Warnung
  • JUser: :_load: Fehler beim Laden des Benutzers mit der ID: 72

Internet of Dings

Foto: "Ohne Internet? Ein Leben wie im Nebel." Foto: "Ohne Internet? Ein Leben wie im Nebel." Foto: Thinkstock

Dank intelligenter Technik rund um uns können wir uns endlich Essentiellerem zuwenden.

Guten Morgen! Ach, Unsinn, Mahlzeit, haha, ja, schon so spät. Ich war nur gerade etwas in Gedanken, weil, Moment, noch schnell … diesen … einen … Tweet … »Gerade statt ›Mahlzeit‹ ›Guten Morgen‹ gewünscht LOL« … Senden … so! Bin wieder ganz bei Ihnen! Also, das Internet. Ja, Wahnsinn. Kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass es das erst so kurz gibt! Das gibt’s ja erst seit … Moment, Wikipedia …. was, schon in den 60er-Jahren … tschuldigen S', ich überflieg das mal … »technischer Vorläufer« … »US-Army« eh klar …  achso, ja, also seit etwa 25 Jahren! Ein Vierteljahrhundert gibt’s das Internet und man kann sich kaum mehr vorstellen, wie das ohne jemals gegangen ist! Einfach unvorstellbar! Unvorstellbar … fettig, mein Gott, der Horak postet auf Instagram ein Foto von seinem Mittagessen, also bitte, einen so unvorstellbar fettigen Schweinsbraten hab ich ja schon ewig nimmer gesehen, also der hat’s grad notwendig. Like!

Wo war ich? Ach ja: Was müssen die Leute früher ohne das Internet ratlos durch die Gegend geschlurft sein! Armselig! Blind quasi! Wie in einem Nebel! Keine Information, nirgends! Außer in der Bibliothek, oder im Brockhaus, oder was weiß ich! Die Zeit, die da allein dafür draufgegangen ist, irgendwelche Infos zu beschaffen, also ich kann mir nicht … Wow, schon zwölfmal favorisiert, der Tweet, na bitte … also, wie gesagt: Ohne Internet – wie im Nebel! Wer hat bloß die ganzen Fragen beantwortet, bevor es Google gab? Ich mein, die Irmi, die fragt ja buchstäblich ALLES auf Google, nicht, »was aus Kürbis und Kartoffeln kochen«, »welche Winterschuhe zweijähriges Kind«, »haariges Muttermal auf Pobacke gefährlich« – auch das hätt’s früher nicht gegeben! Gut, ja, wenn man Gesundheitsfragen an Google stellt, landet mal halt immer bei Krebs, gut, ja, es hat nicht alles Vorteile, aber … Sekunderl, das muss ich kurz … Email … »Sexy Singles in Ihrer Umgebung«? Dieser blöde Spamfilter, weg damit … und dieser Newsletter vom Diskonter, den bestell ich jetzt auch ab, wo ich grad dabei bin … den auch ... Sekunderl – so!

Jedenfalls muss das Leben vor dem Internet grausam gewesen sein. Wie umständlich und mühsam! Alles so langsam! Da hatte man ja überhaupt keine Zeit für die schönen Dinge des Lebens! Da musste man dauernd hier zur Post fahren, da Fotos vom Ausarbeiten abholen, etwas faxen, haha, oder bitte: einen Brief schreiben! Mit der Hand! Da ist man ja sonst zu nix ge… Moment, der Hubert fragt mich was auf What’sApp, da muss ich kurz … Sekunderl …

Jedenfalls: das Internet. Ich weiß gar nicht mehr, wie das war, vorher. Nein, wirklich. Kein Schmäh. Im Ernst: Ich weiß es nicht mehr. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Vielleicht ist das ja wirklich so ein, ehschonwissen, na, wie heißt das, irgendwas mit »digitale Dings«, also, wie heißt das, wenn einem die Sachen nimmer einfallen? »Digitale Dings«, dass einem quasi das, na geh, das Gegenteil von Langzeitgedächtnis, geh bitte, also das ärgert mich jetzt, das schau ich nachher in meinem Browserverlauf noch nach, irgendwas mit Dings oder so.

Ui, schon 24 Mal favorisiert, der Tweet. Wo war ich?

Last modified onFreitag, 06 November 2015 15:13
back to top