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Strategien für mehr IT-Nachwuchs

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Eine aktuelle Absolventen-Analyse zeigt, dass die Informatikausbildung in Österreich den wirtschaftlichen Bedürfnissen nachhinkt. Höchste Zeit für eine Revolution des Bildungssystems.

Man kann nur erahnen, welche beruflichen Felder durch die digitale Revolution ausgelöscht und welche neu entstehen werden. Der Philosoph Richard D. Precht prognostiziert ein paar kommende harte Jahre der Umstellung, auf die eine Befreiung des Menschen von »entfremdeter Arbeit« folgen könnte. Bis es so weit ist, muss sich unser Bildungssystem rasch auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Das heißt vor allem, MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) von ihrem staubigen Nerd-Image zu befreien und schon die Allerjüngsten zu Mitwissern zu machen – Mädchen wie Buben.

Vielfältigerer Zugang zum Studium

Die Zeit drängt bereits – in Europa könnten bis 2020 rund 750.000 Arbeitskräfte im IKT-Bereich fehlen. Dieser Mangel an exzellent ausgebildeten Fachkräften zeigt auf, welcher Schneise der berufliche Trend folgt. Informatik beziehungsweise informatikfundierte Ausbildungen lehren die Grundlagen der digitalen Revolution und verleihen das Rüstzeug, um weitere Puzzleteile für das neue Zeitalter zu entwerfen.

Aktuell sieht es in Österreich bezüglich Informatik-Nachwuchs aber traurig aus, obwohl unsere Universitäten aus allen Nähten platzen. Der Statistiker Harald Lothaller untersuchte die Absolventen-Situation der Studienrichtung Informatik an der TU Graz, TU Wien, Uni Linz und Uni Wien. Ein recht einheitliches Bild zeichnet sich ab: Der hiesige Informatikstudent ist meist männlich, österreichischer Staatsbürger, zu Studienbeginn bereits circa 23 Jahre alt und hat davor eine HTL oder eventuell ein Realgymnasium absolviert. Außerdem studiert er am liebsten in seinem Heimatbundesland. Über die Semester hinweg entwickelt diese ohnehin recht homogene Gruppe noch weniger Unterschiede. Sprich: Personengruppen, die von der Mehrheit abweichen, brechen eher ab.

Um diese Tendenz zu brechen, müssen unsere Informatik-Ausbildungen flexibler werden. Die Erfolgsformel besteht in der Verknüpfung des Informatikstudiums mit anderen Fächern, etwa Wirtschaft, Technik und Naturwissenschaften. Prinzipiell muss Informatik Basisstoff jeder Studienrichtung sein, denn ohne dementsprechendes Grundwissen wird in der digitalen Zukunft keine Berufsgruppe mehr auskommen.

Durchhaltevermögen und schulische Vorbildung korrelieren

Der Sinn von manchen Studienzugangsbeschränkungen an Österreichs Universitäten ist zu hinterfragen, solange der Zulauf bestimmter Studien derart gering ist. Und von denen, die das Studium beginnen, schließt nur ein Bruchteil ab. Teils, weil sie vorzeitig von Betrieben abgeworben werden, aber auch, weil der Betreuungsschlüssel an Österreichs Universitäten viel zu schwach ist.

Die hiesigen Informatikstudien weisen hohe Drop-out-Quoten auf – unter den aktuellen Studienbedingungen schaffen es also viele Studierende nicht bis zu einem Abschluss. Und diese Studienabbrüche weisen einen systematischen Zusammenhang mit der schulischen Vorbildung auf. Die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Hochschulen muss daher meiner Meinung nach verstärkt werden. Ähnlich wie die hiesigen HAK-Kollegs könnte eine Vorbereitungsphase zwischen Gymnasium und Informatikstudium eine gute Lösung sein. Damit werden AHS-Schüler auf das Niveau von HTL-Absolventen gebracht, und die Wahrscheinlichkeit verkleinert sich, dass diese Studenten auf der Hochschule zu früh an ihre Frustrationsgrenze stoßen und das Handtuch werfen.

Ideen wie diese mögen auf den ersten Blick weit hergeholt wirken. Aber wenn wir Österreich erfolgreich in eine digitale Zukunft führen wollen, muss intensiv und »outside the box« nachgedacht werden – die wirtschaftliche Realität hat das schwerfällige Bildungssystem bereits längst überholt.

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