Notkamine – Versorgungssicherheit vs. Kosteneinsparung

Notkamine – Versorgungssicherheit vs. Kosteneinsparung Foto: Thinkstock

Mit der Novelle zur Wiener Bauordnung will die Politik das Bauen kostengünstiger machen. Während einzelne Punkte wie die Reduktion der Stellplatzverpflichtung oder die Einführung einer eigenen Widmungskategorie »förderbarer Wohnbau« sehr sachlich diskutiert und weitgehend positiv aufgenommen wurden, lässt der Verzicht auf Notkamine die emotionalen Wogen hochgehen. Sogar eine eigene Petition »Rettet den Kamin!« wurde gestartet. Der Bau & Immobilien Report hat Hans Jörg Ulreich, Bauträgersprecher im Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WKÖ, und Edmund Drohojowski, Geschäftsführer Ahrens Schornsteintechnik, zum verbalen Schlagabtausch gebeten.

Pro: Versorgung und Arbeitsplätze sichern
»Der aktuelle Entwurf der Novelle zur Wiener Bauordnung stellt nicht nur für das Baugewerbe eine gefährliche Reform­idee dar, sondern geht auf Kosten der Sicherheit von uns allen. Die Ereignisse der letzten Wochen zeigen, dass aufgrund des heftigen Schneefalls tausende Menschen in Österreich ohne Strom und Heizung auskommen mussten. Ich frage mich also: Wie sollen sich Herr und Frau Österreicher bei Netz­ausfällen selbst mit Wärme versorgen, wenn der Entfall der Verpflichtung zum Bau von Notkaminen in der Bauordnung beschlossen wird?
Ich appelliere eindringlich an das wirtschaftliche und soziale Engagement, die Grundwärme als Sicherheitsbedürfnis für jeden Wohnungseigentümer zu erkennen. Wir bei Ahrens sorgen seit mittlerweile fast 40 Jahren dafür, dass Familien und Bewohner sich auch in Zeiten möglicher Versorgungsunsicherheiten selbst mit lebensnotwendiger Wärme versorgen können.
Durch einen Wegfall des Kamins würden neben der Gefährdung sozialer Sicherheit auch Arbeitsplätze und Umsatz­einbußen für zig Branchen die Folge sein: Baunebengewerbe und Handwerk, Rauchfangkehrer, Ofenbauer und Hafner, Energieanbieter u.v.m. Ein nachträglicher Einbau eines Kamins ist unverhältnismäßig teurer als die Errichtungskosten, die nur ca. 1 Prozent der Gesamtbaukosten betragen.
Ich würde mir seitens der Politik sowie unserer Standesvertretungen mehr Engagement für eine zukunftssichere Versorgung unserer Mitmenschen wünschen – und damit einhergehend eine gemeinnützige und bürgerfreundliche Gesetzgebung.«
Edmund Drohojowski, Geschäftsführer Ahrens Schornsteintechnik

Contra: Marketing statt Lobbyismus
»Als Sprecher der österreichischen Bauträger ist es meine Pflicht, gesetzliche Änderungen voranzutreiben, die an die neuesten Sicherheits-, Technik- und Umweltkriterien angepasst sind und alte, unzeitgemäße Regulierungen endgültig aus dem Normendschungel zu verbannen. Als Unternehmer bin ich verpflichtet, für meine Kunden die höchsten Ansprüche an Gebäudesicherheit zu stellen.
Ich habe genau deswegen die Abschaffung der Notkaminpflicht in Wien seit Jahren vehement eingefordert und nun die Änderung in der Novelle zur Wiener Bauordnung positiv begrüßt. Die Steirer, Oberösterreicher, Tiroler, Salzburger und Vorarlberger haben schon erkannt, dass die Notkamine alleine keine ausreichende Versorgungssicherheit im Krisenfall bieten, denn kurzfristig stehen weder Öfen noch Heizmaterial in ausreichender Anzahl zur Verfügung. Wenn man nicht nur den Kamin sondern auch alle Nebenarbeiten und den Nutzflächenverlust rechnet, dann reden wir von bis zu 4 % der Baukosten. Unsere neu gebauten und super gedämmten Niedrigenergiehäuser – und nur um die geht es – kann man notfalls mit kaminungebundenen Elektroheizkörpern oder sogar stromlos mit Bioethanolöfen ungleich günstiger ›absichern‹.
Die Kampagne der vermeintlichen ›Retter des Kamins‹ spielt mit den Ängsten der Bevölkerung und wirft uns vor, auf Kosten der Sicherheit Einsparungen erzwingen wollen. Die tun ja so, als ob die Kamine verboten werden sollen!
Die Kritiker halten aus reinem Eigeninteresse, auf Kosten der Endverbraucher, an einer starren Regulierung fest. Sie sollten damit aufhören, ungerechtfertigte Ängste zu schüren und statt Lobbyismus Marketingstrategien einsetzen.«
Hans Jörg Ulreich, Bauträgersprecher im Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der WKÖ

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