Eurozone: Bodenbildung?

Die Brüsseler Bonzen erklären die Eurokrise für beendet. Es seien nur noch ein paar marginale Probleme zu überwinden. Das waren die Worte von EU-Kommissionspräsident Barroso am Drei-Königs-Tag.

Zu diesen Marginalien zählt wohl auch die Arbeitslosigkeit in der Eurozone. Sie ist im November auf 11,8% gestiegen nach 11,7% im Oktober und 10,6% im November 2011. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt von 24,2% im Oktober auf 24,4% im November, das ist der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichungen im Jahre 1995. Die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien liegt aktuell bei 57,6%, ähnlich auch in Griechenland. In Italien kommt sie im November auf 37,1%, das ist der schlechteste Monatswert seit Jan 2004 und der schlechteste Quartalswert seit 1992.

Es wird von weiter steigender Arbeitslosigkeit ausgegangen. So rechnet Ernst & Young mit einer Rate von 12,5% im Frühjahr 2014. Haushalte und Unternehmen würden sich mit Ausgaben weiter zurückhalten, Regierungen würden weiter sparen. Die schleppende Nachfrage insbesondere bei großen Anschaffungen lasse die Unternehmen mit Neueinstellungen zurückhaltend bleiben, hinzu kämen die Unsicherheiten hinsichtlich der Eurokrise mit ihren beiden Facetten Banken und Staaten.

Der “Employment and Social Developments report” der Europäischen Kommission sieht wachsende Divergenzen zwischen den EU-Mitgliedsstaaten. So liegt die Arbeitslosenquote in Österreich im November bei 4,5%, in Spanien hingegen bei 26,5%.

Aber auch im internationalen Vergleich zeigen sich große Divergenzen (Chart-Quelle). Zum Vergleich: Die Quote für die USA kommt aktuell auf 7,8%, die für Japan auf 4,1%. Die Eurozone sieht im internationalen Vergleich der Arbeitsmärkte mit 11,7% besonders schlecht aus.

Es ist beschämend, wie die Eurokrise auf dem Rücken der Arbeitnehmer, insbesondere der Jugendlichen ausgetragen wird, während (Zombie)-Banken mit irrwitzigen Summen alimentiert werden. Beschämend und bezeichnend für die Politbürokratie in Brüssel und anderswo.

Der Einzelhandelsumsatz in der Eurozone ist im November im Monatsvergleich zwar um 0,1% gestiegen, liegt aber im Jahresvergleich 2,6% tiefer.

In der Eurozone insgesamt ist die Industrieproduktion zuletzt weiter zurückgegangen.

Auch die Kapaziätsauslastung hat weiter nachgegeben.

Nichtsdestotrotz ist der Economic Sentiment Indicator der europäischen Kommission im November von 85,7 auf 87 gestiegen. Das ist die zweite Steigerung des ESI in Folge, der damit jetzt wieder auf dem Niveau von Juli und August notiert. Er bleibt aber klar unter dem langfristigen Mittelwert bei 100. Das entspricht etwa der Nulllinie im folgenden Chart.

Wer es mag, kann in dem Chart frühe Zeichen einer Trendwende sehen. Interesanterweise liegt das wirtschaftliche Sentiment in Griechenland aktuell auf einem drei-Jahres-Hoch und nahe am Durchschnitt der Eurozone: „Wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.“ Auch in Italien, Spanien und Portugal gibt es deutliche Verbesserungen, wenn auch nicht so stark wie in Griechenland. Als ein Zeichen dafür dürfte auch gelten, dass die Kapitalflucht aus der südlichen Peripherie zurzeit offenbar abebbt.

Bodenbildung? Einige Stimmungsindikatoren scheinen in der Tat nahezulegen, dass das Schlimmste überstanden ist. Ich würde das aber nicht übergewichten, eine mögliche Trendwende der Stimmung fände auf einem äußerst labilen wirtschaftlichen Untergrund statt. Auf der Stimmungsseite ist eher der Punkt erreicht, dass man “kisenmüde” geworden ist. Das ist etwas anderes als die Überzeugung, jetzt kann es nur noch besser werden. Und genau das zeichnet üblicherweise einen tragfähigen Stimmungsboden aus.

Wie schwer sich die Wirtschaft nicht nur in der Eurozone tut, an den Beschäftigungniveaus früherer Zeiten anzuknüpfen, zeigt der folgende Chart am Beispiel USA sehr deutlich (Chart-Quelle). Demnach braucht der Arbeitsmarkt seit dem zweiten Weltkrieg nach jeder Rezession länger, um wieder das Niveau vor der Rezession zu erreichen.

Das weist klar daraufhin, dass die wirtschaftlichen Probleme zunehmend strukturell bedingt sind (siehe auch: Wachstumsillusionen | Teil 1). Mit der geldpolitischen Gießkanne ist da nicht viel auszurichten, erst recht nicht, wenn damit marode Banken geflutet werden.

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