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Im Onlinedschungel gefangen

Alles ist transparenter geworden, manchmal vielleicht zu transparent, meint Kolumnistin Gudrun Tockner in einem Resümee zur Recruitingwelt Internet.

Von Gudrun Tockner, selbstständige Beraterin im Bereich Human Resources


Der Arbeitsmarkt hat sich für Unternehmen, aber auch Jobsuchende gravierend verändert. Während vor etwa 15 Jahren ein Blick in eine Wochenendzeitung reichte, um einen Überblick über offene Stellen zu erhalten, muss man sich heute endlos durch Onlineportale und Unternehmenswebseiten klicken. Es gibt Online-Suchagenden, Job-Crawler, Jobticker, Social Media, Unternehmensvideos und vieles mehr. Unternehmen, die öfter Personal suchen, wissen, mit welchen Onlineportalen sie zusammenarbeiten müssen, um die richtige Zielgruppe zu erreichen. Ein Vorteil dieser Portale ist das Tempo: Kaum ist ein Stellenangebot online, trudeln innerhalb kürzester Zeit nach Liveschaltung schon die ersten Bewerbungsunterlagen aus der ganzen Welt ein. Das Handling der Bewerbungsunterlagen ist einfacher und übersichtlicher, da zum Beispiel mit Online-Bewerbungsformularen gezielt die gewünschten Daten abgefragt werden können. Informationen über die Bewerberinnen sind digital und können ganz einfach weiter verarbeitet und in eigene Datenbanken eingebunden werden. Auch für Bewerberinnen haben sich durch die neuen Medien viele Vorteile aufgetan. Durch geschickten Einsatz von Suchagenten und Live-Tickern auf Jobbörsen werden sie auf interessante Stellenangebote aufmerksam gemacht, die sie sonst vielleicht übersehen hätten. Bewerbungen können in kürzester Zeit an Unternehmen und Personalvermittlerinnen übermittelt werden und diese müssen kein Geld für teure Bewerbungsmappen und Porto ausgeben. Weil inzwischen jedes Unternehmen eine Webseite hat, kann man sich vorab über das Unternehmen und dessen Umgang mit Mitarbeiterinnen informieren. Und doch: Vor lauter Geschwindigkeit und Effektivität geht leider auch einiges verloren. Bewerbungsschreiben werden so verfasst, dass sie für jeden Job passen. Die Individualität geht verloren, zugunsten der Masse. Persönliche Daten und Unterlagen werden ohne Hemmung im Netz verschickt, ohne Rücksicht auf Diskretion. Alles ist transparenter geworden, manchmal vielleicht zu transparent. Für Menschen, die längere Zeit nicht am Jobmarkt waren oder Unternehmen, die länger nicht Personal gesucht haben, hat die Komplexität stark zugenommen. Firmen erhalten viele Bewerbungen, die nicht ins Suchprofil passen, weil sich eine Onlinebewerbung leicht versenden lässt. Jobsuche und Personalsuche sind ohne Internet kaum mehr möglich. Das Internet wird immer schneller, Trends und Portale immer kurzlebiger und immer weniger überschaubar. Ob die User diesen Dschungel noch überschauen können? Ich bin gespannt.

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