Winterdienst darf keine Glaubensfrage sein!

Wenn der Winter ins Land zieht, folgt die Diskussion um die richtige Streumittelwahl wie das Amen im Gebet. »Zu viel Feinstaub«, argumentieren jene, die gerne auf Salz setzen. »Zu viel Salze« für Boden und Grünpflanzen, argumentieren die Gegner. Warum aber lässt sich die Diskussion nicht führen?
Warum wird zu diesem Thema stets polarisiert?

Die Antworten auf die Frage nach derrichtigen Wahl des Streumittels liegen längst vor. Technikerzirkel in der Forschungsgesellschaft Straße-Schiene-Verkehr haben sich bereits vor zehn Jahren intensiv mit den Anforderungen an Streumittel und deren Auswahl beschäftigt. Auf rein sachlicher Basis, wohlgemerkt.
Die Mär vom Feinstaub durch Streusplitt kann mittlerweile auch niemand mehr hören. Oder können Sie mit freiem Auge tatsächlich Partikel mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometer erkennen? Ja richtig gelesen, das sind 0,0025 mm! Langzeituntersuchungen an verschiedenen Messstellen in ganz Österreich, aber vor allem in Graz und Wien zeigen, dass sich trotz des einstweiligen Streusplittverbots die Feinstaubbelastung in diesen urbanen Bereichen nicht verändert hat.

Sehr wohl kommt es natürlich bei Verwendung von Streusplitt zu Staubaufwirbelung auf trockenen Fahrbahnen. Wer nun meint, dass man mit der (Fein-)Staubdiskussion genau diesen Umstand anspricht, dem sei eine Fahrt über eine gesalzene und trockene Fahrbahn empfohlen – da staubt‘s auch gehörig!

Regionalität berücksichtigen

Die Pro- und Contra-Argumente sind beinahe unerschöpflich. Die Wahl ist aber grundsätzlich immer vom Einsatzort abhängig und von der in diesem Bereich vorhandenen Verkehrsbelastung. Niemand wird auf einer Hauptverkehrsader Streusplitt verwenden. Weniger wegen der möglichen Staubentwicklung bei Trockenheit, vielmehr weil die Verkehrssicherheit mit zunehmender Geschwindigkeit Priorität bekommt.

Ob dies in wenig befahrenen Straßen des untergeordneten Straßennetzes sinnvoll ist, ist zu hinterfragen.
Sollte man sich aber nicht sicher sein und das Einsatzgebiet beide Streumittelvarianten ermöglichen, sollte man den Regionalfaktor des verwendeten Produkts nicht außer Acht lassen. Streusplitte werden immer regional produziert, haben kurze Lieferwege, dienen zur Überbrückung der Produktionsphasen mit geringer Auslastung und sorgen für Beschäftigung in der Nebensaison in allen Regionen Österreichs.

Hausverstand einsetzen

Wenn man also die Diskussion schon politisch führt und nicht technisch, sollte der regionale Wirtschaftsfaktor jedenfalls eine Rolle spielen. In Ebensee wird man daher wohl immer auf Streusalz setzen, während eine Diskussion gegen den Einsatz von Streusplitt im Südburgenland wohl eher politisch motiviert denn sachlich argumentiert ist.

Der Appell an die Verantwortlichen kann nur lauten: Bitte nutzen Sie den Hausverstand und setzen Sie im Zweifelsfall auf das regional verfügbare Streumittel. Dessen Produzenten sichern in ihren Regionen Arbeitsplätze und verhindern ein Aushöhlen auch strukturschwacher Landstriche.

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