Die Stimmung ist schlechter als die Realität

Christian Greicha (rechts) und Kurt Karl . »2015 wollen wir in Österreich dank innovativer Produkte moderat wachsen und neue Umsatzpotenziale wie etwa in der Sanitärmontagetechnik heben.« Christian Greicha (rechts) und Kurt Karl . »2015 wollen wir in Österreich dank innovativer Produkte moderat wachsen und neue Umsatzpotenziale wie etwa in der Sanitärmontagetechnik heben.« Foto: fischer Austria

Im Doppelinterview mit dem Bau & Immobilien Report sprechen der neue Geschäftsführer von fischer Austria, Christian Greicha, und CFO Kurt Karl über die aktuelle Stimmung in der Bauwirtschaft, schwierige Exportmärkte und die Auswirkungen politischer Impulse wie Sanierscheck und Handwerkerbonus.

Report: Herr Greicha, Sie sind seit Mitte Juli Geschäftsführer von fischer Austria. Mit welchen kurz-, mittel- und langfris­tigen Zielen haben Sie das Amt angetreten?
Christian Greicha:
Das Unternehmen verfügt über eine sehr stabile Mannschaft und ein sehr stabiles Geschäft. Mein Ziel ist aber natürlich Wachstum. Deshalb analysieren wir den Markt sehr genau und überlegen im Team, wo die Potenziale am größten sind. Das betrifft etwa den Bereich Sanitärmontagetechnik, wo wir derzeit noch nicht sehr präsent sind. In Österreich sind wir aber generell sehr gut aufgestellt und im Markt so fest etabliert, dass es unsererseits sicher kein aggressives Vorgehen im Kampf um Marktanteile geben wird. Die größeren Herausforderungen liegen derzeit sicher in unseren Exportmärkten wie Kroatien und Bulgarien. Dort gibt es einige Hausaufgaben zu meistern.

Report: Auch in Österreich werden die Konjunkturdaten laufend nach unten revidiert. Sogar eine Rezession scheint möglich. Wie geht es der Bauwirtschaft aus Sicht der Zulieferer?
Greicha: 
Die Stimmung in der Branche ist derzeit sicher nicht besonders gut. Dem können wir uns auch nicht gänzlich entziehen. Andererseits haben wir Produktinnovationen in der Pipeline, die es uns ermöglichen sollten, besser zu performen als der Gesamtmarkt. Deshalb herrscht bei uns ein moderater Optimismus.
Man muss aber auch sagen, dass sich das in der Branche herrschende Stimmungstief noch nicht wirklich greifen lässt. Es ist ja auch nicht so, dass es keine Projekte gäbe. Es gibt große Infrastrukturprojekte wie etwa Autobahnneubauten. Die Stimmung ist aus meiner Sicht schlechter als die wirtschaftliche Lage.

Report: Viele Branchenvertreter fürchten, dass die zahlreichen auslaufenden Großprojekte vor allem im Großraum Wien–  wie der neue Hauptbahnhof, der DC Tower oder das Krankenhaus Nord – zu einer ordentlichen Delle führen könnten.
Greicha: 
Das ist im Hochbaubereich sicher richtig. Unser Vorteil ist, dass wir mit unseren Produkten auch in den Baumärkten präsent sind. Und saniert und heimgewerkt wird immer.

Report: Was ist für fischer Austria interessanter? Ein großes Tunnelprojekt oder ein Hochbauprojekt?
Greicha:
Wir haben für alle Bauprojekte die richtigen Lösungen. Aber bei einem Tunnelprojekt ist die technische Komplexität sicher höher, da können wir mit unserem Know-how und unseren Produkten sicher noch mehr punkten. Da geht es auch noch viel mehr um Beratung und gemeinsame Erarbeitung von Lösungen. Je komplexer das Projekt ist, desto größer ist auch das Einsparungspotenzial durch unsere Dienstleis­tungen. Das gilt aber natürlich auch für den Hochbau.

Report: Wie entwickelt sich der Heimwerkermarkt und inwieweit kann der Heimwerkermarkt als Indiz dafür herangezogen werden, wie es dem Baugewerbe geht?
Kurt Karl:
Das ist ganz interessant zu beobachten. Früher war diese Korrelation absolut zutreffend, da konnte man ganz genau die Wechselwirkung zwischen Fachhandelsumsatz und Do-it-yourself beobachten. Heute gilt das nicht mehr.

Report: Zeigen Maßnahmen wie der Sanierungsscheck oder der Handwerkerbonus ihre erhoffte Wirkung?
Greicha: Ich bin ein großer Verfechter des Sanierungsschecks, der aus meiner Sicht unglaublich viel bewirken kann. Es ist aber traurig, wenn das Fördervolumen schon früh im Jahr ausgeschöpft ist.

Report: Wie hat sich das Fachhandels- und Heimwerkergeschäft 2014 in Zahlen entwickelt?
Greicha:  Wir verzeichnen eine Parallelentwicklung mit einem leichten Plus in beiden Bereichen.

Report: In Ost- und Südosteuropa haben viele heimische Unternehmen derzeit nicht viel zu lachen. Wie laufen aktuell die Geschäfte in den von fischer Austria zu verantwortenden Ländern (Albanien, Bosnien, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Slowenien, Anm.d.Red.)?
Greicha: Auch wir haben in vielen dieser Märkte derzeit zu kämpfen. Wir gehen zwar davon aus, dass in Ländern wie Kroatien die Talsohle erreicht ist, aber Länder wie Bulgarien sind natürlich auch aufgrund der politischen Instabilität immer noch ein Sorgenkind. Dabei wäre der Bedarf auf jeden Fall gegeben, zu bauen und zu sanieren gäbe es genug.

Report: Fischer versucht seine Produkte nicht über den Preis zu verkaufen. Wie schwierig ist es, sich in diesen Märkten zu behaupten, wo der Preis eine doch sehr große Rolle spielt?
Greicha: Das ist sicher nicht immer einfach. Aber wir haben etwa in Kroatien einen Partner, der uns immer wieder versichert, die Kooperation mit fischer sei das Beste gewesen, was ihm passieren konnte. Denn laut ihm ist zwar ein Viertel der Kunden rein auf den Preis fokussiert, der Rest ist aber für eine Qualitätsdiskussion offen.
Prinzipiell gilt, dass wir in allen diesen Ländern mit Wachstum rechnen, natürlich von Land zu Land unterschiedlich in der Dimension. Aber die Richtung ist überall gleich.

Report: Ein relativ neuer Geschäftszweig in Deutschland ist fischer Consulting. Dabei sollen Unternehmen, Institutionen und Behörden bei der Gestaltung ihrer Prozesse beraten werden. Ist fischer Consulting auch für Österreich ein Thema?
Karl: Es gibt Kunden in Österreich, es ist aber derzeit nicht angedacht, in Österreich eine eigene Niederlassung zu gründen. Sollte es die Anzahl der Beratungsmandate in Österreich erfordern, kann sich das aber natürlich schnell ändern.
Es zeigt sich aber auch, dass anscheinend die Zeit noch nicht ganz reif ist. Von den Kollegen in Deutschland höre ich, dass die Bauverantwortlichen etwa in Sachen Optimierung des Baustellenmanagements alles andere als offen sind. Die Bereitschaft der Veränderung ist im organisatorischen Bereich nicht sehr stark ausgeprägt.
 
Report: Herr Greicha, wie müsste 2015 laufen, dass Sie Ihr erstes volles Jahr als fischer-Austria-Geschäftsführer als Erfolg bezeichnen würden?
Greicha: In Österreich geht es ganz allgemein um moderates Wachstum. Zudem wollen wir im Bereich Sanitärmontagetechnik Fuß fassen. Und in den aktuellen Sorgenmärkten Bulgarien und Kroatien wollen wir den entscheidenden Schritt nach vorne machen. Es geht dar­um, wie Herr Fischer gesagt hat, die PS auf den Boden zu bringen. Wir konzentrieren uns auf die Bereiche, wo wir unsere Stärken haben und einen echten Kundennutzen bieten können?
Und schließlich geht es darum, unsere aktuellen Innovationen wie etwa die Green Line, ein Befestigungsprogramm aus nachwachsenden Rohstoffen, erfolgreich zu platzieren.

Karl: Damit wollen wir auch ein Bewusstsein schaffen, dass der Ökologiegedanke auch in der Bauwirtschaft wichtig ist und gelebt werden kann. 

Greicha: Und mir persönlich ganz wichtig sind die Mitarbeiter. Erfolg kann man nur als Team haben. Deshalb ist es mir wichtig, die Mitarbeiter ins Boot zu holen, um dann gemeinsam neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen.

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