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Der Luxus des Nichtwählens

Unzufriedenheit mit den Politikern, keine klaren Aussagen der Politik, 'ich kann ohnedies nichts machen', oder das Diktat der Parteien - so oder ähnlich wird immer wieder argumentiert, warum man nicht zur Wahlurne geht. Das eine oder andere Argument kann durchaus zu Recht kommen, vor allem dann wenn sich die Menschen mit der Thematik auseinandersetzen. Diese Gruppe ist aber in der Minderheit der Nichtwähler. Wenn man die Zahlen aus Deutschland heranzieht, so ist der Anteil der Wählenden mit 62 % erschreckend niedrig. Österreich wird hier sicher nicht anders sein. Es werden alle möglichen Gründe vorgegaukelt, warum dies so ist.

Meine Erfahrung zeigt, dass dies sehr wesentlich mit dem allgemeinen Wohlstand unserer Gesellschaft zu tun hat. Und ich rede hier nicht vom materiellen Zustand, sondern vom geistigen Wohle unserer Gesellschaft. Wir brauchen uns ja selbst nicht mehr anstrengen, um etwas zu erreichen. Das Bestreben der Elterngeneration, dass es den Kindern besser geht, hat eine Gedankenwelt bei den jungen Menschen geschaffen, dass sie sich um Grundrechte, welche nicht selbstverständlich sind, eigentlich nur dann kümmert, wenn es sie als Person unmittelbar betrifft. Vor allem dann wenn es um die Show, die Unterhaltung geht. Hier setzten natürlich populistische Gruppierungen an. Es ist dann nicht verwunderlich, wenn es wie zuletzt in Tschechien zu offenen rechtsradikalen Aktivitäten kommt, oder wie in Österreich man sehr subtil mit Botschaften umgeht, welche eindeutig auch in eine ähnliche Richtung zeigen.

Es liegt nun an einer verantwortungsvollen Politik sich mit diesem Thema auseinander zu setzten. Dies ist in einer Zeit der Technologie orientierten Kommunikationswelt nicht einfach. Wie schafft es eine verantwortungsbewusste Politik sich diesem Tempo anzupassen? Wir verlangen von der Politik Entscheidungen in Sekundenschnelle, ohne nachzudenken, dass dies weder möglich noch sinnvoll ist. Tatsache ist, dass bei Situationen wie Energiewende, Eurokrise – welche nicht eine Krise der Währung an sich ist – das Sprichwort „Speed kills“ mehr als angebracht ist. Hier bedarf es einer ordentlichen und offenen Diskussion und diese dauert. Politik geht eben nicht so schnell wie an der Börse, wo in Millisekunden Milliarden an Euros oder Dollars spekulativ gehandelt werden. Politik ist kein Spiel, Politik ist Verantwortung übernehmen und diese auch tragen. Politik ist aber auch gefordert, Perspektiven und Ideen aufzuzeigen, welche den Menschen eine erstrebenswerte Zukunft eröffnen.

Dies alles geht aber nur, wenn wir rechtzeitig in der Jugend beginnen diese komplexen Abläufe den heranwachsenden Generation auch erklären und Verständnis dafür wecken. Nachrichten über soziale Netzwerke zu versenden ist einfach zu wenig. Hier wird eine falsche Erwartungshaltung geweckt, welche fern realer Möglichkeiten ist. Diese Erwartungshaltung führt dann zu Enttäuschung und mangelnder Motivation, sich mit Politik auseinander zu setzten. Die politischen Parteien müssen endlich lernen, dass sie Dienstleistungsorganisationen sind. Leistungen müssen erklärt und damit verkauft werden. Dasselbe gilt natürlich auch für die Mandatare. Das macht es aber auch notwendig mehr auf die Persönlichkeit zu achten. Nur wer aktiv ist und auch den Wählerinnen und Wählern glaubwürdig Ideen vermittelt, wird erfolgreich sein und damit das schlechte Image der Politik wieder abschwächen. Dies gelingt aber auch nur, wenn sich jede einzelne Bürgerin, jeder einzelne Bürger auch aktiv an den Wahlen beteiligt. Ungültige Stimmen sind zur Not aussagekräftiger als Nichtwählen. Letzteres kann auch als Zufriedenheit mit der Situation interpretiert werden.

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