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Es lebe das Mittelmaß

Jetzt haben wir es wieder schwarz auf weiß. Unsere Kinder sind laut PISA Studie gerade wieder im Mittelmaß gelandet, wenn es um Problemlösungen geht. Problemlösungen, dieeinfach zu bewältigen wären. Mit ein wenig gesundem Menschenverstand könnte man an die Sache herangehen. Interessant war die Stellungnahme einer Lehrerin im deutschen Fernsehen, die die Fragestellungen als realitätsfremd bezeichnet hat. Ihr Vorschlag war den Umgang mit Mobiltelefonen als Frage heranzuziehen. Nun kann man diese Stellungnahme eigentlich nur als zynischen Scherz betrachten. Wäre man ernsthaft dem Ansinnen näher gegangen, dann würde das bedeuten, dass zwar der Test besser ausfallen würde aber die Analyse noch schlechter wäre.

Warum haben gerade Länder des Fernen Ostens und auch wie gewohnt Finnland besser abgeschnitten? Eine Ursache könnte darin liegen, dass diese Kulturen einfach grundsätzlich lösungsorientiert ausgerichtet sind und nicht immer nur die Probleme sehen. Gerade in den wirtschaftlich starken Ländern zeigt es sich, dass die Wohlstandsgesellschaft sich in diese Richtung entwickelt. Es kann aber auch mit dem religiösen Hintergrund einer Gesellschaft zu tun haben. Eine Vereinfachung des Problems ist aber nicht möglich, weil es viel zu komplex ist. Aber wesentliche Ansätze in der erwähnten Richtung sind nicht zu leugnen.

Betrachten wir doch unseren Regulierungswahn. Wir versuchen schon von vorne herein Regeln aufzustellen, die alle irgendwie gearteten Hindernisse aus dem Weg räumen sollen. Wir haben ja Gesetze für jede Lebenslage. Kaum haben wir aber diesen Vorgang abgesegnet überlegen wir schon, wie wir die von uns aufgestellten Regeln umgehen können. Dies nicht nur im Großen sondern auch im Kleinen. Denken wir an die Benutzung von Mobiltelefonen im Auto oder auch beim Radfahren. Wir alle wissen, wie gefährlich es ist, aber wir tun es trotzdem, weil uns ja nichts passieren kann. Nun das ausgeprägte Mittelmaß würde aber vorschlagen, das Mobiltelefon überhaupt nicht zu benutzen um jeglichen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Nur das geht halt dann doch nicht.

Wie in Kommentaren seriöser Tageszeitungen zu lesen ist überträgt sich natürlich dieses Mittelmaß auch auf die Verantwortlichen in der Politik. Dies aber unbedarft ob regierend oder laut schreiend in der Opposition. Die eine Seite hat Angst eine liebgewonnen Position aufzugeben, die andere wiederum tut sich halt schwer über den Tellerrand zu schauen oder will einfach im kleingeistigen Leben verweilen. Es ist sicher nicht leicht in einer von Information überbelasteten Zeit zu regieren. Tatsache ist aber auch, dass gerade die Folgen des Nichtagierens ungleich schlimmere Auswirkungen haben als vielleicht eine kurzfristig getroffen Fehlentscheidung. Korrigieren kann man nur dann etwas, wenn man eine Aktivität gesetzt hat. Wenn das nicht der Fall ist, dann bleibt man eben im Mittelmaß und kann zumindest behaupten keinen Fehler gemacht zu haben. Neudeutsch over the long run ist das Nichtagieren die schlechtere Lösung.

Lernen wir doch unseren Kindern wieder mit Alltagsproblemen umzugehen. Einfach nicht jede Schwierigkeit aus dem Weg zu räumen. Nicht alles und jedes zu tolerieren. Es ist im Leben das ausgewogene Verhältnis von Rechten und Pflichten. Das Interesse an Neuem, mit schwierigen Situationen umzugehen was uns als Gesellschaft dorthin gebracht hat wo wir heute stehen. Wenn wir dieses Interesse nicht stärker vorantreiben, dann werden wir in dieser vernetzten Welt nicht bestehen. Schauen wir doch über den Tellerrand und vergessen wir nicht, um zu gewinnen brauchen wir Lösungen. Nur die Probleme zu sehen lässt uns nur auf der Verliererseite unseren Platz einnehmen.

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