3 minutes reading time (582 words)

Digitale Zukunft Europas: "Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun!"

Die Digitalisierung unterstützt uns in allen Lebenslagen. Wir organisieren Familien- und Freundestreffen per Instant Messenger, wir buchen unseren Urlaub auf Reiseportalen. Wir haben mit dem Internet – zumindest in unseren Breiten – mit einem Click Zugang zum Wissen der Welt, wenn auch nicht immer wissenschaftlich abgenickt.

Wir können in der Arbeit längst monotone Routinetätigkeiten an hochautomatisierte Programme und Prozesssteuerungen delegieren und damit kreative Freiräume für unternehmerische Kerntätigkeiten schaffen. Digitale Technologien wie Cloud Computing, Big Data oder Künstliche Intelligenz haben das Potenzial, die Wettbewerbsfähigkeit unseres Kontinents und damit unser Wohlstandniveau auf Jahrzehnte hinaus zu sichern. In der modernen Medizin sorgen schon heute umfangreiche Befund-Datenbanken und dreidimensionale Bildanalyseverfahren für eine verbesserte Diagnostik und qualitativ höhere Gesundheitsversorgung. Und mit zeitgemäßem eGovernment können Amtswege online erledigt und die Bevölkerungsbeteiligung an politischen Entscheidungsprozessen gefördert werden.

Gleichzeitig drohen Datenmissbrauch, das Abfischen personenbezogener Daten oder Industriespionage – und damit Milliardenschäden für unsere Wirtschaft. Eine zeitgemäße Cyber Security nimmt daher an Bedeutung weiter zu und erfordert unseren ganzen Einsatz

Die Europäische Union, die internationale Staatengemeinschaft sowie die Wissenschaft sind einen weiten Weg gegangen, um die ökonomischen Vorzüge der Digitalisierung abzusichern und effektive Schutzmaßnahmen gegen die Bedrohungen des Netzes zu errichten.

Datenschutz und Sicherheit sind keine Innovationskiller

In Europa wurden in der jüngeren Vergangenheit wichtige Weichenstellungen für die Verwirklichung des Digitalen Binnenmarkts getroffen, etwa die Verordnung über den freien Fluß nicht-persönlicher Daten oder der Europäische Cybersecurity Act. Da wir in Europa eine einzigartig andere Sicht auf den Schutz der Privatsphäre und auch auf höchste Netz- und Informationssicherheit legen, wie die großen Durchbrüche mit der Datenschutz-Grundverordnung und der Richtlinie über die Netz- und Informationssicherheit (NIS) zeigen, hat sich diese Perspektive auch in der Wirtschaft und bei den Anwendern mental verfestigt.

Der Cybersecurity Act und die FFD-Initiative („free flow of non-personal data“) waren daher logische Folgeschritte, um die aufgebauten Garantien für Datenschutz und Cyber-Sicherheit abzusichern und die durch die Digitalisierung eröffneten Marktchancen zu forcieren. Diese beiden Stoßrichtungen sind die derzeit mächtigsten Impulse, um das volle Potenzial der Datenökonomie in Höhe von 4% des europäischen GDP im Jahr 2020 und damit die Hauptantriebsaggregate für die Vollendung des Digitalen Binnenmarkts ausschöpfen zu können.

Mit dem Cybersecurity Act hat die EU-Kommission im Jahr 2017 ein weitreichendes gesamteuropäisches Maßnahmenpaket angestoßen, um die Abwehrfestigkeit und die Reaktionsmöglichkeiten gegen Netzattacken umfangreich zu verbessern. Das Ausmaß der Cyberbedrohungen mit über 4.000 Ransomware-Angriffen täglich, einer Steigerung der Sicherheitsvorfälle um 38% sowie einer allgemeinen Verbrechensquote von 50% in einigen Mitgliedsstaaten im Jahr 2018 belegen, wie dringlich die Aufgabe des massiven Netz- und Informationsschutzes für den Digitalen Binnenmarkt ist. Dazu zählen unter anderem Cloud Security Zertifizierungen, die strenge technische und regulative Erfordernisse erfüllen müssen und damit das Vertrauen in Cloud Service Dienste steigern.

Warum bald jede Stimme zählt

Als glühender Europäer wünsche ich mir, dass unser Kontinent sich in Erinnerung an seine großartige Geistesgeschichte und Pionierleistungen bei der Industrialisierung der Welt mit einer Politik zurückmeldet, die fortschrittlichste digitale Technologieentwicklung mit analogen sozialen Standards und kulturellem Reichtum kreuzt. Nur dann werden die Menschen sich in ihrem digital-analogen Lebenswandel wieder als begeisterte Europäerinnen und Europäer fühlen können.

Wir müssen uns dafür von einer ausschließlich neoliberalen Wirtschaftsordnung ebenso verabschieden wie von rückwärtsgewandten Nationalismen. Europa ist mehr als eine Wirtschafts- und Währungsunion. Die Menschen müssen sich im kommenden Mai an den Wahlurnen darin erinnern – wir alle haben es in der Hand, die europäische Politik zu verändern. Im besten Sinne von Goethe, der einst meinte: „Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun!“


Dieser Blog-Beitrag ist am 6. März im Fabasoft-Blog erschienen, https://www.fabasoft.com/de/news /blog/digitale-zukunft-europas-es-ist-nicht-genug-zu-wollen-man-muss-es-auch-tun

Gefangen in der Wachstumsfalle, Teil 3: Andersdenk...
Die (Ökostrom-)Lücke zwischen Wunsch und Realität