Zukunft am Bau

Zukunft am Bau

Der Fachkräftemangel ist in der Arbeitswelt leider Alltag und schreitet, in Verbindung mit der rasanten Automatisierung und Digitalisierung, schnell voran. Um ihm entgegenzutreten, braucht es eine Bewusstseinsänderung im Gesellschaftsbild sowie in der Aus- und Weiterbildung.

Die Baulehrlinge wünschen sich vor allem moderne und zukunftsträchtige Ausbildungsinhalte«, berichtet Eva Rauch, Lehrlingsexpertin in Oberösterreich, von ihren Gesprächen. Die Baubranche muss sich hip und cool präsentieren, um von Jugendlichen nachhaltig wahrgenommen zu werden. Bislang war davon am Bau wenig zu sehen, die guten Berufsaussichten wurden kaum erkannt. Das spiegelt sich im bestehenden Fachkräftemangel am Bau wider, von FußbodenschleiferInnen bis zu DachdeckerInnen.

Bild oben: Andreas Hauser, Geschäftsführer der BAUAkademie Wien: »Viele Baumeister beklagen das fehlende Praxiswissen von HTL-Absolventen.«

Die Bundesinnung Bau arbeitet derzeit am Konzept Baulehre 2020 zur strategischen Neuausrichtung der Baulehre. Baumeister Johannes Dinhobl, Vorsitzender des Ausschusses für Berufsausbildung, hält fest, dass auf die Imagesteigerung durch moderne Berufsausbildung, die Modernisierung der Lehrinhalte wie Digitalisierung und moderne Bautechniken, die Modularisierung der Baulehre sowie Schaffung einer Baukaderlehre besonders geachtet wird.  »Wir müssen die Lehre für neue Zielgruppen, etwa mehr Frauen und Personen über 21, öffnen«, forderte auch Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck im Rahmen des Expertengipfels »Mit der Lehre an die Spitze«. Die Lehre müsse Breitensport und nicht Spitzensport sein. Bereits jetzt gibt es für Wissbegierige das Auslandspraktikum Erasmus. Baurat Walther Wessiak, Kursleiter an der BAUAkademie Steiermark und Geschäftsführer von Bau+Brunnen Consulting, verweist auf die neue Ausbildung zum/zur Bautechnischen AssistentIn für Poliere und Bauleiter, die seit Juli 2018 angeboten wird.

Digital fit am Bau

2018 haben alle BAUAkademien im Auftrag der Bundesinnung das Projekt Digitalisierung der Baulehre gestartet. Im Mittelpunkt stehen digitales Erlernen, digitales Lernen sowie der Zugang zu innovativen Methoden und Werkzeugen. Andreas Hauser, Geschäftsführer der BAUAkademie Wien: »Das Feedback unserer SchülerInnen ist sehr positiv. Viele waren am Anfang der Meinung, Arbeiten am Bau sei heiß, schwierig, kalt und man sei immer draußen.« Mit der Digitalisierung hat sich das gewandelt. Vermessungsgeräte werden heute von einer Person bedient, früher war ein ganzes Team nötig.

Bild oben: »Durch e-Learning gelingt die Modernisierung des Lernens auf mehreren Ebenen«, sagt Harald Kopececk, Geschäftsführer der BAUAkademie Oberösterreich.

Nicht nur die Vermessung wird digitalisiert, ebenso Dokumentation und Wissensvermittlung. »Durch innovatives e-Learning gelingt die Modernisierung des Lernens in der trialen Baulehre auf mehreren Ebenen«, informiert Harald Kopececk, Geschäftsführer der BAUAkademie Oberösterreich. Anfang 2019 gibt es auch einen jugendgerechten Youtube-Channel mit zahlreichen Kurzfilmen zum Bauhandwerk. Weitere Schwerpunkte neben den technischen Lehrinhalten liegen im Bereich unternehmerische Kenntnisse, Persönlichkeitsentwicklung, Grundlagen der Führung, vertiefende Kenntnisse und Fertigkeiten des Baustellenbetriebes. Kopececk: »Damit wollen wir vor allem gute Schüler der NMS für die Lehre begeistern.«  www.baudeinezukunft.at macht die Lehre greifbar, zeigt das große Potenzial, das mit der Entscheidung für den Bau verbunden ist.

Apropops e-Learning: Der VÖB launcht derzeit die Plattform Beton.Wissen. Neben der Vermittlung von Grundlagen über den Baustoff Beton und die gesamte Palette der Betonfertigteile wird die Möglichkeit geboten, an Seminaren zu einzelnen Produktgruppen teilzunehmen und Montageanleitungen zu bestimmten Betonfertigteilen zu erhalten. VÖB-Geschäftsführer Gernot Brandweiner: »Für praktische Übungen sind Lern-Videos, Podcasts und Webinare zum Download geplant.« Teil des Projektes ist das Miteinbeziehen von Partnern aus der Wirtschaft. Hilti stellt zum Beispiel moderne digitale Vermessungsgeräte zur Verfügung, um die IT-affine Jugend noch mehr anzusprechen. Klar ist aber: Jede Baustelle ist auch weiterhin primär mit manuellen Arbeiten verbunden.  Solange der super­smarte Roboter nicht entwickelt ist, muss eine Schalung händisch errichtet werden.

Fit in der Ausbildung

Für Günther Metzler, Lehrlingsbeauftragter der Strabag, stellt die duale bzw. triale Ausbildung – Betrieb, Berufsschule, BAUAkademie – das Erfolgsmodell dar. »Zurzeit werden die Lehrberufsbilder überarbeitet, Berufsbilder modernisiert, Bauberufe an den heute modernen Baustellenbetrieb angepasst.« Skepsis kommt vom VÖTB. »Im Trockenbau ist der Lehrplan bereits über 30 Jahre alt«, kritisiert Gregor Todt. Der heutige Trockenbau habe nichts mehr mit Leichtbau-Ständerwänden, Verschrauben oder Verklammern zu tun. Zudem fehlten Kontakte: Die Gipsplattenindustrie stünde mit Berufsschulen in Verbindung, mit der Messtechnikindustrie nicht mehr.

Bild oben: Bei den Berufsinfotagen Hammerlehre in der Berufsschule Bau in Wien 22 können Jugendliche ihre Talente und Fähigkeiten in Werkstätten erproben. 

Die Kritik, dass die Lehrausbildung an den Berufsschulen der aktuellen Bautechnologie hinterherhinkt, lässt Andreas Hauser nicht gelten. »Die Ausbildung ist ausreichend, und die Lehrkräfte sehr bemüht.« Vielfach können die Lehrlinge dem Lehrplan nicht folgen, es bestehen schon Probleme bei den Grundrechnungsarten. Hauser fordert bereits in Volks- und Hauptschule eine Bildungsreform, auch das Elternhaus sei gefordert.  Positives dazu von der Berufsschule Freistadt: »In den letzten zwei Jahren wurden alle Lehrpläne im Baubereich neu überarbeitet«, so Direktor Gerhard Kutschera. Der Lehrplan werde immer so gestaltet, dass neue Technologien jederzeit eingebunden werden können. Engagiert zeigen sich die Akademien zweier führender Bauunternehmen in Österreich: Porr und Strabag. Die Porr investiert fünf Millionen Euro in ihren Ausbildungscampus. Ab September 2019 reicht das Angebot von der Facharbeiterausbildung über Sicherheits- und Führungskräfteschulungen bis zur internen Lehrlingsausbildung. Damit soll die Zahl der Lehrlinge von aktuell knapp vier Prozent kurzfristig auf fünf und mittelfristig auf acht Prozent erhöht werden. Zu den Schulungsthemen der Strabag-Lehrlingsakademie zählen u.a. Schalungsbau, Kanalbau, Hochbau, Vermessung, Baugeräte, Pflasterbau und Arbeitssicherheit. Sto fördert seine Kunden mit umfangreichen Technikforen, z.B. zu WDVS ÖNORM B6400-1 neu, Betoninstandsetzung, Bodenbeschichtungen, Holzbau, gesunder Innenraum etc.

Fehlende Praxis

Durch Konzentration in der Bauwirtschaft gibt es einen starken Rückgang der Betriebe. In der Baubranche bilden laut Andreas Ruby, Geschäftsführer Landesinnung Bau Wien, nur 28 Betriebe in Wien die Lehrberufe Maurer, Schalungsbauer und Tiefbauer aus. Im Jahr 2008 gab es noch 76 Ausbildungsbetriebe. »Wenige Firmen tun dies aus Überzeugung«, betont Thomas Stangl, Obmann des Verbands österreichischer Dämmunternehmungen. Die Bauverbände greifen ausbildenden Baufirmen finanziell unter die Arme: Die Landesinnung Bau Wien beispielsweise bietet ab dem Schuljahr 2018/19 gekoppelt an die bundesweite Lehrlingsprämie eine einmalige Förderung in den Berufen Maurer, Schalungsbauer, Tief- und Gleisbauer in Höhe von 3.000 Euro. »Wenn ein Unternehmer von der Notwendigkeit auszubilden nicht überzeugt ist, wird er es auch dank der Finanzspritze nicht machen«, meint Thomas Stangl. Für ihn liegt der Ausweg im direkten Kontakt. »Es braucht Kontakt zwischen Innung und Lehrherr sowie Berufsschule und Lehrherr.« Entsprechende Gespräche führt er bereits. Helmut Kaltenhauser, Lehrlingsausbildner bei Empl Bau: »Ich bin Beisitzer in der Innung, wir tauschen uns regelmäßig mit BAUAkademie und Berufsschule aus, sprechen über Verbesserungsmöglichkeiten. Leider nehmen immer nur vier oder fünf Ausbildungsbetriebe daran teil.«

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