vom Welterschöpfungstag.

Seit dem 23.8.2012 verbrauchen wir bereits mehr Ressourcen in diesem Jahr, als die Erde in einem ganzen Jahr wieder erneuern kann. Die Erneuerungskraft der Erde wird überstrapaziert, die Biokapazität ist am Limit – heuer noch um ein paar Wochen früher als letztes Jahr. Die Gesamtleistung der Natur der Mutter Erde wurde damit heuer in weniger als neun Monaten aufgebraucht. Der ökologische Fußabdruck der Menschheit übersteigt damit die Biokapazität der Erde. Steht die Erde vor einem Burn out? (Link zu "Earth Ecological Debt Day)

Die aktuellen Symptome des Fiebers sind neue Hitzerekorde, auch in Österreich, massive Waldbrände in Kroatien, Montenegro, Kosovo, Portugal und Spanien sowie in Russland. Selbst Hurrican Isaac stiehlt dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten die Show. Ist das die moderne Interpretation von „vom Winde verweht“? In Anbetracht der Finanz- und Schuldenkrise liegt die Aufmerksamkeit der politischen und medialen Diskussion ganz wo anders. Aber selbst dieser Hotspot hat zentral mit der Frage der Nachhaltigkeit zu tun, wenn es darum geht, den zukünftigen Generationen nicht ihre Chancen der Selbstgestaltung zu nehmen.

Erinnern wir uns: der Umwelt- und Nachhaltigkeitsgipfel in Rio 1992 war 1992 die Initialzündung für Umweltmanagementsysteme wie EMAS, ISO 14001 oder für Produkt-Systemzertifizierungen für nachhaltige Holzprodukte entlang der Wertschöpfungskette wie FSC CoC und PEFC CoC. EMAS war Anfang/Mitte der 90er Jahre der Treiber für die ISO 14001, FSC CoC wurde zum Treiber für PEFC CoC.

Weltweit sind heute über 251.000 ISO 14001-Zertifikate ausgestellt worden, in Österreich sind es über ca. 1.200. Während die ISO 14001 weiter wächst, stagniert EMAS in Österreich. In puncto Nachhaltigkeitsberichterstattung (validierte Berichte auf Basis GRI Global Reporting Initiative) hat Österreich gegenüber anderen Ländern in Westeuropa Nachholbedarf. Neue Normen sind entstanden wie die ISO Guideline ISO 26000 für Corporate Social Responsibilty (CSR) oder die entsprechende österreichische ON-Regel 192500. Vor dem Hintergrund der olympischen Spiele in London wurde die Norm ISO 20121:2012 „Nachhaltige Veranstaltungsmanagementsysteme - Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung“ veröffentlicht. Die neue Energiemanagementnorm ISO 50001 mit dem Ziel der Steigerung der Energieeffizienz erfreut sich wachsender Nachfrage. Die Quality Austria hat heuer bereits 21 Unternehmen nach ISO 50001 zertifiziert.

Die Normungsgremien suchen Antworten auf die Herausforderungen. Diese Normen können als international anerkannte und methodische Werkzeugkoffer gesehen werden, Fragen der Qualität, der Nachhaltigkeit, der Material- und Energieeffizienz, der sozialen Verantwortung gezielt, systematisch und umfassend anzugehen und in einen kontinuierlichen Plan-Do-Check-Act-Zyklus im Sinne einer stetigen Verbesserung der Leistung zu überführen. Diese Normen machen Leistungen bewertbar, weil sie auch messbar werden. Vor diesem Hintergrund ist der laufende Revisionsprozess zur stärkeren Harmonisierung der Normen wie ISO 9001, ISO 14001 und weiterer sehr interessant, weil dadurch die weitere Integration unterschiedlicher Anforderungen auch erleichtert werden soll.

Der Nutzen für die Organisationen ist ein vielfacher. Die strategische Weiterentwicklung der Organisation wird gezielt und systematisch unterstützt. Die Prozesse werden entsprechend den Anforderungen der Interessenspartner ausgerichtet. IdR geht damit auch eine Bewusstseinsbildung und Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter einher, die Motivation steigt und diese Bewusstseinsbildung hat wiederum Auswirkungen bzw. Multiplikatoreffekte im privaten Umfeld. Mitarbeiter bringen sich stärker ein und entwickeln Ideen, was man verbessern könnte. Ressourcen werden effizienter gemanagt, Kosten oft eingespart. Rechtssicherheit und Imagewerte nehmen zu.

Interne und externe Audits geben hier zusätzliche Inputs. Das Zertifikat würdigt die erbrachte Leistung und unterstreicht die Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig ist das Zertifikat aber auch ein Versprechen, weiter an sich zu arbeiten, die Qualität der Produkte, der Prozesse, der Umweltleistung, etc. zu verbessern. Es lohnt sich allemal, für die eigene Organisation, für die Gesellschaft. Weniger Stress für die Erde bedeutet letztlich auch weniger Stress für uns selbst.

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