Zwischenrufe aus Übersee

Wie ein Europäer den Alltag an der US-amerikanischen Ostküste erlebt.
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Die Wiedergeher des Klans

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Am 12. Jänner 2019 marschieren einige wenige Maskierte durch Princeton und tragen Schilder, auf denen steht: »It's ok to be white«. Hunderte Gegendemonstranten vertreiben die Wiedergeher des Ku Klux Klans (KKK) aus der Stadt. Aber Erinnerungen an eine unheilvolle Vergangenheit werden wach.

Allein die Ankündigung reichte, um die Kleinstadt Prince­ton in Aufruhr zu versetzen. Anfang Jänner waren Plakate aufgetaucht, die eine Demonstration der New Jersey
European Heritage Foundation am Palmers Square direkt im Zentrum ankündigten. Die Gruppe gilt als nationalistische Vereinigung in der Tradition des Ku Klux Klans.
Polizeichef Nick Sutton war alarmiert und Bürgermeisterin Liz Lempert erklärte, in den USA sei Redefreiheit garantiert, egal wie verachtenswert die geäußerte Meinung auch sein möge, aber: »Wir wehren uns gegen diesen wirren Versuch, Hass zu säen.«

Am Tag des angekündigten Marsches fanden sich hunderte empörter Bürger am Palmers Square und nur ein paar wenige Maskierte mit ihren mickrigen Schildchen, auf denen sie Weißen Mut zusprachen, dass Weiß-Sein nichts sei, wofür man sich schämen müsse.

Die paar Verwirrten hatten das Memo nicht bekommen. Die Organisatoren hatten den Marsch abgesagt und überrascht von der heftigen Reaktion nun behauptet, dass alles nur ein Akt der Realsatire gewesen sei.

Aber sie hatten eine Phantomdiskussion losgetreten, die in diversen sozialen Foren zu heftigen Schlagabtäuschen führte. User Tom lieferte in der Kommentarspalte des Online-Forums Planet Princeton eine Schlagseite gegen die Liberalen, Linken: »Toleranz heißt doch, dass es ok ist, jeder Rasse, Hautfarbe und Herkunft zu sein.« Das inkludiere Weiße. Und User Joey Da Bull erklärte, die weiße Rasse sei die einzige, die keine Clubs nur für Weiße haben dürfe. Das sei doch diskriminierend. L. Sullivan meint: »Ich bin weiß und stolz drauf. Wenn es Black Lives Matter gibt und Gay Pride ... dann sollte das für Weiße auch ok sein.«

Die versteckten Rassisten hatten sich zwar nicht auf dem Platz, aber in den Foren Raum verschafft und sich in Erinnerung gerufen. Princeton, die Heimat einer der führenden Universitäten der Welt, ist ein guter Platz für den Klan. Woodrow Wilson war zunächst Professor an dieser Universität, dann ihr Präsident, ehe er 1915 Präsident der USA wurde. Und: Er war ein Klans-Mann. Im Weißen Haus hat er den Stummfilm »Geburt einer Nation« (»Birth of a Nation«, 1915) vorführen lassen, in dem der Klan verherr­licht wird und in dessen Schlusssequenz Klan-Gänger in weißen Kapuzen einen Schwarzen lynchen und den Toten auf die Stufen eines Regierungsgebäudes werfen, mit einem Schild des KKK auf der Brust.

Wilson habe allein mit dieser Filmvorführung im Weißen Haus die Klans-Ritter hoffähig gemacht und dazu beigetragen, dass sie zu einer bestimmenden sozialen Bewegung der 20er-Jahre wurden, kritisieren Historiker.

Im vergangenen Jahr wurde die dunkle Seite des 28. Präsidenten der USA an der Universität Princeton intensiv und kontroversiell diskutiert, mit dem Ergebnis: Die Politik- und Staatswissenschaftliche Abteilung heißt nach wie vor »Woodrow Wilson School of Government«.

Es ist eben nicht leicht, mit den dunklen Seiten der eigenen Geschichte ins Reine zu kommen. Vielleicht gibt es deshalb die Wiedergeher.

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