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Hoch lebe die Toleranz

Die überinformierte Zeit in der wir leben bringt eines immer wieder zu Tage. Ja möglichst wenig Regeln befolgen nur an uns selbst denken und die Gemeinschaft nur dann in den Vordergrund stellen, wenn es uns persönlich nutz oder nicht schadet. Diese Gesinnung nützt vor allem populistischen Strömungen, welche durch volksverdummende Massenmedien unterstützt werden. Der Tendenz in der Kommunikation alles bildhaft darzustellen und Inhalte auf Schlagzeilen zu reduzieren führt letztendlich dazu, dass wir von uns selbst eingeforderte Regeln eben nur dann akzeptieren, wenn es uns unmittelbar betrifft. Ursachen, Wirkung und Folgen werden in einen Topf geschmissen und dann als die große Tatsache dargestellt. Sachlich beurteilte Situationen werden eins zu eins mit Befindlichkeiten, Moral und Emotionen in Einklang gebracht.

Beispiele dafür gibt es genug. Sei es die Hausräumung in Wien, der Bau des Bahntunnels durch den Semmering, oder viele Projekte im Umwelt- oder Energiebereich. In all diesen Fällen werden Argumente, vor allem dagegen, angeführt. Eine sachliche Beurteilung wird dadurch extrem erschwert. Wenn Emotionen geschürt sind, dann ist die Sache gelaufen. Wenn ein gepanzertes Fahrzeug zur Räumung eingesetzt wird, dann sind es die Panzer die eingesetzt werden. Dass der Exekutive ohnedies nur wenige Ressourcen zur Verfügung stehen, um Einsätze unter schwierigen Bedingungen zu bewältigen, wird verschwiegen. Die Auflage des Mediums würde darunter leiden. Es geht dabei auch um den persönlichen Schutz der eingesetzten Sicherheitskräfte.

Wenn Infrastrukturprojekte wie der Semmering Basistunnel nur kurzfristigen Betrachtungen unterzogen werden, dann befinden wir uns in vergangenen Jahrhunderten. Was wurden für Horrorgeschichten erzählt wie die Eisenbahn in den Kinderschuhen steckte? Ja es ist richtig, auf widrige Umstände hinzuweisen aber bitte mit Maß und Ziel. Kritik ist durchaus legitim und angebracht, entscheidend ist aber das Wie. Wohlstand kann blind machen und zu einem hohen Ausmaß an Egozentrik führen. Wir verlieren den Blick für die Ursachen und schaffen in der Folge nicht den Blick über den Tellerrand. Wenn jemand ein Haus widerrechtlich besetzt, dann muss mit den entsprechenden Folgen gerechnet werden. Es geht um den Schutz des Eigentums. Das gewaltsame Verteidigen eines im Unrecht angeeigneten Eigentums kann nicht toleriert werden. Wir haben uns als Menschen entschieden hier Rechtssysteme einzurichten und das Faustrecht abzuschaffen. Eine moralische Bewertung ist verständlich, aber zu diesem Zeitpunkt nicht mehr angebracht.

Ähnlich ist es mit der mehr als lästigen Behinderung von Projekten der Infrastruktur. Wir alle wollen uns bewegen, wir wollen mobil sein. Es ist schön den öffentlichen Verkehr zu fordern, aber gleichzeitig jedem Vorhaben Prügel in den Weg zu werfen ist nicht gerade zielführend. Das Argument den Ausbau der Bahn auf der Nord / Südverbindung über Ungarn zu forcieren zeigt von einer nicht zu verstehenden geistigen Eingeschränktheit. Dies würde letztendlich dazu führen, dass die Südbahn zu einer Lokalbahn mutieren würde und die entlang der Strecke noch vorhandenen Unternehmen als Arbeitgeber verloren gehen. Für den Eigentümer der Bahn, das sind wir alle, nicht unbedeutend ist der damit verbundene Entfall von Einnahmen durch die Benutzung des Schienenweges.

Es wäre angebracht, dass die sich immer wieder in den Vordergrund drängenden Fachleute vernetzt denken würden. Der eingeschränkte Blick in den Analysen kann nur Teil der Gesamtbetrachtung sein und nicht das Allheilmittel. Einfach könnte man den gesunden Menschenverstand wieder einfordern, keine gedanklichen Mauern errichten, sondern einfach den Blick über unsere Grenzen hinweg in die Überlegungen miteinzubeziehen. Moral, Ethik aber auch individuelle Befindlichkeiten sind Teil der Beurteilung am Anfang eines Projektes. Wenn Tatsachen auf dem Tisch liegen ist es zu spät. Dann greifen unsere Regeln, ohne die wir nicht friedlich miteinander leben können.

Fluch und Segen
Wirtschaftpolitik – wohin geht die Reise?