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Husten Sie schon oder shoppen Sie noch?

Und, haben Sie auch brav eingekauft an Black Friday? Hoffentlich wurden Sie in Ihrem vornehmsten Tun als Konsument nicht allzusehr gestört durch diese „Fridays for Future“-Demonstranten. Ach so, die sind ja gar nicht gegen den Konsum sondern nur für ein besseres Klima um uns herum. Damit wir beim Cyber- oder sonstigen Shoppen nicht so viel husten müssen.

Wie vorläufige Zahlen zeigen, verlief der Black Friday in den USA nicht ganz so gut wie von den stationären Einzelhändlern erwartet. Aber Volkswirte hatten sicherheitshalber schon vorher „analysiert“, dass die Indices für die Stimmung der Verbraucher zwar übers Jahr gesehen „nur“ seitwärts gelaufen sind, sich aber weiterhin auf so hohem Niveau befinden, dass der Konsumsektor die BIP-Entwicklung stützen sollte.

Das BIP-Wachstum in den USA wurde in der zweiten Schätzung des „Bureau of Economic Analysis“ für das dritte Quartal um 0,2% aufwärts revidiert auf annualisiert 2,13%. Das ging jedoch fast ausschließlich auf eine Revision der Lagerbewegungen zurück, alle anderen Bestandteile des BIP blieben praktisch unverändert (siehe hier!). Die jährliche Veränderung des PCE-Index („Personal Consumption Expenses“ – persönliche Verbrauchsausgaben) stellt sich per Oktober mit +3,66% unterhalb des Mittels der Zuwächse seit 2010 (+3,99%) dar.

Von ausgesprochener Stärke des Konsumsektors kann man da nicht sprechen. Das wird auch untermauert durch den von der Fed besonders beachteten PCE-Preisindex ohne Nahrung und Energie (PCEPILFE). Der kam für Oktober mit einem jährlichen Zuwachs von 1,59% herein, mithin deutlich unter dem Inflationsziel der Fed bei 2%. Der Tempoverlust in der Wirtschaft wird auch durch den Verlauf der Industrieproduktion untermauert, der im Oktober mit 1,13% gegenüber dem Vorjahresmonat den zweiten Monat in Folge kontrahiert. Hiervon gehen gegenwärtig wie 2015/2016 die Reibungsverluste in der Wirtschaft aus (sieher auch hier!).

Umso genauer dürften die Akteure an den Finanzmärkten am kommenden Freitag auf den US-Arbeitsmarktbericht für November schauen. Schließlich gehen von einer Veränderung der Anzahl der Arbeitsplätze die wichtigsten Impulse für die deutlich Konsum-orientierte US-Wirtschaft aus (Anteil von 68,1% am BIP). Bisher ist nach der Entwicklung am Arbeitsmarkt zu erwarten, dass sich der BIP-Zuwachs in den kommenden Quartalen weiter abschwächen wird – als grobe Richtschnur sehe ich annualisiert +1,5% oder etwas darunter (siehe hier!).

Die Bullenherde bei Aktien ficht das alles bisher nicht an – hofft man doch inständig auf einen Miniatur-Kompromiss im Handelsstreit USA-VR China noch vor dem 15. Dezember. An diesem Tag sollen weitere US-Strafzölle inkraft treten. Dumm nur, dass der US-Kongress so verrückt war, Gesetze zu initieren, die helfen sollen, die Freiheitsrechte in Hong Kong zu bewahren. (Sie sollten sich mal lieber um die Freiheitsrechte im eigenen Land kümmern.) König Donald der zweite hat diese Initiative ratifiziert, was die chinesische Regierung umgehend als Einmischung in die inneren Angelegenheiten bezeichnet hat. Gleichzeitig wird befürchtet, dass die US-Regierung die Daumenschrauben bei Geschäften von US-Konzernen mit Huawei wieder anziehen könnte. Schlechte Nachrichten sind wie Kakerlaken, sie treten nicht alleine auf.

Schon kriecht wieder die Angst durch die Reihen der Akteure an den Finanzmärkten, dass kein Waffenstillstand im nunmehr 18 Monate andauernden Handelsstreit zustande kommen könnte (oder sich zumindest stark verzögert). Anlässe genug, um im S&P 500 etwas Geld vom Tisch zu nehmen. Und so schloss der Aktienindex am zurückliegenden Freitag 0,4% schwächer gegenüber dem Vortag, auf Wochensicht bleibt ein Plus von einem Prozent. Der VIX, das Maß für die implizite Volatilität im S&P 500, hat seinen Ausflug unter den wichtigen Pegel bei 12 mit einem Gap-up beendet (vorerst) (siehe hierzu auch hier!).

Hinweise für weitere Schwäche im S&P 500? Das Chartbild zeigt, dass der Index am Donnerstag eine wichtige Aufwärtslinie (dick hellgrün im Chart) touchiert hat. Diese Line verbindet die lokalen Maxima von Mitte April, Mitte Juli und Ende Juli und lässt sich darüber hinaus bis zum Februar 2016 zurückverfolgen (als die Entwicklung im US-Produktionsindex einen lokalen Tiefpunkt erreicht hatte). Zwischen Februar 2016 und Mai 2018 fungierte sie als dynamische Unterstützung, sie wurde im Oktober 2018 gebrochen, anschließende Rebound-Versuche scheiterten, jetzt stellt diese Linie einen dynamischen Widerstand für die zum Jahreswechsel 2018/2019 losgetretene Rally dar (Chartquelle).

Nach Lage der Dinge erscheint mir die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der S&P 500 nun zumindest kurzfristig zurücksetzt. Als offensichtliches erstes Ziel kommt die Verbindungslinie der lokalen Maxima von Ende Januar 2018, September 2018 und Ende Juli in Betracht. Knapp darunter verläuft aktuell die EMA50, die oft als Repräsentant für den mittelfristigen Trend angesehen wird. Darunter besteht durchaus noch Raum bis in den Bereich von 2975, hier verlaufen einige relevante Linien. So lange dieser Bereich hält, dürfte einem Fortgang der Jahresendrally nicht viel entgegenstehen. So weit die kurzfristige Disposition im S&P 500.

Da die Aktien-Akteure auf die Entwicklung im Handelsstreit starren wie die Kaninchen auf die Schlange starren, kommen von hier natürlich alle möglichen Impulse her. Mit möglichen Sonderbewegungen in „unserem“ DAX ist zu rechnen, seit bekannt ist, dass die GroKo-Gegner in der SPD bei den Vorstandswahlen die Oberhand errungen haben. Der Bereich bei 13200 schien schon in den zurückliegenden Tagen eine momentan nicht zu nehmende Hürde zu sein. Die Wahrscheinlichkeit erscheint mir hoch, dass die Akteure zunächst Zuflucht suchen bei der wichtigen Unterstützungszone von 12800, hier notiert in etwa auch die EMA50 (Chartquelle).

„Husten Sie schon oder shoppen Sie noch?“ – Vielleicht sollten wir alle weniger shoppen (fällt schwer bei deeen Rabatten) und dafür sparen auf eine schnuckeliges Elektromobil. Damit unsere Kfz-Industrie in ein paar Jahren nicht um ganz so viele Steuer-Milliarden zur Rettung vor dem Ruin anstehen muss (wie seinerzeit 2009ff die Banken).

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