Das Dilemma einer Branche

Am Kapaunplatz wurde ein Gemeindebau mit 746 Wohnungen aus dem Jahr 1950 für insgesamt 38,1 Millionen Euro generalsaniert. Davon wurden 28,7 Millionen Euro von der Stadt Wien gefördert. Vor der Sanierung lag der Energieverbrauch bei 142,89 kWh/m2/Jahr, nach der Sanierung bei 34,57 kWh/m2/Jahr. Am Kapaunplatz wurde ein Gemeindebau mit 746 Wohnungen aus dem Jahr 1950 für insgesamt 38,1 Millionen Euro generalsaniert. Davon wurden 28,7 Millionen Euro von der Stadt Wien gefördert. Vor der Sanierung lag der Energieverbrauch bei 142,89 kWh/m2/Jahr, nach der Sanierung bei 34,57 kWh/m2/Jahr.

Die heimischen Dämmstoffhersteller haben mit sinkender Nachfrage und fallenden Preisen zu kämpfen. Vor allem der Sanierungsbereich schwächelt enorm. Dazu kommen verstärkt Billigimporte aus dem Ausland. Es gibt aber auch Lichtblicke.

Von Bernd Affenzeller

Der heimische Dämmstoffmarkt ist heiß umkämpft. Die rückläufige Nachfrage hat einen Preiskampf ausgelöst, der den Herstellern stark zusetzt. Laut der aktuellen Studie „Dämmstoffe in Österreich 2015“ von Kreutzer Fischer und Partner sind die Herstellererlöse aus Dämmstoffen im Jahr 2014 um sechs Prozent auf 294,5 Millionen Euro geschrumpft. Und auch im Jahr davor lag das Minus laut Studienautor Andreas Kreutzer bei fünf Prozent. Für 2015 rechnet Kreutzer mit einer Fortsetzung. Eine Einschätzung, die auch von Branchenvertretern geteilt wird. Gernot Sattleder, Fachverkaufsleiter bei Capatect, sieht den Kuchen kontinuierlich kleiner werden. »Die mit Wärmedämmung zu belegenden Flächen werden weniger.« Weil aber jeder ein zumindest gleich großes, wenn nicht größeres Stück vom Kuchen wolle, leidet der Preis. Und auch Thomas Fröschl, Vertriebsleiter Österreich bei Rockwool, bestätigt ein rückläufiges Dämmstoffvolumen bedingt durch die schwache Baukonjuktur, speziell im Industriebau und im Sanierungsbereich. »Diesen verstärkten Preiswettkampf stellen nicht nur wir als Produzenten fest, sondern auch unsere Baustoffhändler.« So wie Fröschl sieht auch Andreas Kreutzer den Mengenrückgang ausschließlich im Sanierungsbereich begründet. »Sämtliche Warengruppen, die vor allem auf den Bestand abzielen, sind derzeit rückläufig«, sagt Kreutzer und spricht von einem Minus von acht Prozent in der Sanierung, für das vor allem die Privaten verantwortlich sind. Dass der Rückgang im Sanierungsbereich nicht noch deutlicher ausfällt, liegt nicht zuletzt an öffentlichen und öffentlichkeitsnahen Hausverwaltungen. So zeigen sich etwa die gemeinnützigen Bauträger von der allgemeinen Sanierungsmüdigkeit weitgehend unberührt. Mit einer laut Karl Wurm, Obmann des österreichischen Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen, jährlichen Sanierungsrate von sechs Prozent im Mietwohnungsbestand liegen die Gemeinnützigen weit vor den gewerblichen und privaten Bauträgern und Vermietern mit einer Sanierungsrate um die zwei Prozent. In den letzten Jahren haben sich die Sanierungsinvestitionen der Gemeinnützigen kontinuierlich auf rund 900 Millionen Euro erhöht. 2014 wurde diese Marke mit 870 Millionen Euro leicht unterschritten. Dass 2015 nur noch ein Sanierungsvolumen von rund 800 Millionen Euro erwartet wird, deutet laut Wurm auf einen gewissen Sättigungseffekt hin. »Über 90 Prozent der vor 1980 errichteten Wohnungen wurden bereits saniert.« Maßgeblich zum hohen Sanierungsvolumen beigetragen hat die thermische Sanierung des gemeinnützigen Wohnungsbestandes. Während in der 80er-Jahren jährlich rund 3.500 Wohnungen auf einen besseren energetischen Stand gebracht wurden, waren es 2014 bereits 15.000 Wohnungen.

Sanierungsoffensive in Wien

Eine Sanierungsoffensive startet auch die Stadt Wien. Wohneinheiten weitreichende Sanierungsarbeiten statt. »Bis Jahresende fällt in weiteren 44 Wohnhausanlagen mit etwa 4.700 Wohnungen der Startschuss für umfassende Revitalisierungsmaßnahmen«, Aktuell finden in 47 Wohnhausanlagen mit rund 10.000 erklärt Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. Darüber hinaus seien für 2016 schon heute weitere 35 Projekte mit rund 5.200 Wohnungen in Vorbereitung. Für die in Bau befindlichen Sanierungen belaufen sich die Gesamtbaukosten auf 369,9 Millionen Euro, davon stellt die Stadt Wien Sanierungsförderungen im Ausmaß von 174,2 Millionen Euro zur Verfügung. Für die 2015 und 2016 startenden Sanierungen werden bei Gesamtinvestitionen von 321,7 Millionen Euro seitens Wiener Wohnen Förderungen in der Höhe von weiteren 110,7 Millionen in Anspruch genommen. Im Zuge der Revitalisierung von städtischen Wohnhausanlagen setzt die Stadt Wien verstärkt auch auf thermisch-energetische Maßnahmen. So könne allein durch die in den vergangenen fünf Jahren fertiggestellten Sanierungen von 123 Wohnhausanlagen mit 21.616 Wohneinheiten eine Energieeinsparung von 83,5 Gigawattstunden pro Jahr erreicht werden. »Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Energieverbrauch von über 30.000 Wohnungen und damit in etwa dem Stromverbrauch aller Haushalte im Bezirk Margareten«, erklärt Ludwig. Es ist der Stadt Wien auch ein Anliegen, dass bei der Auftragsvergabe seriöse, wenn möglich heimische Firmen zum Zug kommen, um undurchsichtige Subvergaben und Lohn- und Sozialdumping zu verhindern. Dass man in der Vergangenheit mit privaten Unternehmen nicht immer glücklich war, gibt Ludwig unumwunden zu. Dagegen versucht man sich nun mit verschärften Ausschreibungsbedingungen, höheren Qualitätskriterien und verschärften Kontrollen zu wehren. Über die höheren Qualitätskriterien wird sich auch die heimische Dämmstoffindustrie freuen, die sich in den letzten Jahren verstärkt mit Billigimporten aus dem Ausland konfrontiert sieht. 2014 hat alleine der slowakische Billighersteller Slovizol in Österreich 60.000 Kubikmeter abgesetzt. Ein Großteil davon landete auf Wiener Baustellen. »Es ist ein Faktum, dass viele dieser Billigstimporte gar nicht den technischen Anforderungen und Normen in Österreich entsprechen«, weiß Peter Schmid, geschäftsführender Gesellschafter der Austrotherm GmbH. Im Bereich EPS hat die Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-Hartschaum (GPH) schon 30 rechtsgültige Unterlassungserklärungen bei nicht zulässigen Materialien erwirkt. Dennoch glaubt Schmid, dass »öffentliche Stellen zu wenig an stärkeren Kontrollen interessiert sind«. Auch Gernot Sattleder kritisiert, dass die Chancengleichheit oft nur auf dem Papier besteht. »Unter diesen Billigimporten von Arbeitskräften und Baumaterialien leidet der Markt enorm. Es braucht strengere Kontrollen und vor allem Konsequenzen für diejenigen, die sich auf diesem Weg ein paar Euro sparen wollen.«

Was es für den Aufschwung braucht

Für einen generellen Aufschwung hofft die Branche auch auf Unterstützung der Politik. Thomas Fröschl glaubt, dass die Zweckbindung der Wohnbauförderung ein erster Schritt zur Belebung des Marktes sein könnte. »Auch die zuletzt angedachten Modelle zur Reform im Vergabewesen können die heimische Bauwirtschaft stärken«, so der Rockwool Vertriebsleiter. Auch Peter Schmid sähe in der Zweckbindung der Wohnbauförderung sowie den steuerlichen Abschreibemöglichkeiten für Maßnahmen der thermischen Sanierung gute Ansätze. Und Roland Hebbel, Geschäftsführer Steinbacher Dämmstoffe, fordert vor allem Strukturreformen, um die überbordenden Ausgaben der öffentlichen Hand einzudämmen. Andreas Kreutzer sieht das Hauptproblem in der fehlenden Zuversicht der Menschen. »Die Stimmung ist schlecht. Der Spargedanke, der von der Politik eingefordert wird, wird von den Privaten gelebt. Das ist makroökonomisch genau das Falsche.« Die wichtigste Aufgabe der Politik sei es deshalb, für eine bessere Stimmung zu sorgen. »Was wir brauchen, ist mehr Mut«, so Kreutzer.


Die »leichte Alternative« Isolationsbeton

»Leichtbeton, entweder direkt vor Ort ausgeführt in Form von Isolationsbeton oder in Form von Leichtbausteinen, ist ideale Baustoff für energieeffizientes Wohnen«, ist Gernot Tritthart, Marketing & Innovation Director Lafarge Central Europe, überzeugt. Denn Leichtbeton habe in der Verarbeitung ähnliche Eigenschaften wie herkömmlicher Beton, punkte aber durch seine Wärmedämmung, seine einfache Bearbeitung und eine hervorragende Schalldämmung. Durch spezielle, besonders feinkörnige Rezepturen kann der Isolationsbeton auch für sichtbar bleibende Oberflächen ideal eingesetzt werden. Durch die hohe Wärmekapazität des Isolationsbetons wirkt das ganze Haus wie ein großer Wärmespeicher und reduziert so die Energiekosten auf ein Minimum. Zusätzliches Dämmmaterial soll dadurch überflüssig werden. Die Oberfläche des Isolationsbetons fühlt sich deutlich wärmer als die von »normalen« Betonoberflächen an. Die Struktur der Sichtbeton-Oberfläche lädt zum Angreifen ein und ist optisch interessant.

Last modified onDienstag, 05 Mai 2015 13:14
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