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Arbeit und Alter

Wie man ältere im Arbeitsmarkt behält und wie man Ältere in den Arbeitsmarkt integriert.

Dies ist eine mühevolle Aufgabe. Sie erfordert Konsequenz, Mut, Kreativität und Engagement – etwas, das nicht altersbedingt abnehmen muss, wenngleich es Einschränkungen gibt. Aber es muss  jedenfalls nicht mit 60 oder 65 aufhören. Eine Freude an der Arbeit, sofern sie realisierbar ist, hört ja nicht mit dem 65. bzw. 60 Geburtstag auf und lässt sich ja auch nicht durch Gesetz reglementieren. Die individuelle Freiheit ist ein wertvolles Gut, das nur nach individuellen und wertbestimmten Kriterien einzuschränken wäre. Was lässt sich also tun, um die Arbeit auch im Alter noch attraktiv zu gestalten? Und was, damit sie vielen Menschen auch nach dem Erreichen des Pensionsantrittsalters als sinnvoll erscheint? Damit ist schon eine Grundbedingung genannt, die von den Betroffenen zu berücksichtigen wäre. Man muss hier auf die subjektive Bewertung von Arbeit hinweisen sowie auf die Möglichkeiten Arbeit immer wieder neu zu gestalten, an technologische Möglichkeiten anzupassen und individuelle Spielräume zu nutzen. Sie muss dem Leistungswillen und der Kraft entsprechen, die dafür notwendig ist. Vor allem die Bildung und Erziehung muss den tradierten Vorurteilen vom Arbeitsleid und dem negativ bewerteten Urteil von Arbeit frühzeitig entgegenwirken und in den Schulen auf die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten hinweisen. Experimentelle Arbeiten, Projekte und Versuche müssen als Lernerfahrungen erlebbar und bewertbar gemacht werden.

Der Mensch ist ein Geschöpf, das in Konkurrenz zur Maschine gestellt wird. Ein Wesen, das im Sinne der Leistungsoptimierung zu funktionieren hat. Menschliche Schwächen, individuelle Bedürfnisse wie Eigenheiten sind verpönt und werden sogar bestraft. Dieses Menschenbild ist zu korrigieren. Auch im menschlichen Wesen steckt Potenzial, das meist nur zu einem Bruchteil erkannt, erschlossen und in noch geringerem Masse praktische Anwendung findet. Es geht aber auch um die Rahmenbedingungen für Arbeit, von der Arbeitszeit angefangen über Arbeitsort, Art und Weise der Aufgabenerfüllung und der Anerkennung für die erbrachte Leistung. Denn diese Leistung ist das im Regelfall gewollte und erwartete Ziel aller Bemühung, weshalb eine leistungsorientierte und angemessene Entlohnung einen wichtigen Faktor des Systems darstellt. Daher sollten alle die Leistungserbringung beeinflussenden Faktoren so flexibel wie möglich gestaltet werden.

Bislang hat man es nicht geschafft die Attraktivität der Arbeit auch im fortgeschrittenen Alter zu erhalten. Man hat es nicht als politisch realisierbar eingeschätzt, das so genannte Leitl Modell auf ein ökonomisch realisierbares Modell hin zu trimmen. Man hat es bislang auch nicht geschafft, die durch  Weiterarbeit eingesparte Summe aus der Pension so aufzuteilen, dass die spätere Pension erhöht werden kann und ein anderer Teil zur Subvention der erhöhten Lohnkosten für den Arbeitgeber auch als Anreiz dient, Ältere weiter zu beschäftigen bzw. anzustellen. Das würde nicht nur mehrfache arbeitsmarktpolitische Impulse bringen, sondern sich auch gesundheitlich und sozialversicherungstechnisch positiv auswirken. Darüber hinaus wäre ein eigener Arbeitsmarkt für Ältere denkbar, in dem es älteren erleichtert wird, als Selbständige einen ökonomisch relevanten Beitrag zu leisten. In diesem Zusammenhang wäre auch zu überlegen, bestimmte Ehrenämter aufgrund Ihrer Bedeutung und zur Aufrechterhaltung von Professionalität finanziell adäquat abzugelten (vgl. Aufsichtsratstätigkeiten). Allerdings sollte dieser Arbeitsmarkt (60+) auch von jener Flexibilität und Einstellung geprägt sein, die gerade eine für ältere wichtige Worl-Life-Balance absichert und mit Recht als altersadäquat bezeichnet werden darf. Dieser Arbeitsmarkt kann auch in einem höheren Ausmaß jene Formen und Vielfalt aufweisen, die einen experimentellen Arbeitsmarkt auszeichnen. Ebenso können Kooperationen von Alt und Jung erfolgreich gestartet  bzw. begleitet werden. Man sollte nicht nur Schulversuche zulassen, sondern noch flexibler innovative Geschäftsmodelle gestatten und fördern, anstatt ambitionierte Jungunternehmer nach Berlin auswandern zu lassen.

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