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Resilienz – Was es braucht, um dran zu bleiben



Das Wichtigste für ein Unterfangen wie die Everest-Besteigung ist die Vorbereitungsphase. Ich vergleiche das immer mit einem Marathon: Der Gipfeltag selbst sind die letzten 2 km des Marathons und entspricht dem "sich selbst dann über die Ziellinie retten". Die meisten Fehler aber machen Sie während des Marathons auf den ersten 35 km. Alles was wie dort falsch gemacht haben, können Sie auf der "Zielgeraden" auch nicht mehr kompensieren.

Das bedeutet aber, dass der Fokus auf der Vorbereitung liegt. Da wir grundsätzlich in unserem Tun und Handeln nicht komplett autonom agieren können, bedarf es zweier wichtiger Ansatzpunkte. Selbstverständlich muss man einen Trainingsplan entwickeln und diesen mit eisernem Willen exekutieren – es gibt immer wieder genügend Gründe und Ausreden, warum man eine Trainingseinheit auslassen sollte (schlechtes Wetter, private Veranstaltung, berufliche Verhinderung, ...) - Wer kennt das nicht vor allem während der Wintermonate, wenn es regnet, schneit oder finster ist... Dabei ist es wichtig, auch mit Niederlagen umgehen zu lernen und flexibel zu sein, um Plan A oder Plan B zu entwickeln (Beispiel Auftreten von Krankheiten, Verletzungen, ...).

Wesentlich wichtiger neben der eigenen Diszplin ist das "Arrangement" mit dem Umfeld. Besonders im engsten Familienkreis benötigt man ein maximales Verständnis – und das nicht nur für die zwei Monate Abwesenheit am Berg selbst, sondern während der ein Jahr dauernden Vorbereitung. Vorwürfen wie "Dein blöder Berg ist dir wichtiger als alles andere! Du hast außer deinem Berg nichts mehr im Sinn! Was kommt dann als nächstes nach dem Everest?" muss man mit höchster sozialer Kompetenz und großer Bereitschaft bzw. Verständnis aller Beteiligen entgegnen. Dies stellt eine Herausforderung an Beziehungen, stärkt andererseits diese ungemein.

Zusammengefasst ist es unheimlich wichtig mit sich selbst im Reinen zu sein und mit seinem engsten Umfeld das Einverständnis Tag für Tag zu erzielen.

Gerade während der letzten Monate vor der Abreise spitzt sich die Lage zu. Die noch zu erledigenden Aufgaben werden mehr und mehr, der "Druck" von "Außen" und allen Beteiligten wächst, der Job in der Firma wird eher mehr als weniger, ... Erst jetzt realisiert das Umfeld, dass es nun langsam ernst wird. Vergleichen Sie es mit einem lange dauernden Projekt, wo lange Zeit spezifiziert bzw. "Papier produziert" wird. Erst dann, wenn es gegen das Projektende geht und das „Go-live“ naht, realisiert das Team erst, was noch alles zu tun ist und dass es jetzt wirklich ernst wird. Vor allem in dieser Situation gilt es Ruhe zu bewahren, Dinge abzuschließen, immer öfter auch "Nein" zu sagen. Erst jetzt erkennen Sie wie viele Freunde sie haben! Alle wollen Sie unbedingt vor Abreise noch einmal treffen... Im Leben gemachte Projektmanagement-Erfahrung lohnt sich ganz besonders in dieser Phase.

Und irgendwann kommt der Zeitpunkt, wenn man in das Flugzeug steigt und alles hinter sich lässt.

 

Auf dieser Website kann man Christoph Gauß auch live tracken: www.followmeoneverest.com

Foto: followmeoneverest.com

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