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Nachhaltig und sicher? Sicher nachhaltig?

Die neuen OIB-Richtlinien bieten ausreichend Stoff für Diskussionen. Die einseitige Bevorzugung des Baustoffes Holz ist aber zu hinterfragen.  Denn aktuelle Studien zeigen, dass Holz nicht automatisch nachhaltig ist. 

 

Im 26. März dieses Jahres wurden die neuen OIB-Richtlinien als Kern einheitlicher Bautechnikbestimmungen beschlossen. Die angestrebten Vereinfachungen sind grundsätzlich zu begrüßen. Dennoch hat die Überarbeitung der Richtlinien zu einer deutlichen Herabsetzung des Brandschutzniveaus geführt, um die Errichtung von Wohngebäuden mit bis zu sechs oberirdischen Geschoßen in Holzbauweise zu ermöglichen. Bei Brandabschnitten ist nur mehr eine maximale Ausdehnung von 60 Metern einzuhalten, die Nichtbrennbarkeitsanforderungen (bis einschließlich sechs Geschoße) sind entfallen und die Anforderungen an das Brandverhalten wurden wesentlich reduziert. 

>> Vernünftige Kompromisse <<
Um die Holzbauweise zu fördern, wurden die Anforderungen für alle Bauweisen herabgesetzt – natürlich zulasten der Bewohnersicherheit. Wohngebäude aus Holz können nun bis zu sechs Geschoße hoch ohne spezielles Brandschutzkonzept errichtet werden. Anders beim neuen Leuchtturmprojekt, dem 84 Meter hohen Holzhochhaus »HoHo« in Wien Aspern. Wie schaut dieses Konzept aus? Den Kern der beiden Gebäude bilden massive Türme aus Beton, die der Konstruktion die notwendige Steifigkeit (Kompensation der elastischen Holzeigenschaften) verleihen sowie einen sicheren Mantel um alle Flucht- und Rettungswege erzeugen. Im Falle eines Vollbrandes bietet der Betonkern die notwendige Stabilität und einen sicheren Fluchtweg. Er trotzt Hitze und Deformation tragender Holzbauteile und stellt sicher, dass das Gebäude im Katastrophenfall evakuiert werden kann. Es wäre wünschenswert, dass dasselbe Sicherheitsniveau auch bei Holzgebäuden bis sechs Geschoße eingehalten wird. Flächenmäßig gesehen überwiegt beim »HoHo-Tower« der Holzbau, massenorientiert betrachtet ist er ein massives Gebäude.

>> Holz ist kein Garant für nachhaltiges Bauen <<
Aber warum diese steten Nachgaben zuguns­ten der Holzbauweise? Ist ein hoher Holzbauanteil ein Garant für nachhaltiges, CO2-neutrales Bauen? Nur bedingt, wie eine neue Studie des Instituts für industrielle Ökologie belegt. Diese besagt, dass CO2-Neutralität nur gegeben ist, wenn das verwendete Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammt. Ob diese Voraussetzungen bei Bauholz immer gegeben sind, darf im Angesicht von jüngsten Medienberichten bezweifelt werden. Gerade auch die Tatsache, dass Österreich nach China weltweit der zweitgrößte Holzimporteur ist, lässt Zweifel aufkommen, ob das verwendete Bauholz wirklich immer aus nachhaltig bewirtschafteten Quellen stammt.

>> Herkunftsbezeichnung fällig <<
Die Herkunftsbezeichnung von Baustoffen ist längst fällig! Nur so kann dem Endverbraucher nachgewiesen werden, ob die verwendeten Baustoffe auch bei objektiver Betrachtung einer Prüfung betreffend Nachhaltigkeit standhalten. Denn eines ist gewiss abzulehnen: das Verhalten im Kolonialstil der letzten Jahrhunderte – nicht nur ökologisch äußerst bedenklich – im Marketing in Österreich als nachhaltig zu verkaufen.

Auf das Zelt gekommen?
Der Wettbewerb wird immer umfairer