Zehn Jahre im Dienst der Baustoffindustrie

Foto: Fachverband-Geschäftsführer Andreas Pfeiler (M.) mit seinem alten und neuen Obmann: Robert Schmid (r.) folgt auf Manfred Asamer. Foto: Fachverband-Geschäftsführer Andreas Pfeiler (M.) mit seinem alten und neuen Obmann: Robert Schmid (r.) folgt auf Manfred Asamer.

Zehn Jahre lang war Manfred Asamer Obmann des Fachverbandes Steine-Keramik. Jetzt übergibt er das Staffelholz an seinen bisherigen Stellvertreter Robert Schmid. Grund genug, um einen Blick in den Rückspiegel zu werfen und ein bewegtes Jahrzehnt – geprägt von Wirtschaftskrise, der Ökologisierung der Industrie und einem Zusammenrücken der Sozialpartner – Revue passieren zu lassen.

Als Manfred Asamer Anfang 2009 Erhard Schaschl als Obmann des Fachverbandes Steine-Keramik folgte, war schnell klar, dass er sich kaum einen schlechteren Zeitpunkt hätte aussuchen können. Der Fall der Lehman Brothers im Jahr davor sorgte für globale Erschütterungen und der lange Arm der Krise griff langsam, aber sicher auch nach Österreich. Zwar zählten die Bauwirtschaft und die Bauzulieferindustrie nicht zu den ersten Opfern, Anzeichen, dass die globale Wirtschafts- und Finanzkrise auch vor den Unternehmen der Stein- und keramischen Industrie nicht Halt machen würde, waren schnell bereits spürbar. Eine WIFO-Studie über die Zukunft der österreichischen Baustoffindustrie prognostizierte alarmierende Entwicklungen.

»Wenn die österreichische Baustoffindustrie hustet, steht die nachgelagerte Wirtschaft knapp vor einer Lungenentzündung«, warnte Asamer in einer seiner ersten Amtshandlungen und forderte von der Politik massive Investitionen in Infrastruktur und Wohnbau. Der Kampf gegen die Folgen der Wirtschaftskrise sollte dann auch zu einer der zentralen Aufgaben Asamers in seinen ersten Jahren im Fachverband werden. Denn die Warnungen und düsteren Prognosen sollten sich mehr als nur bewahrheiten. 2009 sanken die Wohnbaubewilligungen auf 35.000 Einheiten, 2006 waren es noch 48.000.

Der Umsatz der Baustoffindustrie brach um elf Prozent ein. Erst 2011/12 sollten die konjunkturbelebenden Maßnahmen der Bundesregierung langsam greifen und die Abwärtsspirale konnte gestoppt werden. Ein zentrales Element des Konjunkturprogramms und der Beginn einer Erfolgsgeschichte war der 2011 erstmals aufgelegte Sanierscheck. Initiiert wurde die 100 Millionen Euro schwere Fördermaßnahme von der Nachhaltigkeitsinitiative »Umwelt + Bauen«, der neben dem Fachverband Steine-Keramik auch die Bundesinnung Bau, die Gewerkschaft Bau-Holz und Global 2000 angehörte. Es sollte dies auch der  Startschuss für die weitere, enge Zusammenarbeit der Bau-Sozialpartner sein. Gemeinsam »erfand« man die Wohnbauinvestitionsbank, die mit Mitteln der Europäischen Investitionsbank den Bau von 30.000 Wohnungen ermöglichen sollte, von der Bundesregierung aber Anfang 2018 zum Entsetzten sämtlicher Experten zu Grabe gegraben wurde. Von nachhaltigerem Erfolg war die sozialpartnerschaftliche Plattform »Faire Vergaben«, mit der der Weg für das Bestbieterprinzip geebnet und dem unfairen Wettbewerb der Kampf angesagt wurde.

Nachhaltig in Brüssel

Die erfolgreiche Lobbyingarbeit machte aber nicht an Österreichs Grenzen Halt. Auch auf EU-Ebene verschafften sich Asamer und der Fachverband erfolgreich Gehör. Vor allem der europäische Emissionshandel ETS sorgte für Kopfzerbrechen und jede Menge Aktivitäten in Brüssel. Man veranstaltete mehrere Diskussionsrunden zur europäischen Klima- und Energiepolitik, an denen der damalige Umweltminister Andrä Rupprechter ebenso teilnahm wie die Abgeordneten zum europäischen Parlament Paul Rübig oder Angelika Mlinar. Als eine Reduktion der frei handelbaren Zertifikate und eine Besteuerung von mineralischen Bauprodukten drohte, feierte Asamer einen seiner größten Erfolge. »Durch das intensive Lobbying des Fachverbands in Brüssel ist es uns gelungen, dass alle betroffenen ETS-Branchen gleich behandelt werden. Das spart der Baustoffindustrie jährlich rund 100 Millionen Euro«, so Asamer.

Parallel zu den ETS-Diskussionen gewinnt das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung und setzt eine generelle Ökologisierung der politischen Themen ein. Das führt unter anderem zur Einsetzung eines Nachhaltigkeitsbeirates im Fachverband und dem Start mehrere Forschungsprojekt wie »Zukunftssicheres Bauen« oder »Regionalversorger Baustoffindustrie«. »In dieser Zeit haben wir uns auch erstmalig intensiv mit den Themen Umweltbelastungen und Umweltindikatoren im Bereich der Baustoffproduktion sowie den europäischen Umwelt-Produkt-Deklarationen auseinandergesetzt«, erklärt Asamer. Energieintensive Industrien wie die Zementindustrie mauserten sich durch umfassende Investitionen in Umweltschutz- und Energieeffizienzmaßnahmen sowohl bei den Emissionen als auch dem Einsatz alternativer Brennstoffe zu inoffiziellen Weltmeistern.

Fokus Ausbildung

Ein weiterer Meilenstein aus Asamers Amtszeit steht in Leoben. Dort wurde 2009 der Grundstein für die »HTL für Rohstofftechnik« gelegt. »Nur durch die maßgebliche Unterstützung des Fachverbandes konnte die Finanzierung des Schulzubaus und die Implementierung des Lehrbetriebs bewerkstelligt werden«, so Asamer. 2013 starteten die ersten Klassen und 2018 verabschiedete die HTL ihren ersten Maturajahrgang.

Blick in die Zukunft

Jetzt, nach zehn Jahren, übergibt Asamer die Führung des Fachverbands an seinen langjährigen Stellvertreter Robert Schmid, Geschäftsführer der Baumit Beteiligungen. Schmid wird nicht nur versuchen, die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers fortzusetzen, sondern will natürlich auch eigene Duftmarken setzen. Aktueller Schwerpunkt ist die »KlimAgenda der österreichischen Baustoffindustrie«. Darin wird aufgezeigt, wie mineralische Baustoffe bei der Erreichung der Klimaziele helfen können, welche positiven Auswirkungen die Baustoffindustrie auf die regionale Wertschöpfung hat und wie die österreichische Baustoffindustrie Klimaschutz und Wirtschaft in Einklang bringen kann. Die KlimAgenda wurde jetzt sämtlichen wahlwerbenden Parteien zur Verfügung gestellt. Sobald eine neue Regierung steht, soll das Lobbying intensiviert werden.

Fakten

Die österreichische Baustoffindustrie 2018
Umsatz: 3,5 Mrd. Euro
Beschäftigte: 13.100
Investitionen: 203 Mio. Euro
Anteil BIP: 0,91%

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