Ist die Krise vorbei?

Wenn wir uns heute die wirtschaftliche Lage vor Augen führen, entdecken wir an vielen Stellen Hindernisse, Probleme, Widerstände und Schwierigkeiten, von denen wir auch auf der Insel der Seligen nicht ausgenommen sind. Im Gegenteil, vielmehr schleichen sich diese Probleme auf subtile Weise in den Betriebsalltag, und werden mangels Information zu spät oder überhaupt nicht wahrgenommen.

Die Bürokratie hat ein unzumutbares Maß angenommen. Eine Vielfalt und Komplexität an Bestimmungen, Auflagen und Vorschriften verhindert schnelle Ergebnisse. Die Verwaltung frisst uns auf und es ist gerade für Klein- und Mittelbetriebe eine kaum zu bewältigende Aufgabe geworden, sich dieser Last rasch und ökonomisch vertretbar zu entledigen. Der Förderdschungel überfordert die meisten Betriebe, sich etwas von dem Kuchen holen zu können, und stellt nichts anderes als einen undurchsichtigen Verteilungsmechanismus von finanziellen Zuwendungen dar. Hier bedarf es wieder aufwendiger Administration und gefinkelter Vorgehensweise, um am Ende des Tages nicht als der Blamierte dazustehen.

Doch wie da herauskommen? Wie sich von diesem Moloch befreien, der inzwischen zum festen Bestandteil des Systems geworden ist? Da geht es nicht um Bequemlichkeit, die zu überwinden wäre (Buchtipp: „Das Ende der Bequemlichkeit“, Hannes Androsch) sondern bereits um tiefgehende Resignation. Denn: Im Wege der inneren Reformen hat sich nichts wirklich bewegt, geschweige denn wurde etwas entfesselt. Das letzte Budget hat gezeigt, wie gering der Reformwille in Wirklichkeit ist. Es geht den meisten Politikern der Regierungsparteien um die Erhaltung dieses Systems, das veraltet, ineffizient, unverständlich und unzeitgemäß ist. Dabei wäre vielmehr neue kreative Zerstörung gefragt!

Es gibt genug Reformpläne (Verwaltungsreformen, Bildungsreform, Heeresreform, Pensionsreform), konkrete Vorschläge für eine Flexibilisierung der Altersgrenzen bei Beschäftigten (Leitl-Plan) und sogar einzelne Versuche von Gemeindezusammenlegungen. Eines ist fix: Eine neue Gründerwelle in der Wirtschaft kann es nur unter besseren Rahmenbedingungen geben, wobei auch hier die Zusammenarbeit zwischen Gewerbevorschrift und AMS zu verbessern wäre. Denn für viele ältere Jobsuchende steht nur noch die Selbständigkeit als Option offen. Es sollten bessere Voraussetzungen für Startups geschaffen werden. Unternehmen sollten dabei unterstützt werden, sich in neue Geschäftsfelder zu bewegen und Outsourcings erfolgreich zu realisieren - innovative Projekte in Kooperationen mit Partnern zu realisieren. Ähnlich könnten gründungswillige Absolventen von technischen oder naturwissenschaftlichen Studien und Lehrgängen bei Spin-offs unterstützt werden, wobei ihnen ältere Führungskräfte und erfahrene Berater zur Seite gestellt werden können.

Insgesamt geht es um die Nutzung menschlichen Potenzials, das vielfach in arbeitsteiligen Prozessen in Unternehmen unterdrückt wird, es geht um Gestaltungsmöglichkeiten und Schaffung von Freiräumen für die Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen.

Dabei würde es schon Fortschritte geben können, wenn man im Sinne von Benchmarks und Best Practises neue Ideen und Methoden auf ihre Alltagstauglichkeit prüft und Pilotprojekte unterstützt. Hier sollte das Experimentierfeld vergrößert erweitert, vertieft werden, um jungen wie alten Menschen eine Chance zu geben.

Uns ist die Balance zwischen Realwirtschaft, Finanzwirtschaft und dem gesellschaftlichen Rückhalt durch die Bevölkerung abhanden gekommen, das Gleichgewicht zwischen dem Erhalt der Zukunftsfähigkeit und der realistischen Einschätzung zumutbarer Maßnahmen verlorengegangen. Es scheint durch marginale Maßnahmen ebenso wenig in den Griff zu bekommen, wie auf den Rückgriff altbewährter Strategien wie der von Brot und Spiele (Festwochen, Song Contest, Liveball, Fußball etc.) Wir werden mit unwesentlichen und unwichtigen Themen in Laune gehalten und mit leeren Versprechungen bei immer schlechter werdender Laune gehalten, die zur Resignation, zum Rückzug, zur Flucht in die Privatsphären führen und schon geführt haben. Daher ist es erklärbar, dass es nur wenige Aufrechte gibt, die sich im Kampf gegen diese Gleichgültigkeit, die einen dramatischen Werteverfall darstellt, zusammenfinden und nach Alternativen suchen - vielleicht sogar revolutionäre Töne anschlagen.

Eine werteorientierte Personalpolitik, ein in den Grundsätzen reformiertes Bildungssystem, das sich nicht in den Themen der Ganztagsschule und der Zentralmatura verheddert, sind nötig. Ebenso nötig ist eine auf echte Prävention ausgerichtete Gesundheitspolitik sowie eine umfassende Sicherheitsdoktrin, die den einzelnen ebenso berücksichtigt wie die Institutionen und andere schützenswerte Einrichtungen.

Vor allem sollte es einen offenen und ehrlichen Umgang mit den Argumenten des anders Denkenden geben, der nicht schon deshalb inakzeptabel ist, weil er von einer anderen Partei stammt.

Es gibt genug Vorschläge und Reformpapiere, die aber in diversen Schubladen verstauben, Anregungen, die nicht gehört werden, obwohl man sie an verschiedenen Stellen deponiert hat. Die meisten Vorschläge scheinen aber an der Klippe politischer Machbarkeit zu zerschellen, hinter der sich viele Politiker versammeln. Sie scheitern zudem daran, dass zwischen Wunsch, Notwendigkeit und der Realisierbarkeit von Veränderungen, eine gewisse Zeit und Konsequenz erforderlich ist.

Medien sollten hier Verantwortung übernehmen, Anregungen aufgreifen und die immer weiter anwachsende schweigende Mehrheit (zu sehen auch im Rückgang der Wahlbeteiligung) zu Aktivitäten motivieren. Die Krise ist keineswegs vorbei, es gilt sie effektiv zu bekämpfen!

Erdäpfel und Kraut, oder wie es neuerdings heißt: ...
Sind Strassenabgaben fair?