Baudesaster vermeiden

Der Einsatz von BIM könnte helfen, Planungskatastrophen wie Skylink, Elbphilharmonie Hamburg oder Flughafen Berlin-Brandenburg (Bild) zu vermeiden. Der Einsatz von BIM könnte helfen, Planungskatastrophen wie Skylink, Elbphilharmonie Hamburg oder Flughafen Berlin-Brandenburg (Bild) zu vermeiden.

Building Information Modeling ist weiter auf dem Vormarsch. In Deutschland haben »Katastrophen« wie die Elbphilharmonie oder der Flughafen Berlin-Brandenburg die Sensibilität gegenüber BIM deutlich erhöht. In Österreich hingegen gibt es immer noch eine gewisse Skepsis – aufgrund eines weitverbreiteten Irrtums.

Zahlreiche Veranstaltungen alleine in den letzten Wochen zeigen, dass es an dem Thema Building Information Modeling kein Vorbeikommen mehr gibt. Nemetschek lud Anfang Juni unter dem Motto »BIM–Alter Wein in neuen Schläuchen, oder was wirklich dahintersteckt« zu drei Veranstaltungsabenden mit Rasso Steinmann, Leiter des Instituts für angewandte Bauinformatik an der Hochschule München, in Wien, Salzburg und Graz. Tenor der Veranstaltungen: »In den nächsten Jahren wird die Optimierung aller Prozesse im Lebenszyklus eines Gebäudes zum zentralen Thema. BIM eröffnet neue Dimensionen in den Bereichen Planungssicherheit, Transparenz, Durchgängigkeit und Qualität.« Bereits Anfang Mai lockten prominente Referenten wie Alfred Hagenauer, Geschäftsführer der A-Null Bausoftware GmbH, Christian Artaker, CEO der Artaker Büroautomation GmbH, oder Hanns Schubert, Geschäftsführer der Schubert Ziviltechniker GmbH, rund 150 Besucher in den Festsaal der TU Wien. Auf allen Veranstaltungen waren sich die Branchenvertreter einig, dass der Siegeszug von BIM nicht aufzuhalten ist. Aber während international die BIM-Durchdringung schon jetzt sehr hoch ist, hinkt man in Österreich zum Teil noch hinterher. So verzeichneten etwa die USA in den letzten fünf Jahren ein Wachstum von 400%, in Großbritannien ist die Akzeptanz gegenüber BIM von 13% im Jahr 2010 auf heute 39% gestiegen, in Australien und Singapur liegt die Akzeptanz von BIM bei 50%, und in Großbritannien, den Niederlanden und Skandinavien werden bei öffentlichen Ausschreibungen bereits BIM-Modelle als Planungsgrundlage verlangt. In Österreich ist das derzeit noch nicht der Fall, bald könnte es aber soweit sein. Anfang des Jahres sprach sich das Europäische Parlament für eine Modernisierung des Vergaberechts aus. Dabei geht es auch um den Einsatz von computergestützten Methoden wie eben BIM bei der Vergabe von öffentlichen Bauaufträgen und Ausschreibungen. »Die Verabschiedung der Richtlinie für das EU-Vergaberecht bedeutet, dass bis 2016 alle 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die Nutzung von BIM bei der Realisierung von öffentlich finanzierten Bau- und Infrastrukturprojekten fördern sollen und diese genauer spezifizieren sowie verpflichtend anordnen können«, erklärt Christian Artaker. Das Einsparungspotenzial für den Steuerzahler durch BIM ist enorm. Gemäß einem 2012 erschienenen Bericht der Europäischen Kommission konnten öffentliche Einrichtungen, die eine digitale BIM-Lösung implementiert haben, bis zu 20% Kosten sparen. Bereits 2002 hat eine internationale Studie festgestellt, dass 86% aller Großprojekte der öffentlichen Hand teurer werden als anfangs geplant. 28% betragen die Mehrkosten im Schnitt. Verantwortlich dafür sind sehr oft Planungsfehler, die mit dem Einsatz von BIM deutlich reduziert werden könnten. In Deutschland ist durch die Baudesaster Elbphilharmonie und Flughafen Berlin-Brandenburg, die jeweils auf BIM verzichteten, bereits eine Öffnung der Politik in Richtung BIM spürbar. Im zuständigen Verkehrsministerium ist laut »Welt« sogar eine regelrechte BIM-Begeisterung ausgebrochen. Minister Alexander Dobrindt hat bereits mehrere Pilotprojekte angekündigt und will in Zukunft »erst virtuell und dann real bauen«. Dass in Österreich gegenüber BIM dennoch nach wie vor eine gesunde Portion Skepsis vorhanden ist, liegt laut Artaker auch an zwei populären Irrtümern. »Viele Branchenvertreter gehen immer noch davon aus, dass sich BIM nur für große Projekte und nur für Neubauprojekte eignet.« Dabei kann BIM auch bei Umbauten und Sanierungen eine wesentliche Rolle spielen. Die BIM-Vermesser, eine Kooperationsplattform aller wesentlichen Player rund um das Thema BIM, bietet auch die Vermessung von Bestandsobjekten und liefern das passende 3D BIM-Gebäudemodell für die jeweilige 3D BIM CAD-Software.

Infos: www.die-bim-vermesser.at


Laufende Weiterentwicklungen

n Mit der Out-of-the-box Softwarelösung Solibri Model Checker will A-Null die Qualität von BIM-Modellen weiter verbessern und den gesamten Planungsprozess produktiver machen. »Der Solibri Model Checker ist wie die Rechtschreibüberprüfung in Microsoft Word. Er überprüft das BIM-Model anhand bestimmter, zuvor festgelegter, Kriterien«, erklärt Alfred Hagenauer, Geschäftsführer der A-Null Bausoftware GmbH. Damit kann der Auftraggeber Zeit und Geld bei der Errichtung eines Gebäudes sparen. Solibri verringert Planungsfehler, ermöglicht genauere und aktuellere Kostenschätzungen, bietet Zeitersparnis in der Planung und fördert einen transparenten und zuverlässigen Planungsprozess.

Weitere Infos: www.a-null.com


Glossar

Building Infomation Modeling. BIM bedeutet Planen, Bauen und Betreiben im virtuellen Raum. Damit werden Gebäude nachhaltig über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, vom Entwurf bis zur Fertigstellung, von der Übergabe an den Bauherren, Betreiber und Facility Manager bis zum Umbau, Ausbau, Renovierung und zuletzt Abriss inklusive Baustoffrecycling. Durch die Einbindung aller relevanten Player in der Planungsphase verzögert sich zwar der Baustart, das Bauende wird in der Regel aber schneller erreicht, weil die Detaillierungsphase um 70 Prozent verkürzt werden kann. Außerdem werden die Fehler auf der Baustelle deutlich minimiert.

Last modified onDienstag, 09 September 2014 14:48
back to top