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Foto: Mit Azure können baustellenbezogen Daten in einer zentralisierten Cloudumgebung verwaltet werden. Foto: Mit Azure können baustellenbezogen Daten in einer zentralisierten Cloudumgebung verwaltet werden.

Der Bau & Immobilien Report hat führende IT-Unternehmen und Entwickler gefragt, welche Lösungen sie für die Bau- und Immobilienwirtschaft im Angebot haben.

Microsoft: Cloudlösungen für die Baulogistik

Die Logistik von Bauvorhaben umfasst heute weitaus mehr als den möglichst reibungslosen und schnellen Transport von Maschinen und Material. Dezidierte Server-Infrastrukturen und viele weitere Hardware-Lösungen sind längst ebenfalls unerlässlich geworden. Schließlich müssen Pläne, Zeitaufzeichnungen, Kalkulationen, Abrechnungen zentral verwaltet und auch mit den Kolleginnen und Kollegen in den Zentralen geteilt werden.

Früher wurden die physischen Server bestellt, angeliefert und vor Ort installiert. Um diesen Workflow zu ändern, setzt etwa die Strabag auf die Microsoft-Lösung Azure, mit der baustellenbezogene Daten in einer zentralisierten Cloudumgebung verwaltet werden können. Die redundant aufgebauten zentralen Fileserver ermöglichen dabei ein verbessertes Sicherheitskonzept und sorgen für erhöhte Ressourceneffizienz. Gleichzeitig gehört dank dem universellen Cloud-Zugriff mithilfe mobiler Endgeräte der aufwendige Auf- und Abbau der jeweiligen Server-Infrastrukturen auf den Baustellen der Vergangenheit an.


PlanRadar: Digitale Baudokumentation und Mängelmanagement

Die Dokumentation von Baumängeln erfolgt in vielen Fällen auch heute noch über Notizen, Fotos, Sprachmemos und Markierungen in Plänen, welche nachgelagert im Büro in Excel-Listen und Datenablagen übertragen und per Email oder Telefon weiterkommuniziert werden mussten. Das birgt natürlich Fehlerquellen. Deshalb hat PlanRadar eine webbasierte Software-as-a-Service-Lösung für Baudokumentation, Mängel- und Aufgabenmanagement in Bau- und Immobilienprojekten entwickelt.

Über eine Webapplikation und mittels Apps werden die digitale Erfassung, Dokumentation, Kommunikation und Nachverfolgung von Baumängeln und Aufgaben ermöglicht. PlanRadar funktioniert auf allen mobilen Endgeräten.  In der Praxis ergeben sich zahlreiche Vorteile: neben einer einfachen und transparenten Kommunikation mit allen Beteiligten und der einheitlichen Verfügbarkeit aller relevanten Informationen vor allem auch die transparente und schnelle Nachverfolgung offener Baumängel und Aufgaben in Echtzeit. Unternehmen reduzieren dadurch laut PlanRadar bis zu 70 Prozent dieser Prozesskosten und erzielen damit einen Return on Investment von über 900 Prozent. Die Anwender ersparen sich rund sieben Arbeitsstunden pro Woche, das sind fast 18 % der Arbeitszeit.


T-Mobile: Frühwarnsystem für Infrastrukturobjekte

Gemeinsam mit BS2 Sicherheitssysteme hat T-Mobile ein digitales Frühwarnsystem für Brücken, Tunnel, Gebäude und andere Infrastrukturobjekte entwickelt. Verschiedene Sensoren im Maschinennetz von T-Mobile erkennen die Warnsignale, lange bevor erste sichtbare Anzeichen auftreten, indem sie die kritischen Faktoren eines Bauwerks wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Korrosion überwachen. Nicht rechtzeitig erkannt, können diese irreparable Schäden verursachen oder eine größere Wartung des Armierungsstahls in Zementkonstruktionen erforderlich machen. Überwachte Bauwerke werden mit der IoT-Lösung intelligenter, sicherer und nachhaltiger. Zudem kann sie Schäden reduzieren und Reparaturarbeiten sowie Kosten minimieren.

Gemeinsam mit Toolsense hat man zudem intelligente IoT-Lösungen für Werkzeughersteller entwickelt, um wichtige Leistungskriterien wie Langlebigkeit, Energieverbrauch oder Verschleiß der Elektrosägen, Bohrmaschinen oder Presslufthämmern zu verbessern. Dafür werden nutzungsgenerierte, auf NB-IoT basierende Sensordaten aus den mobilen, energiekritischen Werkzeugen analysiert. Toolsense bietet Werkzeugherstellern ein Paket bestehend aus vorgefertigten Modulen, eine skalierbare, sichere IoT-Cloud für die Datensammlung und -analyse sowie mobile Anwendungen, um ihre Produkte laufend zu optimieren und schneller auf den Markt zu bringen.


Atos: Digital Field Service


Neben Apps für mobile Endgeräte, die bei der Optimierung von Prozessen und Arbeitsschritten helfen oder mit denen Ressourcen effizienter geplant werden können, halten zunehmend auch digitale Lösungen aus dem Bereich Digital Field Service Einzug in die Bau- und Immobilienbranche. Atos hat dafür eine Remote Team Support-Lösung entwickelt.

Mithilfe dieser Lösung kann der zuständige Ingenieur in der Zentrale durch die »digitalen Augen« wie etwa Body-Cam oder Smart Glass eines Mitarbeiters vor Ort in Echtzeit die Lage erfassen und den Mitarbeiter »remote«, sprich aus der Ferne, anleiten. Dabei kann der zuständige Ingenieur ebenfalls eine Smart Glass wie die Microsoft HoloLens nutzen, um in seinem Augmented-Reality-Raum die Echtzeit-Videos des Videotelefonats zu sehen, während ihm die notwendige Dokumentation als Augmented-Reality-Inhalt angezeigt wird. So werden Arbeitsvorgänge beschleunigt, die bisher mit hohen Kosten verbunden waren.


Digido: Die digitale Transportwelt

Zwischen Verkäufer, Lieferanten und Kunden werden immer noch Unmengen an Papier ausgetauscht. Und das, obwohl viele Unternehmen ihre Lieferscheine bereits elektronisch produzieren, sie dann aber ausdrucken oder per Fax verschicken. Dies stellt nicht nur einen enormen Aufwand, sondern auch eine große Fehlerquelle dar. Deshalb hat die ARA Servicegruppe mit DiGiDo eine digitale Plattform zum schnellen, effizienten und geschützten Austausch von Transportdaten entwickelt.

Es handelt sich dabei um einen intelligenten »elektronischen Briefträger«, der Daten vom Übergeber digital erhält und diese in Echtzeit an den Transporteur und den Empfänger der Waren digital weiterleitet. Die vom Übergeber, Transporteur oder Übernehmer eingegebenen Lieferscheindaten werden dabei an alle am Transportprozess Beteiligten automatisch übermittelt. Damit haben etwa Entsorger oder Baufirmen ihre Lieferscheindaten bereits in ihrem ERP-System, während der Lkw noch unterwegs ist. Damit verspricht DiGiDo  signifikante Produktivitätssteigerungen durch den Wegfall von Mehrfacherfassungen und Korrekturen von ein und denselben Transportdaten sowie eine große Zeit- und Kostenersparnis. Den Nutzern steht damit auch eine zuverlässige Datenbasis für Materialwirtschaft, Rechnungskontrolle und Finanzwesen zur Verfügung.


Cellent: Internet of Things auf der Baustelle

Um Unfälle, Verzögerungen und Kosten auf Baustellen zu reduzieren und die Produktivität zu steigern, setzen der österreichische IT-Dienstleister cellent und sein Mutterkonzern Wipro auf Internet of Things (IoT) und Cognitive Computing.

Bei der IoT-Technologie kommen unter anderem sogenannte Wearables zum Einsatz, die die Baustellenumgebung überwachen und die Körper- und Gesundheitsparameter der Arbeiter verfolgen. Beispielsweise warnen »smarte« Helme die Mitarbeiter vor gefährlichen Bereichen (z.B. Gasaustritt) oder dynamischen Gefahren (z.B. Kran). Bei einem Unfall ist die Bauaufsicht sofort im Bilde und kann geeignete Maßnahmen ergreifen. Auch Übermüdung, die den Arbeiter selbst und andere in Gefahr bringen kann, wird rechtzeitig erkannt. Darüber hinaus sollen Geräte und Sensoren, die an Baumaschinen installiert sind, den Ablauf auf den Baustellen produktiver machen: Sie helfen unter anderem dabei, den Standort der Flotte über GPS zu verfolgen, zu überwachen und gegebenenfalls aus der Ferne einzuschreiten.

Nutzungsmuster lassen sich identifizieren; Missbrauch, Diebstahl oder Fahrzeugkollisionen können verhindert und ungeplante Maschinenausfälle durch „Predictive Maintenance” vermieden werden. So macht moderne IT-Technologie Baustellen nicht nur sicherer. Arbeitsabläufe und Maschineneinsätze lassen sich auch effektiver planen und koordinieren.


Nagarro: KI-Unterstützung für Architekten und Bauherrn

Das IT-Unternehmen Nagarro bietet für die Bau- und Immobilienbranche Softwarelösungen mit Assisted/Virtual Reality, Algorithmen und Machine Learning. Ein Anwendungsbeispiel ist der Connected Worker, der mit Smart Glass »handsfree« Arbeiten auf der Baustelle ermöglicht. Über die Brille und Softwarelösungen werden Konstruktionshilfen eingeblendet, live über die Brille mit Kollegen korrespondiert und Abnahmen dokumentiert.

Auch Virtual-Reality-Szenarios eröffnen der Branche neue Möglichkeiten. Damit kann man in eine Immobilie virtuell eintreten, sie aus allen Perspektiven in Kombination mit Einrichtung oder baulichen Änderungen sehen. Weiters entwickelt Nagarro aus den in Summe erfassten Daten  weitere Digitalisierungslösungen, die etwa der Planung und Qualitätssicherung dienen. Hierfür werden Daten in Data Lakes transferiert und mittels Machine Learning und Algorithmen in nützliche Befunde umgewandelt.

Künstliche Intelligenz steigert die Präzision der Auswertungen zusätzlich und liefert wertvolle Erkenntnisse für Architekten und Bauherren. Bereits heute werden nach einem ähnlichen Modell Windräder serviciert. Über Drohnen-Aufnahmen, die man mit Pattern-Recognition und Algorithmen bearbeitet, erzielt man hier eine extrem hohe Informationsdichte, um die Qualitätssicherung der Anlagen zu optimieren.


Oracle: Effizientes Bau-Projektmanagement

Mit der Lösung Prime Projects hat Oracle eine intelligente Basis für modernes Bau-Projektmanagement entwickelt, die auf kapitalintensive Industrien aus Bauherren- und Bauunternehmensicht fokussiert. Prime Projects hilft Unternehmen dabei, die Aufgabenkoordination zu straffen, die Entscheidungsprozesse zu verbessern, die Projekt-Performance zu erfassen und das Risiko von Überschreitungen bei Terminplänen und Budgets zu verringern. Oracle Prime Projects standardisiert und automatisiert Geschäftsprozesse im Back-Office und auf der Baustelle und integriert dabei branchenspezifische Best Practices (zB. Lean Construction). Durch die Umsetzung konsistenter und jederzeit wiederholbarer Workflows werden die Verantwortlichkeiten aller Projektbeteiligten sichergestellt. Moderne, voll integrierte und multidisziplinäre Arbeitsprozesse beseitigen nicht nur Ineffizienzen oder mangelnde Kommunikation – sie versetzen Unternehmen auch in die Lage, immer wieder replizierbare Prozesse zu etablieren, die Projektkoordination zu verbessern und kostspielige Überraschungen zu vermeiden.


Door2Solution: VR im Service Management

Die Virtual-Reality-Anwendung door2vr des Wiener IT-Unternehmens door2solution ermöglicht es, Maschinen und Baugruppen im virtuellen Raum zu visualisieren, zu rotieren, zu bewegen und zu zerlegen. Notwendig ist dafür lediglich ein herkömmliches VR-Set und das Andocken des Systems an die Konstruktionsdaten. Danach kann man durch den »Virtual Showroom« navigieren, das Objekt bewegen oder produktspezifische Informationen, wie technische Hinweise, Wartungsanleitungen und Bilder aus dem Produktmarketing oder Videos, rezipieren. 

Bei Fragen zum Produktaufbau oder tiefgreifenden Informationen kann mittels Controller auch ein Virtual Service Assistant kontaktiert werden. Dieser wird via Livestream in den virtuellen Raum zugeschalten und kann so spezifische und ausführliche Informationen übermitteln. Eine weitere Entwicklungsstufe stellt der Einsatz von IoT-Sensoren dar, welche das Abrufen von Betriebszuständen und Live-Darstellung von Messdaten in der virtuellen Welt ermöglichen. Und schließlich können mit dieser Lösung auch direkt Ersatzteile geordert werden.

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