Round Table: Holz- vs. Massivbau

Foto: Johannes Wahlmüller, Michael Schluder, Karl Wurm, Martin Leitl und Andreas Bauer diskutieren intensiv über Vor- und Nachteile von Holz- und Massivbauweise. Foto: Johannes Wahlmüller, Michael Schluder, Karl Wurm, Martin Leitl und Andreas Bauer diskutieren intensiv über Vor- und Nachteile von Holz- und Massivbauweise.

Holz- und Massivbauer sprechen gerne übereinander. Nicht selten gibt es dabei heftige verbale Tiefschläge, auch in der Kommunikation nach außen. Der Bau & Immobilien Report fand es höchst an der Zeit, dass endlich miteinander gesprochen wird, und lud Vertreter der beiden Bauweisen sowie unabhängige Experten zur Diskussionsrunde ins Falkensteiner Hotel Wien Margareten.

Die Diskutanten (alphabetisch):

Andreas Bauer
Vizepräsident Bau.Genial

Martin Leitl
Techniksprecher Bau!Massiv!

Michael Schluder
Eigentümer des Architekturbüros Michael Schluder

Johannes Wahlmüller
Nachhaltigkeitsexperte bei Global 2000

Karl Wurm
Geschäftsführer Gewog

 

Report: Die Gewog hat neben zahlreichen Gebäuden in Massivbauweise auch schon mehrgeschoßige Holzbauten wie etwa in der Breitenfurterstraße errichtet. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht und wo liegen die größten Unterschiede?

Karl Wurm: Bei der Breitenfurterstraße handelte es sich um einen Bauträgerwettbewerb, bei dem das Thema Holz im Vordergrund stand. Das war auch für uns Neuland, weil wir bislang nichts in Holz gemacht haben. Nach dem Zuschlag haben aber die Probleme angefangen. Die Firma, mit der wir im Vorfeld in engem Kontakt standen, konnte oder wollte plötzlich nicht mehr zum vereinbarten Preis liefern. Also machten wir uns auf die Suche nach Holzbauern. Nach einigem Hin und Her hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst und wir konnten den abgegebenen Preis halten.

Das fertige Produkt ist tadellos. Man hat aber schon gemerkt, dass der Holzbau speziell in Wien noch nicht wirklich angekommen ist. Das sieht man etwa bei den Professionisten. Beim Thema Elektrik gab es  große Diskussionen, wie der Baustoff Holz richtig zu behandeln sei und wo die Löcher gemacht werden müssen. Da fehlt ganz einfach die Praxis im Umgang mit dem Baustoff. Das ist im Westen Österreichs ganz anders.  

Report: Herr Schluder, Sie sind als Architekt in beiden Welten beheimatet. Können Sie die Einschätzung von Herrn Wurm nachvollziehen? Was sind aus Sicht des Architekten die größten Vor- und Nachteile der jeweiligen Bauweise?

Michael Schluder: Absolut. Wir befassen uns seit rund acht Jahren intensiv mit dem mehrgeschoßigen Holzbau. Und da hat man vor allem in Wien gesehen, dass Firmen für diese große Bauaufgaben fehlen. Das hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Baufirmen wie etwa Granit oder Strabag sehen diese Tendenz und rüsten sich mit Partnern für diese Aufgabe. Das bietet den Architekten und Bauträgern neue Möglichkeiten und die Liste der Anbieter wird erweitert.

Michael Schluder: »Es ist unsere Aufgabe, die Baustoffe gemäß ihren Stärken einzusetzen.«

Die mineralische Bauweise hat den Vorteil, dass sich gerade über die letzten hundert Jahre, durch die Erfindung des Stahlbetons, die gesamte Projektentwicklung an der mineralischen Bauweise orientiert hat. Die heutigen Arbeits- und Projektprozesse sind geprägt von der mineralischen Bauweise. Der Holzbau ist von ganz anderen Zyklen geprägt. Es ist eine höhere Vorfertigung möglich und diese verlangt andere Qualitätssicherungen, nicht besser oder schlechter, aber es sind andere Prozesse. Deshalb müsste man uns Architekten und Planer entsprechend ausrüsten. Es gibt aber bis heute keine entsprechenden, durchgängig genormten Leistungsbeschreibungen. Nicht alle Produkte am Markt sind zertifiziert. Das ändert sich langsam.

Generell ist zu sagen, dass es Aufgabe des Architekten ist, die jeweiligen Baustoffe dort einzusetzen, wo sie ihre Potenziale am besten ausspielen. Das kann natürlich auch in einer hybriden Anwendung sein.

Report: Herr Bauer, es wurden jetzt schon einige heikle Themen angesprochen wie etwa das West-Ost-Gefälle oder fehlende Zertifizierungen. Sind das Themen, mit denen man sich verbandseitig beschäftigt?

Andreas Bauer: Dieses Gefälle gibt es, das ist gar keine Frage. Aber es gibt auch in Wien schon einige Beispiele für tolle Holzbauten. Das leichte Bauen ist sicher auch im Osten im Kommen. Dass es jetzt noch die eine oder andere Hürde gibt, liegt daran, dass man einfach eine andere Bauweise gewohnt ist. Aber wenn die Nachfrage da ist, wird auch das Angebot kommen. Die Bauwirtschaft hat schon oft bewiesen, dass sie gut auf neue Herausforderungen reagieren kann. Wenn ein paar größere Projekte in Holzbauweise realisiert wurden, dann wird das auch im Osten kein Thema mehr sein.

Report: Herr Leitl, im Umkehrschluss, wo liegen die größten Vorteile der Massivbauweise?

Martin Leitl: Eine ganz wesentliche Stärke der mineralischen Baustoffe ist sicher die Lebensdauer. Zudem bringt der Baustoff viele natürliche positive Eigenschaften mit. Das beginnt bei der Masse, die wie eine natürliche Klimaanlage wirkt, geht über den Brandschutz bis hin zur Katastrophensicherheit bei Sturm oder Hochwasser. Eine weitere Stärke ist sicher die Wirtschaftlichkeit. Viele Studien kommen zu dem Ergebnis, dass der Massivbau kostengünstiger ist als die Leichtbauweise. 

Thema: Nachhaltigkeit

Report: Es wurde die Lebensdauer angesprochen, damit sind wir auch beim Thema Nachhaltigkeit. Herr Wahlmüller, welche Bauweise ist aus Sicht des Umweltschützers nachhaltiger?

Johannes Wahlmüller: Am wichtigsten aus Umweltsicht ist, dass effizient gebaut wird. Gebäude der Zukunft sollten CO2-neutral sein. Das ist auch keine Fantasie, sondern Teil von EU-Richtlinien und sicher machbar.

Heute ist der Gebäudebereich in Österreich für ein Drittel des Energieverbrauchs verantwortlich. Wenn sich eine effiziente Bauweise durchsetzt, wird der Anteil der grauen Energie immer wichtiger. Bei derzeitigen Baustandards werden 80 Prozent der Energie in einem Gebäude im Betrieb verbraucht, 20 Prozent entfallen auf die graue Energie durch die Herstellung der Baustoffe oder die Transportwege.

Johannes Wahlmüller: »Wenn wir echte Kostenwahrheit haben, brauchen wir auch keine Quoten.«

Umgelegt auf ein Passivhaus hat die graue Energie einen Anteil von 50 Prozent und nur noch die Hälfte des Energieverbrauchs entfällt auf die Betriebszeit. Deshalb ist aus unserer Sicht die Ökobilanz über die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes wichtig. Und da stellt sich natürlich die Frage, welche Baustoffe setzt man ein. Gute Baustoffe sind aus unserer Sicht jene, die sowohl in der Herstellung als auch im Lebenszyklus wenig Energie verbrauchen. Da sehen wir in Summe schon Vorteile bei der Holzbauweise.   

Martin Leitl: Ich denke, man muss das schon differenzierter sehen. Vor allem das Stichwort Lebensdauer ist wichtig. Anfang des Jahres haben fünf ACR-Institute untersucht, welche Häusertypen und welche Baustoffe über die gesamte Lebensdauer am wirtschaftlichsten und umweltverträglichsten, also nachhaltig, sind. Das Ergebnis: Es gibt keinen Baustoff, der bei allen Öko-Indikatoren die Nase vorne hat. Aus diesen Ergebnissen lässt sich Ihre Einschätzung meiner Meinung nach nicht ableiten.

Man muss in diesem Zusammenhang schon auch die Frage stellen, wo das verbaute Holz herkommt. Österreich ist nach China der zweitgrößte Holzimporteur der Welt und zwar in absoluten Zahlen. Österreich hat zwar eine große holzverarbeitende Industrie, aber wenn nicht freiwillig zertifiziert wird, ist nicht nachvollziehbar, wo das Holz herkommt. In der Schweiz muss das Herkunftsland des Holzes angegeben werden, in Österreich gibt es das leider nicht. Wenn der Holzbau auf Nachhaltigkeit pocht, dann muss es doch legitim sein, zu sagen, wo das Holz herkommt.

Thema: Herkunftsbezeichnung

Report: Herr Bauer, wo kommt das Holz her, das in Österreich verarbeitet wird?

Bauer: Ich bin mir nicht sicher, ob es sich auszahlt, das Holz quer durch Europa zu transportieren, um es dann in Österreich zu verarbeiten. Das kann ich nicht bestätigen oder nachvollziehen. Ich denke schon, dass vorwiegend heimisches Holz verarbeitet wird. Und die Holzfläche in Österreich nimmt ja zu.

Was mich bei diesen angesprochenen Studien immer stört, ist die angenommene Lebensdauer von 100 Jahren. Vor allem im Einfamilienhausbereich tut sich doch einiges, die Nutzung ändert sich. In der Massivbauweise tu ich mir sehr schwer, das Gebäude entsprechend den sich ändernden Bedürfnissen zu modifizieren. Da bin ich mit der Leichtbauweise deutlich flexibler.

Andreas Bauer: »Mit der Überarbeitung der OIB-Richtlinie steht der Baustoff Holz jetzt dort, wo er hingehört.«

Wahlmüller: Es stimmt schon, dass viel Holz importiert wird. Es gibt ja auch noch einen großen Anteil an Stückholzheizungen. Und gerade in diesem Zusammenhang weisen wir immer wieder darauf hin, dass es aus ökologischer Sicht wichtig ist, dass Holz kaskadisch verwendet wird. Das geschlagene Holz gleich zu verbrennen, ist ökologischer Unsinn. Sinnvoller ist es, dazwischen eine zusätzliche Anwendung zu finden. Das kann in der Möbelindustrie sein, aber eben auch die Verwendung als Baustoff.   

Wurm: Zur Kritik an den 100 Jahren möchte ich schon auch noch etwas sagen. Ein vernünftiger Durchrechnungszeitraum muss sich an der Abschreibung orientieren. Wenn man zwei Prozent Abschreibung nimmt, sind wir bei 50 Jahren, bei 1,5 Prozent bei rund 67 Jahren und bei einem Prozent eben bei 100 Jahren. Also diese Sichtweise ergibt schon Sinn. Die 70 oder 100 Jahre sind im Massivbau ja auch wirklich zu erreichen. Und Umbauarbeiten sind meiner Meinung nach da wie dort möglich.

Report: Herr Wahlmüller, wäre eine Herkunftsbezeichnung aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Wahlmüller: Ich denke sogar, dass das sehr, sehr wichtig wäre. Das verarbeitete Holz muss aus verlässlichen Quellen kommen. Man sieht ja am Beispiel Rumänien, dass hier illegal Urwälder gerodet werden. Da muss man sich natürlich die Frage stellen, wie kommt dieses Holz in Umlauf und wo wird es verarbeitet. 

Report: Der Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke VÖB hat eben ein Regionalitätssiegel vorgestellt. Im Holzbereich gibt es das nicht. Wird etwas Ähnliches angedacht?

Bauer: Ich denke, dass sich die österreichische Holzwirtschaft nicht verstecken muss. Ein Herkunftszeichen gibt es zwar derzeit noch nicht. Das wird man sich aber sicher überlegen müssen. Denn Transparenz ist natürlich ganz wichtig und auch in unserem Sinn.

Thema: OIB-Richtlinie & Brandschutz

Report: Heiß diskutiert wird immer wieder das Thema Brandschutz. Die Überarbeitung der OIB-Richtlinie hat für viel Zündstoff gesorgt. Handelt es sich um einen Lobbyingerfolg der Holzbauer oder um eine gerechtfertigte Gleichstellung des Baustoffs Holz mit mineralischen Baustoffen?

Leitl: Niemand will, dass irgendein Baustoff benachteiligt wird. Aber es gibt Unterschiede, die man nicht wegdiskutieren kann. Wenn es auf der einen Seite einen brennbaren Baustoff gibt und auf der anderen Seite einen nicht brennbaren, dann muss sich das irgendwie auswirken. Wenn man mit einem brennbaren Baustoff bauen will, braucht man zusätzliche Sicherungsmaßnahmen. Denn es darf nie zu Lasten der Benutzer gehen.
Das Problem ist, wenn diese zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen für alle Baustoffe vorgeschrieben werden. Denn das macht sich bei den Kosten bemerkbar und widerspricht dem Ziel des leistbaren Bauens.

Martin Leitl: »Studien zeigen, dass der Massivbau kostengünstiger ist als die Leichtbauweise.«

Bauer: Mit der Überarbeitung der OIB-Richtlinie steht der Baustoff Holz jetzt dort, wo er hingehört. Was ich persönlich aber immer ein wenig befremdlich finde, ist das Spielen mit der Angst. Wenn es zu Bränden kommt, geht es fast immer ausschließlich um Sachschäden. Zuerst brennt die Inneneinrichtung - und das ist völlig unabhängig von der Bauweise. Es gibt keine Statistik, die einen Zusammenhang zwischen Bauweise und Brandhäufigkeit oder Brandschäden belegen würde. Deshalb kann ich diese Brandhysterie nicht nachvollziehen.

Report: Geht es hier nicht in erster Linie darum, mit naheliegenden Argumenten zu punkten? Jeder Laie weiß, dass Holz ein natürlicher Baustoff ist, der nachwächst. Dieses Bauchgefühl nutzen die Holzbauer für sich aus, es weiß aber auch jeder Laie, dass Holz nun mal brennt. Das wiederum machen sich die Massivbauer zunutze. Wissenschaftlich überprüfbare Fakten scheinen da eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Leitl: Sie haben sicher recht, dass in der Werbung natürlich das Bauchgefühl angesprochen wird. Was wir aber sicher nicht machen, ist, mit Angst zu arbeiten. Für diesen Vorwurf müssten Sie mir schon konkrete Beispiele liefern.

Bauer: Meines Wissens gab es eine Studie, die von Ihnen beauftragt wurde, die genau in diese Richtung ging.

Leitl: Die Ergebnisse eine Studie können Sie uns aber nur schwer vorwerfen. Aber wir haben diese Ergebnisse nie in der Werbung eingesetzt. Dass auf wissenschaftlicher Ebene Risiken erforscht werden, sollte schon legitim sein. Ich bin aber auch der Meinung, dass man in der Werbung die Emotionen, oder in diesem Fall auch die Angst, nicht in den Vordergrund stellen sollte. Diesen Weg wollen und werden wir nicht gehen. Umgekehrt erwarten wir uns aber auch von der Holzseite, die emotionale Ebene nicht überzustrapazieren.

Wurm: Ich seh das eigentlich ganz entspannt. Es ist doch das legitime Recht beider Seiten, sich etwas einfallen zu lassen, warum ihr Produkt das bessere ist. Die Frage ist vielmehr, ob die Ergebnisse dieser angesprochenen Studien auch immer gleich in eine Norm, ein Gesetz gegossen werden müssen. Ich kann Herrn Leitl und Herrn Bauer sehr gut verstehen, ein Problem habe ich mit jenen, die glauben, dass es in Österreich anders brennt als in anderen Ländern.

Karl Wurm: »Im städtischen Bereich wird die Massivbauweise weiter dominieren.«

Report: Herr Wurm, Herr Schluder, welche Folgen hat die Überarbeitung der OIB-Richtlinie in der Praxis?

Wurm: Es ist jetzt etwas einfacher geworden, Holz auch in der Gebäudeklasse 6 zu verwenden. Wie sich das auf die Kosten auswirken wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Dabei ist schon festzuhalten, dass das Bauen mit Holz kostspieliger ist.

Schluder: Das sehe ich nicht ganz so. Ich traue mir zu behaupten, ein Gebäude in beiden Bauweisen zu den gleichen Kosten planen zu können. Generell ist aber zu sagen, dass die neuen Normen und Richtlinien zu einer Verteuerung des Bauens geführt haben, und zwar unabhängig vom Baustoff. Für vieles, was früher in der Verantwortung des Architekten lag, gibt es heute Normen und diese müssen zusätzlich mit geprüften Zertifizierungen und Attesten belegt werden.

In Sachen Brandverhalten von Holz gibt es aus meiner Sicht einige, historisch bedingte Missverständnisse. Da denkt man an mittelalterliche Städte, die lichterloh brennen. Wir haben heute in einer Stadt ganz andere Parameter. Da überwiegen die Vorteile: Holz ist nicht nur sauber und leicht, sondern durch den hohen Vorfertigungsgrad auch schnell in der Verarbeitung.

Report: Herr Leitl, was können Sie dem Schnelligkeitsargument entgegensetzen?

Leitl: Einiges von dem, was Herr Schluder gesagt hat, ist sicher richtig. Aber auch im Massivbau geht der Trend in Richtung Fertigteile. Das ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Man muss aber auch vorsichtig sein, Holzbau ist nicht gleich Holzbau. Der massive Holzbau ist ganz etwas anderes als der Leichtbau. Ich möchte auch noch einmal festhalten, dass ich überhaupt nichts gegen andere Bauweisen habe. Es müssen aber für alle die gleichen Regeln gelten. Wogegen wir uns wehren, ist eine politische Einflussnahme, die in Richtung Quoten geht.

Thema: Holzbau-Charta & Quoten

Report: Apropos Quoten: Der Holzlobby ist mit der sogenannten Holzbau-Charta ein großer PR-Coup gelungen. 8.600 Personen, darunter sogar mehrere Minister, haben unterzeichnet. Daraus haben die Initiatoren die Forderung nach einer Holz-Quote von 20 % im Rahmen der Wohnbauoffensive abgeleitet. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner hat dieser Forderung eine Absage erteilt. Herr Leitl, sind Sie erleichtert?

Leitl: Es ist für mich ein Zeichen der Schwäche, wenn sich eine Branche am Markt nicht durchsetzen kann und deshalb Quoten verlangt. Dass diese planwirtschaftlichen Gedanken von der Politik nicht unterstützt werden, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Ich weiß auch, dass sich viele Unterzeichner der Holzbau-Charta über den Tisch gezogen fühlen, weil die Quotenforderung erst im Nachhinein aufgestellt wurde.

Report: Herr Bauer, ist die Quotenforderung ein Zeichen der Schwäche?

Bauer: Nein, das denke ich nicht. Die Holzbau-Charta ist ein netter Gag, der für Aufsehen gesorgt hat. Ich glaube aber gar nicht, dass wir eine Quote brauchen. Die Holzbauweise ist auch so auf dem Vormarsch und wird sich durchsetzen.

Report: Das Thema Quoten wird immer sehr kontrovers diskutiert. In der Steiermark gibt es eine De-facto-Quotenregelung. Wie stehen Sie als Bauträger zum Thema Quoten?

Wurm: Eine Quote ist immer ein ordnungspolitischer Ansatz. Das ist per se kein Problem. Wichtig sind die Rahmenbedingungen. Die Erfahrung zeigt, dass Quoten in der Regel zu Preissteigerungen führen, weil der Wettbewerb aufgrund eines garantierten Marktanteils nicht sehr ausgeprägt ist. Um etwas anzureizen, sind Quoten sicher sinnvoll, aber dann muss man sich auch auf der preislichen Seite etwas überlegen. Damit wird das Thema Quote sehr kompliziert. Ich stehe daher, genauso wie meine Kollegen in der Steiermark, dem Thema Quoten sehr skeptisch gegenüber. Bauen soll man das, was preiswert ist.

Report: Herr Wahlmüller, sind Quoten sinnvoll für den Umweltschutz?

Wahlmüller: Wir haben da einen anderen Ansatz. Das Problem ist, dass wir nicht ehrlich abrechnen. CO2 hat keinen oder kaum einen Preis. Wir haben zwar das System des Emissionshandels, aber der Preis für eine Tonne CO2 geht gegen Null. Wenn CO2 und Energie fair abgerechnet werden, dann brauchen wir keine Quote. Dann kann jeder Baustoff seine Vorteile ausspielen. Der Massivbau punktet mit seiner Lebensdauer, Holz wächst nach und ist CO2-neutral. Es geht um Kostenwahrheit, dann würde der Markt das automatisch regeln und die ökologischen Kosten würden eingepreist.

Wurm: Man muss sich aber schon bewusst sein, dass Kostenwahrheit etwas kostet. Und da muss man dann die Frage stellen, ob die Konsumenten in der Lage sind, diese Kosten zu tragen.

Wahlmüller: Nehmen wir das Beispiel CO2-Steuer, die niedrig beginnt und langfristig steigt. Natürlich führt das zu höheren Kosten bei Produkten, die viel CO2 verursachen. Dieses Geld kann der Staat dann dafür verwenden, leistbares Wohnen sicherzustellen. Kostenwahrheit führt zu fairen Preisen. Das ändert die Einnahmensituation, aber das Geld verschwindet ja nicht und wird wieder verwendet.

Leitl: Mit diesem Modell könnte ich auch gut leben, es muss aber auch das Produktumfeld betrachtet werden. Die CO2-Neutralität von Holz ist ja ein rechnerischer Wert. Das gilt aber nur, wenn der Wald nicht weniger wird. Wenn die Waldflächen zurückgehen, stimmt dieser Ansatz nicht mehr.

Thema: Werbung

Report: Die Auseinandersetzung zwischen den Bauweisen wird auch werbetechnisch sehr hart geführt. Die Holzfraktion greift beim Thema CO2-Fußabdruck auf vergleichende Werbung zurück, die Massivbaufraktion reagiert mit einem Schocksujet eines abgeholzten Waldes. Geht diese Art der Werbung nicht zu weit?

Bauer: Natürlich soll Werbung emotionalisieren und darf auch polarisieren. Diese Art der Werbung ist aber sicher heikel. Ich muss auch dazu sagen, dass diese Werbung nicht von uns kam. Wir von BauGenial würden das nicht machen.

Leitl: Unser Sujet war eine einmalige Reaktion auf die Werbekampagne von ProHolz. Es sollte schon so eine Art Schuss vor den Bug sein. Es war für uns aber immer klar, dass wir daraus keine Kampagne machen. Werbung kann und soll zwar emotional sein, sollte aber die eigenen Stärken in den Vordergrund stellen.

Report: Herr Wurm, welche Rolle spielt der CO2-Fußabdruck in Ihren Überlegungen?

Wurm: Das ist immer ein Abwägen. Natürlich wollen wir nachhaltig sein, es gilt aber auch, den vorgegebenen Preis zu erreichen. Gerade im gemeinnützigen Bereich spielt die Nachhaltigkeit, die dem Nutzer auch zugute kommt, wie etwa bei der Dämmung, eine sehr große Rolle und ist sicher wichtiger als irgendwelche architektonischen Aspekte. Dennoch habe ich ein Kostenlimit, das ich einhalten muss. 

Thema: Dialog & Miteinander

Fazit: Nicht immer einer Meinung, aber am Ende doch versöhnlich.

Report: Kirchdorfer und Mayer-Melnhof sind ein Joint Venture eingegangen, das Holz-Beton-Verbundwerkstoffe herstellt. Wird dieses Miteinander die Ausnahme bleiben oder könnte das Schule machen?

Leitl: Ich glaube, dass die Kombination von Werkstoffen in Zukunft eine große Rolle spielen wird. Und sinnvolle Kombinationen werden sich natürlich auch durchsetzen.

Bauer: Ich denke auch, dass dieses Beispiel Schule machen wird. Es ist immer sinnvoll, Stärken zu verbinden und etwas Neues zu schaffen.

Report: In der öffentlichen Wahrnehmung hat man das Gefühl, dass Massiv- und Holzbauer meist nur übereinander, nicht aber miteinander sprechen. Wie sieht es hinter den Kulissen aus? Gibt es einen Dialog?

Leitl: Ich glaub, es ist normal, dass es in der Öffentlichkeitsarbeit mehr Konfrontation gibt, als wenn man sich gegenübersitzt. Es wird sehr wohl miteinander gesprochen und man akzeptiert auch die Stärken des anderen Baustoffes. Man sieht ja auch an unserer heutigen Diskussion, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt.

Bauer: Ich sehe das ähnlich. Die Gemeinsamkeiten gibt es. Wir sind alle Teil der österreichischen Bauwirtschaft. Wir als BauGenial haben da auch keine Berührungsängste und sind gesprächsbereit.

Report: Herr Leitl, was schätzen Sie an der Holzbauweise?

Leitl: Ich habe von einer Vollholzbauweise in Salzburg gehört, die mir sehr gefällt. Da wird auf sämtliche Imprägnierungen und Leime verzichtet, verbunden wird mit einem eigens dafür entwickelten und patentierten System. So einen Holzbau schätze ich sehr. Leichtbau ist wieder etwas ganz anderes. Da liegen die Vorteile natürlich in der Schnelligkeit.

Report: Herr Bauer, was schätzen Sie an der Massivbauweise?

Bauer: Die Massivbauweise ist eine sehr traditionelle, angesehene Bauweise in Österreich, die sehr gut mit der Holz-Leichtbauweise harmoniert.

Report: Herr Wurm, werden Sie als Bauträger noch weitere Projekte in Holzbauweise realisieren?

Wurm: Das muss man nach Regionen differenzieren. Im ländlichen Raum wird es aus meiner Sicht sehr wohl noch mehr Holzbau geben. Im städtischen Bereich ist die Herausforderung eine andere, da geht es vor allem um Menge und Verdichtung. Und da denke ich, dass die konservative Bauweise weiter dominieren wird. 

Report: Meine Herren, vielen Dank für das Gespräch.    

Der Location-Partner: Falkensteiner Hotel Wien Margareten

Durchgeführt wurde der Round Table »Holz- vs. Massivbau« im Vier-Sterne Superior Falkensteiner Hotel Wien Margareten. Der neue Hotspot für Städtereisende ermöglicht eine architektonische Zeitreise zwischen Biedermeier und Moderne.

Großzügige Seminarbereiche, Funktionalität und gediegener Komfort sind ein ideales Umfeld für Meetings, Workshops und Feierlichkeiten in einer Atmosphäre der Nostalgie und Moderne. Vier kombinierbare Konferenzräume mit State-of-the-Art-Equipment bieten die nötigen Rahmenbedingungen für die Organisation einer professionellen Veranstaltung.

Neben dem exklusiven 240m2 Acquapura City SPA auf der obersten Hoteletage punktet das Hotel auch mit einer kreativen Kulinarik. Dabei werden leichte mediterrane Gerichte und der bodenständige Einfluss des Alpenraums mit neu interpretierten Spezialitäten der Altwiener Küche kombiniert. Das Ergebnis sind Gerichte wie »Alt Wiener Fiakergulasch mit Pommes pont Neuf«, »kross gebratener Pulpo mit Pesto, hausgemachter Pasta und Aioli« oder »Südtiroler Apfelstrudel auf einem Spiegel von aromatischer Vanille«.

Kontakt: Falkensteiner Hotel Wien Margareten
Margaretengürtel 142
1050 Wien
Tel. +43 1 361 630
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www.margareten.falkensteiner.com

Last modified onDonnerstag, 21 Januar 2016 09:09
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