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Berufung versus Beruf

Über die die Rolle des Politikers/der Politikerin

Bei Betrachtung der einzelnen Persönlichkeiten und der Rolle, die sie wahrnehmen fällt auf, dass es zu einem klaren Missverhältnis zwischen der eigenen und der fremden Betrachtung gekommen ist. Dafür gibt es natürlich viele Gründe, aber einer ist sehr wesentlich. In der Selbstbetrachtung hat sich die Rolle in Richtung eines Berufes hin entwickelt und von der ureigentlichen Betrachtung her, der Berufung zu dieser Tätigkeit weit entfernt. PoltikerIn ist nun mal kein Beruf, den man im klassischen Sinn erlernen kann. Es gibt auch keinen Befähigungsnachweis in Form eines Zeugnisses. Der Erfolgsbeweis liegt im Wahlergebnis und dieses ist von Stimmungen, Betrachtungen sprich von der Emotion des Wahlvolkes abhängig. Die aufgezeigte Entwicklung ist klar an der Tatsache auch erkennbar, dass Politikerinnen und Politiker in allen Ebenen sich großteils heute aus den Parteikadern heraus entwickeln. Daher hat sich die Berufung noch stärker zu einem Beruf hin entwickelt. Der Blick über den Tellerrand hinaus ist dadurch verloren gegangen, weil man sich fast ausschließlich an den eigenen Kadern, sprich FunktionärInnen orientiert.

In Österreich sind besonders die staatstragenden Parteien von dieser Entwicklung betroffen und eröffnen enorme Chancen für Opportunisten oder Populistische Strömungen. Letztere erzeugen beim Volk Betroffenheit und vermitteln den Eindruck sich der Probleme anzunehmen. Diese Entwicklung macht natürlich das Regieren schwer, weil es zu einer Verhinderung von Entscheidungen führt. Man will ja keinen Fehler machen und verweilt daher in dem Status Quo um die eigene Position abzusichern. Man hat ja eigentlich keinen Beruf erlernt oder seit Jahren nicht ausgeübt und hat daher keine Alternativen auf dem Arbeitsmarkt. Der Teufelskreis schließt sich natürlich, weil das Interesse an politischer Arbeit und Engagement abnimmt und die notwendige Auffrischung von Außen nicht vorhanden ist.

Eine kurzfristige Lösung ist nicht möglich, aber eine stärkere Orientierung am Wahlvolk kann den Parteien nicht schaden. Diese darf aber nicht nur am persönlichen Kontakt in Wahlkampfzeiten stattfinden sondern ist harte kontinuierliche Arbeit. Setzt auch voraus, dass man alle zur Verfügung stehende Mittel dafür einsetzt. Auf den persönlichen Kontakt darf aber nicht vergessen werden. Präsenz zeigen, sich inhaltlich mit den Menschen auseinandersetzen, Kritik entgegenzunehmen sind Möglichkeiten die eigene Position zu verbessern. Klassische Ideologien des 19. Und 20. Jahrhunderts sind heute mit anderen Mitteln den Menschen nahezubringen. Ihre Aktualität ist nach wie vor vorhanden. Das Führen eines „Klassenkampfes“ ist in unserer heutigen Welt eines sozialen Europas nur ein Minderheitenprogramm. Es gibt nicht viele Menschen, die von sich behaupten, dass es ihnen schlecht geht oder sie zu einer niedrigen Klasse gehören. Diese Offenlegung ist gesellschaftlich nicht opportun. Wer will schon als Versager dastehen.

Also Politikerinnen und Politiker sind gefordert ein wenig wieder in der Aufgabe eine Berufung und nicht nur den Beruf zu sehen. Die Aufgabe sich für die Allgemeinheit einzusetzen erfordert eben ein wenig mehr, als das Erfüllen von Kennzahlen wie Wahlergebnisse.

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