Fragen an die Politik: Digitalisierung von Planen, Bauen und Betreiben

Fragen an die Politik: Digitalisierung von Planen, Bauen und Betreiben

In der Rubrik »Fragen an die Politik«  haben Vertreter der Bau- und Immobilienwirtschaft die Möglichkeit, konkrete Fragen an Spitzenpolitiker zu richten. In der aktuellen Ausgabe kommen die Fragen von TU-Professor Gerald Goger und Fakro-Österreich Geschäftsführer Carsten Nentwig. Gerichtet wurde sie an Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und den niederösterreichischen Wohnbaulandesrat Martin Eichtinger.

Gerald Goger, Professor am Institut für Interdisziplinäres Bauprozessmanagement der TU Wien

»Bei der Anwendung von digitalen Bauprojekten wird eine hohe Sicherheit bei Kosten, Terminen und Qualitäten und eine Minimierung von Risiken erwartet. Ein möglicher Weg dorthin führt über ein digitales Lebenszyklus-Modell des Projektes, in dem die Anforderungen der Betreiber bzw. Nutzer virtuell in der Frühphase der Planung berücksichtigt werden. Parallel dazu werden ebenso in der Frühphase der Bauausführungsprozess und der Betriebsprozess optimiert.

Wo werden seitens der Politik hier in nächster Zeit rechtliche und politische Rahmenbedingungen gesetzt, um das Thema der Digitalisierung von Planen, Bauen und Betreiben voranzubringen und eine Bündelung der nationalen Interessen im Sinne einer effizienten Volkswirtschaft zu erreichen?«

Margarete Schramböck, Wirtschaftsministerin

(siehe Titelbild)

»Die Digitalisierung bietet unserem Standort durch alle Bereiche hindurch große Chancen und ist auch in der Baubranche der Hebel zur Effizienzsteigerung in den Fertigungs- und Managementprozessen. Das Building Information Modeling (BIM) wird in Zukunft großen Einfluss auf die optimale Planung aller Prozesse haben, denn die Vorteile eines 3D-Modells, über alle Phasen von Planung über Bau bis hin zum Betrieb hinweg, sind nicht von der Hand zu weisen.

Aus diesem Grund setzen wir bereits bei der Lehrausbildung an und werden auch im Baubereich verstärkt auf digitale Inhalte setzen. Auch bei der Ausarbeitung und Gestaltung entsprechender Standards, wie ÖNORM oder standardisierter Leistungsbeschreibungen, wird laufend hinsichtlich neuer Entwicklungen und Chancen, etwa durch die Digitalisierung, angepasst. In diesem Zusammenhang fand erst kürzlich ein Workshop im BMDW statt, in dessen Rahmen die Anwendung und Weiterentwicklung der Standardisierten Leistungsbeschreibungen in Verbindung mit Building Information Modeling auf breiter Basis diskutiert wurde.«

Thema: Sanierung

Carsten Nentwig, Geschäftsführer Fakro Österreich

»Im Neubau ist Österreich schon recht weit im Klimaschutz. Im GLOBAL 2000-Wohnbaucheck 2018 zählt NÖ zu den Vorreitern unter den Bundesländern. Das Problem sind jedoch der Altbestand und die geringen Sanierungsraten in den städtischen Regionen. Seit 2010 hat sich die Sanierungsrate in Öster­reich nicht, wie geplant, verdreifacht, sondern halbiert und liegt somit bei unter einem Prozent. Zudem verfehlt NÖ die Zielvorgaben der thermischen Qualität in der kleinvolumigen Wohnbausanierung bei weitem. Wie genau soll die Sanierungsschiene im Wohnbauförderungsprogramm zu einer Generalsanierung motivieren?«

Martin Eichtinger, Wohnbaulandesrat Niederösterreich

»Seit 1990 konnten die CO2-Emissionen der privaten Haushalte um 31,3 Prozent reduziert werden. Die Treibhausgas­emission eines niederösterreichischen Haushaltes wurde seit ebenfalls diesem Zeitraum halbiert. Die Heizungsanlagen privater Haushalte verursachen weniger als zehn Prozent des Gesamttreibhaus­gasausstoßes im Bundesland.

Da gerade um die Jahrtausendwende ein Boom bei der thermischen Gesamtsanierung sowohl bei Eigenheimen als auch im Wohnungsbau einsetzte, kam es in den letzten Jahren verhältnismäßig zu einem Rückgang, vor allem bei Sanierungen bei Ein- und Zweifamilienhäusern. Um diesen Rückgang zu stoppen, wird ab Herbst diesen Jahres eine neue Förderung ins Leben gerufen, die gerade Sanierungen im kleinvolumigen Wohnbau ankurbeln soll. Es wird in diesem Bereich speziell gezielte Förderungen geben. Dieses neue Modell ist eine Maßnahme des umfangreichen Katalogs der blau-gelben Wohnbaustrategie und befindet sich gerade in Ausarbeitung. 

Um die Lebensqualität für morgen zu sichern, beschäftigt sich das Land Niederösterreich seit Jahren mit der Energieeinsparung. Ein wesentliches Ziel im NÖ Energiefahrplan 2030 ist dabei der Ausstieg aus Öl und Gas. Seit Jahren wird im Sanierungsbereich darauf Wert gelegt und dementsprechend gefördert. Im November 2016 wurde unter anderem die Förderung für den Heizkesseltausch eingeführt. Dieses Modell wurde nun mit dem ›NÖ Raus aus Öl-Bonus‹ des Landes Niederösterreich, gültig seit 1. Mai 2019, erweitert und kann zusätzlich zur bestehenden Förderung des Bundes beantragt werden. Bis zu 8.000 Euro sind in Kombination zu holen. Durch die Maßnahmen, die im Laufe des Jahres umgesetzt und bereits erste Ergebnisse bringen werden, sind wir überzeugt, dass wir hier Anreize gesetzt haben und auch noch setzen werden, um einerseits die energiepolitischen Ziele zu erreichen, andererseits vor allem aber auch den persönlichen Wohnkomfort zu steigern und eine Verringerung der Heizko­s­ten herbeizuführen.«

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